Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

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zu erfolgen. — Gereinigt wird Ver-
goldung mit Brot oder Brotteig.

Hintergründe und Felder bekommen
ihre Tonung im selben leichten, lasie-
renden Auftrag wie Stuck, und zwar mit
stark verdünnten Erd-, nicht Lasur-
farben 4).

Aehnlich sind im Rokoko die farbigen
Füllungen mit ihren Gitter-, Brokat-
oder Stöckelmustern Gelb in Gelb, Rosa
in Rosa, Gelb mit braunen Schatten
und etwas Gold aufgeblitzt zu behan-
deln. Sie leiten über Zu den „Farben-
symphonien" der Gewölbemalerei. Spie-
gelglaseinsatze im Muschelrokoko erhöhen
den Reiz.

Gipsmarmor ist keine peinliche Wie-
dergabe von Naturmarmor, sondern die
Muster des letztem werden größer, leich-
ter, freier behandelt. Gelegentlich fügte
Asam sogar Stücke natürlichen Mar-
mors ein. Die Behandlung ist: abreiben
mit wollenen Lappen; später aufgetra-
genen Lack abwaschen mit Spiritus,
Oellack und einer Mischung von einem
Teil Spiritus und einem Teil Terpen-
tinöl, dann nachpolieren.

Deckengemälde, bei denen vom Putz-
grund nichts abgefallen ist, werden nicht
übermalt, sondern gereinigt mit brei-
tem, reinem Borstenpinsel und dann mit
frischem Schwarzbrot. Reinigung trocken
retuschierter Fresken mit destilliertem
Wasser löst die Farbe auf. Sind wirk-
liche Restaurationen nötig, so vertraue
man sie nur einem Spezialisten anB).

Di? Inneneinrichtung gehört orga-
nisch zum Ganzen, ist aus dem Stilge-
fühl der Zeit heraus geschaffen, unter
gegenseitiger Anregung und Förderung
der einzelnen Kunstzweige, oft unter
Heranziehung tüchtiger Kräfte aus wei-
ter Ferne. Der Riedlinger Holzbild-
hauer Christian arbeitet in Zwiefalten,

4) Also kein Teppich- oder Vorhang-mu-ster,
am -allerwenigsten mit Gold ansgehöht, wie
in -der -Gotik.

5) -Ernst -Berger. Fresko- uns -SgraMto-
technlik, München 0909 (Beitrag Für Entwick-
lungsgeschichte -ber MakereitechnA, V. Folge).
Hager,. Erhaltung alter Wandmalereien
(Deickmalp!lege tag Erfurt 1903). Derselbe:
Heimatkunst, Klosterstudien, Denkmalpsleige,
München 1909. A. v. Qechethäüser, Denk-
malpflege, Leipzig II 1913. Riathgen, Mu-
seumsikuNde, Berlin XII 1916.

aber auch in Ottobeuven; der Villinger
Martin Hermann in Zwiefalten; der
Schmied Joseph- Büffel von Brandweil
bei Feldkirch fertigt das kunstvolle Chor-
gitter zu Zwiefalten. Aber der junge
Johann Jeorg Jingling von Gosen-
zugen hat ihm dabei so viel abgeguckt,
daß -er das Gitter für das Vorzeichen
allein auf sich nehmen kann. Die bei-
den Mauretmeister Joseph und Martin
Schneider von Bach -entwerfen für das
Zwiefalter Münster einen Plan, der die.
Anregung von Obermarchtal, einem
Werk der Vorarlberger Schule, nicht
verleugnen kann, aber einem zünftigen
Architekten alle Ehre machen würde.
Die'Idee zur Abteikirche von St. Bla-
sien gibt dar dortige Abt Martin Ger-
bert, gebürtig aus Horb, an, und das
komplizierte Kuppeldach erstellt dazu
ein schlichter Zimmürmeister aus Sankt
Blasien selber. In Rot bei Leutk-irch
kauft der Abt ein Architekturbuch., setzt
sich darüber mit dem Kellermeister und
einigen andern OrdSensgenossen und die
heutige Kirche daselbst kündet ihren
Ruhm bis aus diesen Tag. — Domini-
kus Z im m ermann aus Wessobrunn ist
Architekt und Stuckator, sein Bruder
Johannes ist Maler und Stuckator. Dem
Kunstsinn einer so schönheitsfrohen Zeit
dürfen wir nachträglich nichts äm Zeug
flicken, am allerwenigsten durch Goti-
sieren. Man lasse, was noch Bestand
hat, erhalte und schütze, was zu verfallen
droht und vetbessere Zerstörungen nur
im innigsten Anschluß an das Vorhan-
dene.

Brüchig gewordene Holzteile befestige
man gut, fülle Hohlräume mit Schel-
lack und Asph.alt, dann mit grober Kalk-
stuckmasse, bei feuchten Kirchen mit hy-
draulischem Kalk oder 'englischem Weiß-
zement, Sand, Gipsmarmor aus. Am
allerwenigsten -entferne, man zu auf-
dringlich -erscheinende Ausladungen,.z. B.
an Altären. Dem Stilgefühl der Eut-
stehungszeit war die Ausladung nicht zu
groß und ihre Entfernung erzeugt den
Eindruck der Kahlheit und Leere. Man
lasse sich -auch nicht durch Wurmfraß zu
Ausmerzungen verleiten, sondern ge-
brauche sicher wirkende Gegenmittel").

°) Tränken .mit Petrolen-m, Terpentinöl'
Benzin, . Naphthalin, in Terpentinöl oder
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