Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

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Bewußtsein, unsere nationale Pflicht
nicht getan zu haben. Unser Volk hat
vier Jahve hindurch an der Front und
hinter der Front Heldentaten vollbracht,
die sich den Glanzleistungen aller Zeiten
würdig an die Seite reihen. Ihr Ge-
dächtnis der Zukunft zu erhalten, ist nicht
nur eine Ehrenpflicht gegenüber den
Helden, sondern ein Akt der Selbster-
haltung. Es soll die Gegenwart daran
gemahnt werden, nicht in dumpfem Brü-
ten hinzutrauern, sondern die alte
Spannkraft in den Dienst der neuen
Aufgaben zu stellen und durch rüstiges
Arbüten in der Gegenwart eine bessere
Zukunft heraufzuführen. Und es soll
der kommenden Generation eine Schule
unb ein Spiegel sein, wie ein freies Ge-
schlecht zu ringen und zu streben, zu dul-
den und durchzuhalten hat. Der Helden-
taten sind so viele, daß nicht nur jede
Stadt und jedes Dorf, sondern jeder
Großbetrieb und jede Verwandtschaft
eine eigene Heldengeschichte hat. Der
Heldengeschichte ein Heldenbuch zur Nie-
derschrift zur Verfügung zu stellen, das
ist die Absicht der Herausgeber des
„eisernen Buches".

Dasselbe soll zunächst die Namm aller
Kriegsteilnehmer samt ihren Kriegs-
erlebnissen und Kriegstaten aufnehmen,
die der U'-berlebenden wie der Gefalle-
nen, der Frontkämpfer wie der Kran-
kenpfleger und Wärterinnen, die der
Vermißten und der Verschollenen, der
Invaliden und der Dekorierten. Beson-
ders wichtige Ereignisse sollen besonders
erwähnt werden, und Feldbriefe und
Feldpostkarten können dabei die Arbeit
wesentlich erleichtern uni» der Darstel-
lung die Frische und Zuverlässigkeit
sichern. Dabei werden von selber Stim-
mungsbilder entstehen und diese können
erweitert werden. Die Spannung vor-
der Mobilnmchung, der Verlauf der-
selben, Schutzmaßnahmen, Siegesfeiern
haben ihr gutes Recht auf schriftliche
Fixierung.

Sodann hat der Krieg auch tief ins
Leben der Heimat hinübergegriffen,
Hilfsorganisationen für Krankenpflege,
Transporte, Volksernährung, Volksauf-
klärung, Angehörigenversorgung, Saat-
und Erntehilfe, Jugendwehr, Preisstei-
gerungen, Kriegswucher, Schiebereien

und Treibereien mit Lebens- und Be-
darfsartikeln hervorgerufen, Sensations-
nachrichten, Sperr- und Beschlagnahms-
verordnungen gezeitigt, Kriegsandachten,
Gemeindeabende, Wandervorträge, Aus-
stellungen hervorgerufen, einen unheim-
lichen Ehen- und Geburtenrückgang,
Unterernährung und Sterblichkeit er-
zeugt und befördert, eine Umwertung
aller Werte und schließlich Müdigkeit
und Ueberdruß, Unzufriedenheit und
Empörung, Kaisersturz und Republik
bewirkt. All das verdient gebucht zu
werden, dem Ahn zur Ehr, dem Enkel
zur Lehr. Den Baum und den Rahmen
dazu bietet das „eiserne Buch". Es ist
nicht gedruckt, sondern beit Eintrag soll
der Besteller machen. Die Rubriken da-
für werden angegeben. Pfarrer, Leh-
rer, Beamte, Direktoren müßten die
Ausfertigung überwachen oder völlig in
die Hand nähmen. Tatsächlich liegt schon
eine Menge Bestellungen von Gemein-
den, Vereinen, Fabriken und Privaten
vor, und dementsprechend ist auch For-
mat und Umfang sowie Preis verschie-
den. Die Ausstattung aber ist erstklas-
sig: Büttenpapier, eigens für die Zwecke
des Buches geschöpft, elegante Vorsatz-
blätter, Randeinfassnngen, pergament-
artig präparierter Kalblederband, Eisen-
beschläg mit entsprechenden Emblemen:
ein des Inhalts würdiger Rahmen, ein
Werk, das für Familien und Verbünd.'
zum wertvollen Erbstück werden kann.
Man hört heute schon vielfach Bedenken,
ob Gedenktafeln mit vielen Dutzenden
von Namen wirklich noch künstlerisch ge-
staltet werden können, ohne Riesen-
dimensionen anzunehmen. Das eiserne
Buch hat Raum für die Namen wie für
bii? Taten, die Erlebnisse, die Stimmun-
gen und die Nachwehen. Wo die Mit-
tel dafür da sind, können wir es angele-
gentlichst zur Anschaffung empfehlen v).

I. Ro h r.

Heber die Proportionen der
Kirchenstühle.

Nicht über Form und Dekoration der
Kirchenstühle in den verschiedenen Stil-

es Näheres durch Äen Perlag für Va ter-
tänidifche Kunst, Stuttgart, Lunge Straße 18.
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