Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

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P a flu es el zu Gm ü » d.

lassrgt, die Mienen und Körperbewe-
gungen drücken das Leiden, die Freude,
die innere Stimmung aus. Auch die
Fassung ist eigentümlich: Gesicht und
Hände elfenbeinwieiß, die großen Augen
dunkel, Lippen kirschrot, Haare und Ge-
wänder ganz vergoldet. Es bilden sich
gewisse Typen in den Darstellungen
aus: Maria als „Mutter Gottes"
sitzend oder stehend mit stehendem oder
sitzendem Jesuskind, und besonders die
Vesperbilder. Schon der Name
weist auf die enge Beziehung zur Litur-
gie des Chorgebetes hin-. Auch der an-
dere Name Pieta — Andachtsbild sucht
dieselbe Beziehung zum Innenleben
auszudrücken. Einen andern Typ bilden
die H e i m 1 u ch u n gss bilder, z. B.
eins aus Reutlingen m der dortigen
städtischen Sammlung, eins aus Bronn-
weiler in Stuttgart. Besonderes Inter-
esse nehmen die Ausführungen über die
Darstellungen von „Maria in der
Kindbett" in Anspruch. In Stein
ist dies ausgeführt int Bogenfeld des
, Augsburger Domportals und mit Nord-
westportall) des Ulm er Münsters; Holz-
bilder desselben Gegenstandes in Stutt-
gart aus Buchau und in München aus

Heggbach stammend. In den eben ge-
nannten Werken ist die Darstellung ein
Teil der Geburt Christi. In andern ist
sie ein Teil der Anbetung der Könige: in
Eßlingen, Bogenfeld eines Portals, aus
Holz, als Wandgemälde iit der Asrä-
la pelle -zu Schelklingen. In Nord-
deutschland finden sich solche Darstel-
lungen in den Schreinen des Müdener
Altars im Museum zu Hannover und
des Harvestehuder Altars in Hamburg.
Aehnliche Bilder im Germanischen Mu-
seum zu Nürnberg ca. 1300; Berlin,
Versteigerungskatalog G. Schwarz 1917,
aus der Kirche in Hela ca. 1300; Berliit,
Kaiser-Fried rich-Museum, oberelsässisch;
Frankfurt, Sammlung Großmann, köl-
nisch ca. 1380; Zürich, Schweizerisches
Landesmufcum; Güstrow, Dom, Drei-
sitz; Darmstadt, Museum, aus Bamber-
ger Gegchtd: München, Nationalmuseum,
zwei Stücke, 14. und 16. Jahrhundert:
Schloß Kreuzenstein cnmdem 16. Jahr-
hundert. Das ist ein verhältnismäßiger
Reichtum an solchen Stücken. Die Ver-
mutung, daß es sich um. eine Form der
alten Krippen handeln könnte, ist ent-
sprechend) aber doch nicht genügend be-
wiesen. Zum Beweis für die Abhängig-
keit der Darstellung von der Mystik
wird Seite 80 hingewiesen auf eine

2) Das Buch sagt Südwestportal, dies ist
ein Irrtum.
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