Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

Seite: 9
DOI Heft: 10.11588/diglit.22108.3
DOI Artikel: 10.11588/diglit.22108.5
DOI Seite: 10.11588/diglit.22108#0017
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1919_1921/0017
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
fl

Der Altar der drei heiligen Elenden
stein. 1744. Aufnahme von Herrn Kaplan Hagen

(Freiburger Diözesanarchiv 1869, S. 34)
erscheint ein Snewelinus, dictus Ellend
de Friburgo (lies Fribergo). Ein an-
derer Snevelinus, dictus Elland de Frei-
berg verweigert 1619 die Zahlung des
Zehntviertels (ebenda 1907, S. 140,
Anm. 3).

Daß Ellend Fremdling, Ausländer
bezeichnet —- noch heute sagt man hier-
zulande: „fremd ist elend" —, dürfte als
bekannt vorausgesetzt werden. Warum
aber führen die von Freyberg-Hindur-
singen den Namen Ellend? Darauf gibt
uns die Oberamtsbeschreibung von Bi-
berach (S. 126) zur Antwort, es habe
nach der alten Hauschronik Thamann
von Freyberg (10./11. Jahrhundert) ein
Schloß bei Chur besessen. Dieser Tha-
mann sei in eintzr Fehde umgekommen,
seine Witwe Anna von Brandts aber
habe sich mit ihren zwei Söhnen n>ach

Schwaben begeben und im
Rottale niedergelassen. Wir
verstehen unter diesen Um-
ständen, wie die von Frey-
berg-Hindersingen-Hürbel 'in
ihrer nerren Heimat als Aus-
länder gelten mußten. Daß
solche Ellend in der Kirche
zu Hürbel beigesetzt waren
und! deren Gebeine unter
einem Stein, der mit einem
Kreuz bezeichnet, war, ruh-
ten, unterliegt keinem Zwei-
fel. Wurde doch eine alte
Gruft bei der Erneuerung
der Kirche ausgedeckt. Daß
aber das leere Kreuz ohne
jede nähere Bezeichnung die
Ruhestätte von Heiligen
andeuten soll und diese Ellend
Heilige gewesen sein sollen,
ist schwer zu glauben. We-
nigstens müßten die älteren
Freyberg ein sanfteres Ge-
müt besessen haben als ihre
kampflustigen Nachkommen.

Daß die von Freyberg
auch im 18. Jahrhundert
noch wußten, man habe sie
einst die Ellend geheißen,
ist nicht zu bezweifeln. Wie
kamen sie aber dazu, die
Heiligen von Etting als
ihre Vorfahren anzuspre-
chen? Den Schlüssel dazu gibt itrt§
die Tatsache, daß einer der Ihrigen, Ru-
dolf Dietrich von Freyberg, gestorben
1722, Domherr in Eichstätt war. Etting
aber ist in der Nähe von Eichstätt. Es
liegt nahe, anzunehmen, daß sie von ihm
erfahren haben, daß Ellmde zu Etting
als Heilige verehrt werden. Indem sie
sich nun ihres früheren Namens erin-
nerten, konnten sie leicht daraus kom-
men, sich in verwandtschaftliche Be-
ziehung zu diesen heiligen Ellenden von
Etting zu setzen, ja deren Dreizahl und
Namen von Etting nach Hürbel aus
ihre Vorfahren zu übertragen. Schon
vor 1761 hatte nach dem Eichstätter Pa-
storalblatt (1861, 8, 1862, 9) der Mal-
teserritter von Freyberg ein silbernes
Votiv 1743 von Malta nach Etting ge-
schickt. Für ihn wurden nach der Abteirech-
nung von Ochsenhausen den 9., 10., 11.

zu Rechten-

uinver in Hürbel.
loading ...