Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

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G r a d m « n n ctue ganz ähnliche Per- ;
mntnng, wie Brehm, ausgesprochen,
wenn er in den Sunstwanderungen in
Württemberg und Hohenzollern (Bd. II
der Bücherei des Bundes für Heimat-
schutz), 1914, S. 59 mit Bezug auf die
Inschriften unserer Adelsberger Bilder
erklärt: „Der Name Cutnbtlla wohl
verschrieben für Nivigelta, Gertrud von
Nivelles."

Die bis jetzt relativ best: Lösung des
Cntnbillaproblems aber dürfte in den
vereinigten Darlegungen der Zeitschrift
des Vereins für Volkskunde Bd. I (1891),
S. 321 und 444, Bd. II (1892), S. 199 ff.,
Bd. VIII (1898), S. 341 f. und der Tü-
binger Theologischen Quartalschrift
Bd. II (1916), 'S. 187 ff. vorliegen.
Die hier von Osw. Zingerle, K. Wein-
hold, Jgn. Zingerle, W. Drexler und
dem Verfasser dieses Artikels gebotenen
Beiträge ergeben nämlich, daß im Na-
men Cutubilla mit seinen verschiedenen
Lesarten eine Entstellung nnd Umden-
tnng der alten Namensformen für Co-
lnmba, den hl. Abt von Hy (Jona, I —
Kolmkil), gestorben 597, Fest 7. oder
9. Juni, vorliegt. Durch ein reiches,
in den genannten Artikeln nvdergeleg-
tes Qnellenmaterial ist näherhin mit
Sicherheit erwiesen, daß alte Segens-
sprüche zum Schulz gegen allerlei Schä-
den, wie gegen Feuer, Unwetter und
auch Ratten und Mäuse, ursprünglich
auf die Namen Colum eilte, Columkilla,
Columbilla (lauter ältere Formen für
den Namen Columba) lauteten, in Miß-
verständnis dieser altstn Namensformen
zu Segenssprüchen mit den Namen der
männlichen Heiligen Cyrill und Cakn-
kabilla und weiterhin zu Segenssprüchen
mit den Nainen der weiblichen Heiligen
Kakukilla, Cnkakilla und schließlich
Citubilla bezw. Cutubilla umgeformt
wurden.

Da speziell dieser neuen weiblichen,

weiht. Und «weil roatt ibiie letztere, 'die erst
1864 ifeliig gosprochrn wusde, noch nicht .auf
die Altäre 'bvmgen durfte, hat man '.ihre N-a-
menspat^ronin !We Rolle splÄen lassen, d. h.
in -dom mystischen ErleibWs >d-angsstellt, vo»r
dem die Herz-Fesu-Benehrnng >ausgelgang-e.n
ist." Diese Griklärnng wohl Gestllvelch, schei-
tert :n&ei' .an ter Tnchache, daß >scho>n die alte
Psa-rrtirche von Mühthausen der hl. Nothelfe-
rin Margareta geweiht war.

dprch 4tame ns e n iste ll u ng entstandenen
Schirtzpatronin eine Legende mit dem
entsprechenden sachlichen Inhalt fehlte,
war es nach Analogie ähnlicher Fälle
das Gegeblne, auf sie passende Züge an-,
derer bekannter Patrone zu übertragen.
Dabei tag es hier am nächsten, auf die
Legende und Darstellung der alten
Mäusepatronin St. Gertrud von Nivel-
tes zuriickzngreifen. Den Abschluß die-
ser Entwicklung zeigt ein Holzschnitt-
nachdruck, den ^ Jgn. Zingerle in der
„Zeitschrift für Volksk.", II, 199, also
beschreibt: „Mir liegt ein Doppel-

bild, ein Holzschnitt aus der ältesten
Zeit dieser Kunst, im Nachdruck vor, das
ich Herrn Antiquar Hlinrich Lesser in
Breslau verdanke. Das eine Bild stellt
den hl. Michael vor, wie er eine Seele
abwägt. . . . Das zweite Bild zeigt uns
eine Nonne, die am Spinnrocken sitzt,
an dem eine Ratte emporsteigt. Zn
ihrer Linken ist ein Lesepult mit einem
aufgeschlagenen Buche, ans das sie blickt,
zu ihrer Rechten schwebt ein Engel, de»'
Garn, aufwindet. Auf dem Haupte der
Nonne ruht ein Weißes . jLämmlein.
lieber dem Bilde lieht man:

Kakukilla gros gnade sage ich dyr
von gote her/

wil dich lozen aws aller not du salt
grosze/

gewalt von gote haben du salt dy
ratten vor/
treyben unde Vorlagen Amen.“

Es kann fein Zweifel sein, daß die
Kakukilla des Holzschnittes und die Cu-
tubilla der beiden Statuen bon Adelberg
identisch sind. St. Cutubilla ist aber
damit eine apokryphe Heilig e,
für deren Legende und Darstellung Züge
ails der Columba- und Gertrudlegende
und Ikonographie unter Entstellung
und Umformung entlehnt' und mit-
einander verwoben wurden. Mit die-
sem Ergebnis läßt sich, jetzt auch eine Er-
klärung dafür finden, daß gleich zwei
Bilder der Heiligen in der St. Ulrichs-
kapelle des Adelberger Klosters aufge-
stellt wurden und daß sie im Altarschrein
ihre Stelle neben denr hl. Ulrich erhielt.
Durch ihr Mänsepatronat ist nämlich
St. Cutubilla das weibliche Gegenstück
zum Augsburger Bischof St. Ulrich, ge-
worden) der in Süddeutschland schon
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