Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

Seite: 5
DOI Heft: 10.11588/diglit.22108.3
DOI Artikel: 10.11588/diglit.22108.4
DOI Artikel: 10.11588/diglit.22108.5
DOI Seite: 10.11588/diglit.22108#0013
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1919_1921/0013
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
fragliche Zeit Solnhofer Platten, auch
Marmor, in nicht zu kleinen Stücken
und bei Marmor in dezenten Farben.
Bei Beschädigungen sind nur die betref-
fenden Stücke auszuwechseln. Ist ein
großer Teil beschädigt, so kann der Rest
in einem besonderen Raum, z. B. dem
Chor, verwendet werden.

Das sind die Grundsätze, nach denen
eine klügle, in jahrzehntelanger Uebung
geschulte Denkmalpflege verfahren ist
und verfahren muß, wenn sie ben Kir-
chenbauten der fraglichen Periode ihre
eigenartigen Vorzüge und Reize wahren
will. Einer ihrer besten Kenner und
feinfühligsten Hüter findet sie im Sinn
für Weichheit der Linien, Lebendigkeit
der Flächen, Zusammenstimmen der
Töne und Farben, in der Größe der be-
teiligten Künstler und des technischen
Könnens. Sie sind und sollen bleiben
ein kostbares Erbe der Vergangeüheit.
Uns aber können und müssen sie noch
mehr sein.

Als das erste größere Bauwerk dieser
Zeit in unserer engeren Heimat, die
Kirche von Schöntal, begonnen wurde,
da waren noch keine zwei Jahrzehnte
verflossen seit dem Dreißigjährigen
Kriege. Noch blutete Deutschland aus
tausend Wunden und war innerlich zer-
klüftet, und dann folgten die französi-
schen Raubkriege, die Türkeneinfälle, der
Erbfolgekrieg, die Kämpfe zwischen
Preußen und Oesterreich und dann die
Kriege gegen die französische Revolu-
tion und Napoleon. Ein Genesungs-
prozeß schien unmöglich und für Kunst-
entfaltung kein Raum. Und dennoch —
oder vielleicht gerade deshalb entwickelte
sich eine Kunst, die in Licht, Formen
und Farben geradezu schwelgte und ju-
belte. Je düsterer die Welt und das
öffentliche Leben sich gestalteten, desto
sonniger und freudiger baute sich das
Volk seine Kirchen. Hier fand es ein
Herzruhaus, hier eine Quelle des Tro-
stes und der Kraft zum Durchhalten
und zum Aufbauen. Wohl sah es das
alte römische Reich mehr und mehr sich
zum Untergang neigen. Dafür baute es
sich ein Geistesreich, in dem Namen wie
Goethe und Schiller die Herrscherthrone
schmückten. Wohl stehen auf den nächst-
folgenden Blättern seiner äußeren Ge-

schichte in düstern Lettern Namen wie
Austerlitz und Jena, aber bald folgen
mit goldenen die anderen: Leipzig und
Waterloo. Unser Geschlecht ist der
Schicksalsgenosse des damaligen gewor-
den. Möge es auch von ihm sich aneig-
nen den Glauben an sich selbst und das
Vertrauen auf Gott!

Die drei hl. Elenden in Kurbel
und Rechtenstein.

Von Pfarrer Dr. John e r in Rein-
stetten.

Im „Archiv für christliche Kunst", 1909
Nr. 11, ließ Dekan Reiter einen Artikel
erscheinen, betitelt „Die drei seienden
Heiligen in Rechtmstein und Hürbel".
Die „Christliche Kunst" brachte im Jahr
1912, Heft 9—11, -eine längere Abhand-
lung von Dr. U. Nägele über „Die drei
elenden Heiligen", die auf der -erstge-
nannten Arbeit und auf einer Studie
von M. A. Königen x) weiterbaut. Beide
sind geneigt, die BeüGrung der drei
heiligen Elenden') auf schwäbischem
Boden möglichst weit zurückznverlegen.
Ta, um mit Reiter zu reden, weder
„Pergament-- noch Papierurkunden das
Rätsel enthüllen", so halten sie sich für
ihre Beweisführung vor allem an die
drei Figuren, die in einem Empirekäst-
chen an einer Seitenwand der Kirche zu
Hürbel aufgestellt sind, ferner an einen
Kupferstich, mit dem die Neuauflage
von Benno Wurms Glückseeliges Elend,
Ottobeuren 1761, geschmückt ist, an den
Kirchenpatron von Hürbel und das von
Freybergsche Wappen am rechten Neben-
altar zu Rechtenstein.

Nicht um das Verdienst dieser Pio-
nierarbeiten zu schmälern, sondern um
sie einen Ruck vorwärts zu bringen,
greife ich zur Feder. Ich glaube dazu
umso berechtigter zu sein, als ich über
neues Rüstzeug verfüge.

1. Reiter wie Nägele messen der Frage,
ob die etwa Meter hohen plastischen

st Dve-i „dierfbie" Heilige. München, L-eut-
n-e-r 1911. 8 40 -S. Sonderdruck aus dem

Kirche nhlstoMschen Seminar München, hrg-g.
von A. Knöpfler, III, 12.

si Rechtensteiner Mtar: Ihr hl. 3 Elenden
bittet für uns!
loading ...