Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

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1895 in StraßLuirg ausgestellt; im !
Bleikeller zu Bremen wurde früher
ebenfalls ein Exemplar bewahrt. 1902
war !in Düsseldorf der. Palmefel von
St. Kolumban zu. Köln ausgestellt. —
Die Palmeselprozessionen, in denen
diese Bilder am Palmsonntag mitge-
führt wurden, wavem noch bis an den
Anfang des 19. Jahrhunderts mancher-
orts in Hebung, z. B. bei uns in !
Gmünd.

Im nächsten, 5. Abschnitt unseres
Buches: „Die S t i I w and! u n gen

bis z rl m A n f a ng des 1 6. I a h r -
Hunderts" wird eine Gruppierung
nach stilistischen Zusammenhängen ver-
sucht. An Werken d-er hohen Gotik
überragt in Sicherheit der Haltung
und Verklärtheit Bes Ausdrucks die
lleber länger Verki indigmrgsgruppe alle
anderen Werke der Steinplastik, Form
und Ausdruck sind vollständig ausge-
glichen. — Die Bildwerke, die unter
dem Einfluß der Mystik entstanden,
zeigen die Herrschaft der Seele über
den Körper (Madonnen von Heggbach
in Münchech und von Uberlingiendo.rf
in Rottweil und die Ehristus-Johau-
nes -Gruppen). — Bon 1350 an tritt an
die Stelle der klaren Form und des
starken Ausdrucks das Ornament der
geschwungenen Linie und die W ei-
le n falten. — Am Anfang des 15.
Jahrhunderts tritt an die Stelle der
Weichheit und Lässigkeit mehr Straff-
heit, das plastische Fühlen verstärkt sich.
Die Hinneigung zur Wirklichkeitsnach-
ahmung zeigt sich in der sorgfältigen
Modellierung der Köpfe und irr der Be-
achtung der Struktur des Körpers, die
unter den Gewändern hervortreten
will, und in den R ö h r e n fsa l t e n.
Die Herrschaft der Architektur beginnt
zu schwinden und dem selbständigen
Bildwerk Platz zu nmchen. Dies wird
an den Werken des Meisters Hartmann
in Ulm und an den Meistern von
Trochtelfingen und Eriskirch klarer ge-
macht.

In der „ Bildnerknnft im zweiten
Viertel des 15. Jahrhunderts" (Ab-
schnitt 6) tritt an die Stelle der Mo-
numentalität das Malerische. 3titf den
Altären erheben sich die Holzschreine
und -flügel über bildergeschmückten

Staffeln, Predellen und Holzbildnerei
und Malerei bemächtigen sich dieser
Gelegenheit, sich ausznwirken.. Die ein-
zelne Künstlerindividualität, hu
ge mau zur Hütte, wagt sich hervor,
z. B. Greczinger und Multscher und
Hans Strigel (Memmingen).

Eine ganz besondere Stelle nimmt
eine Gruppe von Arbeiten ans. Hall
und Umgebung ein wegen ihrer Be-
ziehungen oder Abhängigkeit von der
n i e d e r l ä n d i s ch e n Kunst (7. Ab-
schnitt), Mitte des 16. Jahrhunderts.
Hall hat mit den Niederlanden zwei
Dinge gemeinsam: 1. Teilung des

Altarschreins in drei oder mehr Felder,
die mit Reliefs gestillt sind, 2. die
U eben Höhung 'des Mittelschreins. Wes
wird mit Beiziehung von reichem Ma-
terial und ausgedehnter Literatur er-
härtet. Es fragt sich noch, ob die Werke
ans dein Niederländischen eingeführt
wurden, ob Niederländer in Hall tätig
waren- ob Haller in den Niederlanden
gearbeitet haben.

Der letzte Abschnitt des 1. Teils (8.
Abschnitt) ist der Betrachtung der
Bibern che r Kunst des Jörg
K ä n d e l im 16. Jahrhundert gewid-
inet mit seiner Mode der Parallel-
falten, einer Mode, die von vielen
Schulen angenommen wurde, nicht
aber von der Ulmer Schule, und nicht
nur die Bildnerei, sondern auch die Ma-
lerei beeinflußte. Die Arbeiten dieses
Künstlers un'rdeu sorgfältig aufgezählt.
Daran schließt sich noch die Aufzählung
von Arbeiten verwandter Meister: des
Meisters von Ottobeuren, des Meisters
der Stuttgarter Passion, des Kändel-
schen Werkstattstils, des Meisters der
Erfurter Anbetung der Könige und der
rki-ed-Mchwäbilschen Bildwerke aus
Schwaigern.

Damit schließt der allgemeine Teil
des Werkes, der auf seinen 56 Seiten
in gedrängter Kürze ‘ein wahres Lehr-
buch der ganzen Materie darbietet und.
rindringendes Studium erfordert.

Der 2. Teil, S. 57 302. bildet den
eigentlichen K a t a l o g d e r L t u tt -
g a r t e r S a m m l u n g. In vier Ab-
teilungen zieht der Bestand am Auge
und Geiste des Lesers, vorüber in teil-
weisem Anschluß an die Einteilung
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