Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

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eine Vermutung über ein Bildnis dir
hl. Gertrud von Neville («io) finde hier
Platz. Ich vermute ein solches in den
bei P. Keppler, Württembergs kirchliche
Kunstaltertümer 1888, S. XXXVI (rich-
tiger S. 314 und S. XXXXVI s.) ver-
zeichneten zwei Statuen der Klosterkirche
Adblberg mit je zwei Mäusen zu ihren
Fützen und der inschriftlicheu Bezeich-
nung St. Cutubilla, über die Keppler
wie auch der Rezensent in jahrelangem
Suchen nirgends etwas finden konnte.
Die Mäuse stimmen. Irgend ein run-
kundiger Restaurator konnte aus einem
etwas verdorbenen 8. Gert Xevill.
oder Xebill. v. schon eine Cutubilla fer-
tig bringen." Danach wäre also der
Name Cutubilla nichts anderes als eine
falsche Lesung bezw. Entstellung des
Namens der hl. Gertrud, der alten
Schutzpatronin gegen die Mäuse. Das
ist näherhin die heilige Tochter Pippins
von Landen, die in das von ihrer Mut-
ter Jtta gegründete Doppelkloster Ni-
velles bei Brabant in Belgien eintrat
und nach dem Tod ihrer Muttbr erste
Aebtissin des Klosters war (626—659).
Ihr Todestag, der 17. März, ward zu
ihrem Namenstag, ihre Attribute sind
wirklich Mäuse nebst einer Spindel.

Trotz der Parallele geht es nicht an,
der Vermutung Brehms ohne weiteres
recht zu geben. Denn der Name der
hl. Gertrud ist im späten Mittelalter
kaum in d!:r von Brehm angenommenen
Form abgekürzt worden. Schon beim
eigentlichen Namen erwartet man eher
die Abkürzung Gerte., wenn nicht Ger-
trud. Dazu kommt, daß die klösterliche
Heimat der Heiligen nicht Neville, son-
dern Nivelles ist, das alte Nivigella
(vgl. Mairtyrologium Romla'num zum
17. März), und darum der Beisatz Xivi-
gellensiis virgo lauten müßte. Dadurch
wird die Annahmll ganz unwahrschein-
lich, daß ein unkundiger Restaurator
die Unterschrift: 8. Gertr. Nivigell. v.
durch falsches Lesen zu einem 8. Gntn-
billai um gedeutet hätte.

Uetzingens Ist das jCutubillaproblem
durchaus nicht so unerörtert geblieben,
wie es nach dsr Bemerkung Brehms
scheinen könnte. Schon Klemm hat
in der „Liter. Beilage" zum „Württ.
Staatsanzeiger" 1877, S. 220 und 1878,

S. 330 die seltene Darstellung mit dem
sonderbar klingenden Namen herbor-
gt hoben und bedauert, daß in das Dun-
kel, das über dem Dasein und Wirken
der.Heiligen ruht, noch kein erhellender
Strahl fallen wollte. Unter Berufung
aus Klemm hat dann auch H. O t t e,
Handbuch der Kunstarchäologie 5. A.,
Bd. I (1883), S. 566 aus die einzig-
artige Darstellung hingfwiesen. Dazu
hat bereits der frühere Schorndorfer
Pfarrer Müller in seinem Büchlein:
Kloster Adelberg, seine Kunstschätze, Ge-
schichte und frühere Gestalt, 1898, S. 6
ebenfalls versucht, die fragliche hl. Cutu-
billa mit der hl. Gertrud zu identifizie-
ren, wenn er schreibt: „Was ist es mit
Citubilla, der Heiligen, welche iuMäuse-
not angerusen wird? Sie heißt sonst
auch Catubilla und Cutubilla und ist
wahrscheinlich die hl. Gertrud, die einen
Stab führt, an welchem eine Maus hin-
aufkriecht. . . . Dill Frage löst sich viel-
leicht durch eine Erzählung von der
Gründung des Klosters. Da es bei der-
selben verschiedene Schwierigkeiten gab,
so fragte der Mönch Ulrich von Rog-
genburg, nachmaliger Gründer und er-
ster Abt, 1178 zuerst eine prophetische
Witfrau Gertrud von Meßhofen, was
er tun solle. Sie weissagte ihm einen
guten Anfang, mittelmäßigen Fortgang
und keinen erfreulichen Ausgang, muß
ihn aber doch ermuntert hallen; denn
Ulrich sing hieraus zu bauen an. Jst's
nicht möglich, daß man diese Prophetin
Gertrud, die den Ausschlag zur Grün-
dung des Klosters gab, damit ehren
wollte, daß man das Bild ihrer Schutz-
heiligen, der hl. Gertrud, hier auf-
stellte?"x) Außerdem hat bereits E.

st Mit dieser Erklärung ist jredluf) sic
Frage keineswegs gelöst, wie e§ kommt, saß
das angeblich alte Bild 'der hl. 'Gertrud zu
einem Bild der hl. Citubilla umgeseutet
wurde. Die 'ErLarung selber ähnelt jener,
welche A. Breucha, Die Kolleginmsikirche zu
Ehingen (1917), S. 18 s., sasür igii&f; saß in
der Pfarrkirche Non Mühlhausen, QA. Geis-
lingen, .auf de>m Bild >des Hochaltars ser
land d-a^vge stellt liift, wie er ser hl. Margareta,
der Kirchenplatrorrin mit Kreuz uns Drachen,
nicht ser Margareta Alacoque, sein iHerz
zeigt. „Da hat man es Vfo nicht gewagt,
der Kirche (v. I. 1715) das 'Herz Jesu als
Titel zu geben, sondern hat Äiese aus die Na-
menspatronin de-r Margareta Alacoque ge-
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