Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

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lange als Schutzheiliger gegen Ratten
und Mäuse verehrt wird. Einen Beleg
für letzteres Patronat bietet uns der
von Rottweil gebürtige ehemalige Pfar-
rer von St. Stephan in Konstanz und
spätere Reformator Johann Spreter.
Dieser zählt nämlich in seiner um 1537
verfaßten Schrift: Was von anruffen
der heiligen, deren err, anbetten (!) der
bilder usw. zu halten, vnd wie darzu
mit zu handeln sei, eine Reihe von Hei-
ligen auf, die zu feiner Zeit als Schutz- -
Patrone für die verschiedensten Anliegen
angerufen wurden, und erwähnt dabei,
daß Gertrud und Ulrich Ratzen und
Mäuse fangen (vgl. Blätter für württ.
Kirchengeschichte R. F. Bd. 15, S. 117).
Selbstverständlich darf man unter
„ratzen" nicht, wie Bossert a. >a. O. will,
Katzen verstehen; vielmehr sind damit
Ratten gemeint. So bildet dann die
Stelle ein klares Zeugnis daftir, daß
St. Ulrich schon zu Beginn des 16. Jahr-
hunderts rmd damit zur Zeit der Er-
bauung der Adelsberger Ulrichskapelle
in Schwaben als Ratten- und Mäuse-
patron verehrt wurde.

Vereinsnachrichten.

Die 16. Generalversammlung des DiLzefan-
knnstvereiiis in Stuttgart am 7. ?>ugust 1919.

Leider ist über feie 15. Gen-erMverfamm-
lun/g unseres Beverns, /die 1914 ln Rottweil
abgehMen wunde und glanzvoll verlaufen
ist, kein Bemcht ln dieser Zeitschrift erschie-
nen. Auf derselben sprach der nunmehr ver-
storbene Vorstand S ch ö n i nge r über die
in allen Dellen Re staura ti 0 n

der Heilt,g!k reuz t iii® cf ie ln Rott -
w eil, die noch »einer Beschreibung harrt.
Das Grundsätzliche über die Art Iber Aus-
führung dielses Werkes und die Ausführung
selbst kam in idem Vortrag zu ausgiebiger
Besprechung und Bewertung. Der damalige
Redakteur Professor 11 r. L. B a u r behan-
delte ln feinem gründlichen Vortrag die
F r i e d h 0 s s k u n st. Derselbe erschien im
Jalhrgang 1914 f 32.) des „Archivs" in erwei-
terier Form «in den /Nummern 6—12. Stadt-
psarver F 0 h m a n n - Rottw-eil ma,d|li| so-
dann den kundigen ffitäpex durch die neu-
restauvierte Kirche. Nachmittags hielt Pfarrer
P s e s f e r - ÄautliMen in ^ der St. Lo-
re n z k n p e 11 e einen Vortrag über die
dort befindlichen mittelalterlichen Skulpturen.
Geralde nod) im letzten Monat vor dem
Kriege konnte Ler Verein sich dieser gelun-
genen Veranstaltung erfreuen, die öon den
Mitgliedern zahlreich besucht woriden war,
trotzdem man befürchtet hatte, es werde bei

der Entlegenheit des Tagungsortes der Be-
such zu leiden haben.

Seitdem hat der Krieg mit seinen Be-
schMnissen hinsichtlich des Verke brs und der
sonstigen Schwierigkeiten d ie Abhaltung einer
Generalversammlung unmögli,ch gemacht.
Unterdessen sind jedoch-im Vierern sieben wich-
tige Aenderungen eingetreten, welche ib:te Ab-
haltung einer Versammlung nolwendi>g mach-
ten. Als Ort der Veranstaltung wurde we-
gen der zentralen Lage unld der verchält-nils-
mähitz leichten Erreichbarkeit S t u t t g a r t
gewählt. Trotzdem ließ der Besuch sehr zu
wünschen übrig.

Am 6. August .abends fand die vorberei-
tende Ausschutzsitzung -statt, in feer zum 'ersten-
mal der neue Vorstand Professor II r. Rohr-
Tübingen seines Amtes waltete. Von den
Ausschußmitgliedern waren anwesend: Dom-
kapitular Aigeltipger als Kassier, Pfarrer
Pfeffer-Lauili-ngen als Schriftführer und
DkAvorstand. StWpfarver We/ser-Sös lingen
als Redakteur 'des „Archivs", Chefredakteu>r
Msgr. Kümmel-Stuttgart, Universitätsprofes-
1 sor Or. Baur-Tübingen, Bildhauer Professor
I Th. Schnell-Ravensburg. Irr ^ Urlaub abwe-
> send waren Direktor v. Kolb>-!Stutt,g'art, G-ar-
i nisonpfavver Effinger-Ulm und Professor
Hummel-lStuHgcvr t.

Am 7. August wurde die Generalversamm-
lung im Kasinosaal des „Europäischen Hofs"
eröffnet, in Anwesen,feil des Vertreters des
Bischöfl. Ordinariats, Domkapitular Laun,
und des Vertreters des Kathol. Kirchenrats,
Regierungsdirektor V 0 g t. Einer besonde-
ren Einladung zufolge war auch der Landes-
konservator Professor Dr. G r a d m »a n n er-
schienen. Nach Begrüßung der Anwesenden
gedachte der neue Vorstand zunächst seines
Vorgängers, Pfarrer Schön-inger, in ehren-
den Worten, die seine Verdienste um den
Verein und das Kunstleben der DiöKe ge-
bührend hervorhoben. Sein Andenken, das
beim Verein und in der Diözese in Segen
bleiben wird, wurde von der Versammlung
geehrt. Mit herzlichen Worten gedachte so-
dann der Vorstand ides bisherigen Schrist-
sühvers Msgr. Kümmel, feer nicht weniger
als 34 Jahre dieses Amtes in unermüdlicher
und uneigennütziger Weise gewaltet hat,
dem der Verein wegen dieses Wirkens und
wegen seiner eifrigen Tätigkeit als Schrift-
steller für das „Archiv" zu fiedem Danke ver-
pflichtet ist. Das Nachlassen des Augenlichts
hat dem allezeit mit Rai und Tat hilfsbe-
veiten Herrn, der auch eine Zeitlang die
Redaktion des „Archivs" auf sich 'genommen
hatte, es unmöglich gemacht, das Schrift-
sührerami weiter zu führen, ©ict'£ Amt ist
an Pfarrer Defser-lLautlingen am 22. März
1919 übergegangen.

Als neues Aüsschußmitglied wurde Pfarrer
W u n d e r - Mü h l h a u s e n kooptiert, der
den 'Lesern des „Archivs" als kunstsinniger
Führer und Schriftsteller über die Kunst des
Filstales bekannt ist.

Nun stellte der Vorstand sein Pro-
gramm aus, indem er sich mit Begetste-
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