Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 36.1918

Seite: 67
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In den blut'gen Sturm des Krieges
zogen sie;

Das goldne Reis die Sieges brachen
sie!

Gleich starken Eichen fielen sie als
Helden;

Tu's ihnen mit Gebeten jetzt ver-
gelten!

Damit aber diese Schrift (im Stile
Louis' XVI.) den seinen und ruhigen
Ernst und die Vornehmheit des oberen
Teiles nicht störe, ist sie mit grauer
Farbe angebracht, so daß sie nur in der
Nähe sich zeigt, von größerer Entfer-
nung aus aber allmählich mit dem gelb-
lichen Hintergrund in eine einzige Farbe
verschmilzt.

. Zwei etwas mehr zurücktretende schmale
Wände des Antipendiums sind bestimmt,
später aus Metallplatten die Namen der
Pfarreiangehörigen zu künden, die im
fürchterlichen Kriege gefallen sind.

Es teilen sich nur zwei Farben in die
Herrschaft über das Werk: ein sanftes
(verwässertes, cremefarbiges) Gelb, das
an Elfenbein erinnert und damit für die
feine Tönung des ganzen Werkes bürgt,
und das majestätische Gold in matt und
glanz, das aber sehr feinsinnig und sehr
geschmackvoll ausgewählt ist und es ab-
sichtlich verschmäht, in großen Partien
das Auge zu verletzen.

Die alten Leuchter aus den Jahren
1750 und 1770, die bisher ein armseliges
Leben führten und im Kleid der Ver-
kommenheit und Armut sich zeigten, sind
zu neuer Daseinsfreudigkeit erwacht und
bringen in ihrem Silber und Gold, in !
Metall und Holz eine glänzende Ueber-
einstimmung und täuschen aufs feinste
alte Kunst und alte Zeit vor.

Das Kunstwerk ging hervor aus der
Werkstatt von Friedrich Britsch, in Firma
Beerhalter in Gmünd; es spricht aus
sich selbst für seinen Schöpfer. Peinlich
genaue Arbeit, solide Ausführung leisten
dafür Gewähr, daß das Werk lange Zei-
ten zu überdauern vermag. Auch der
Preis: 3700 M., ist in Anbetracht der
Kriegszeiten ein mäßiger zu nennen.
Daß der Erbauer des Altares mit der
von ihm vorgeschlagenen Ausführung
das rechte Ziel erreichte, dafür mag ihm
als Beweis gelten die allgemeine Be-
wunderung und der Stolz all jener

Psarrangehörigen, die auch nur einigen
Sinn für das Schöne und Wahre haben,
und die alle zusammen sagen: „Der Al-
tar paßt so gut in die Kirche herein, als
wäre er vor 150 Jahren schon herein-
gekommen!"

Nicht unerwähnt darf aber auch noch
eine andere Zierde des Gotteshauses
bleiben, nämlich die neue Kommunion-
bank. Obwohl die alte noch sehr gut
ihren Dienst tat, wollte sie sich doch nicht
so recht in Einstimmung bringen lassen
mit dem festesfreudigen Ton, den der
neue Altar anschlug. Darum hat Herr
Drechslermeister Holzner in Neresheim
in mühevoller und peinlich genauer Ar-
beit uns ein Kommuniongitter gefertigt
im Wert von 500 M., das in seinen
zierlichen, eleganten und doch kraftvollen
Pilastern aus Eiche und mit seinem stil-
len, aber stattlich und vornehm wirken-
den Dunkelbraun eine zum Kunstwerk
des Altars ebenso passende kunstvolle
Rahme bildet. Auch dieser Herr hat sich
mit seiner Schöpfung ein Denkmal sei-
nes Fleißes und seiner Kunstfertigkeit
wie auch seines kunstsinnigen Geistes ge-
setzt. Er sei für ähnliche Aufträge aufs
wärmste empfohlen!

Der fromme Sinn der Pfarrgemeinde
hat großmütig beigeholfen, den gefalle-
nen Heldensöhnen ein würdiges Denk-
mal zu errichten, und es ist damit für
Jahrhunderte die ganze Gemeinde ge-
ehrt.

Die Marienkirche in Stuttgart.

Von Adolf B r i n z i n g e r, Stadt-
pfarrer a. D.

Die Marienkirche in Stuttgart ist am
10. November 1879 konsekriert worden
von Bischof Dr. Karl Joseph v. H ekele.
Sie steht in der Tübinger Straße auf
dem Grunde des ehemaligen Jurtbachs.
Sie ist von Hofban- und Gartendirektor
Joseph v. Egle (gestorben 5. März 1899)
erbaut worden 1871—79 im frühgoti-
schen Stil, nach dem Vorbild der St.
Elisabethenkirche in Marburg, und ist
unstreitig die s ch ö n st e Kirche der
R e s i d e n z st a d t. Die ältere katho-
lische St. Eberhardskirche in der unteren
Königstraße, die nur etwa 1200 Personen
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