Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

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tigert Flügelaltärcheüs gemalt. Keppler
weist sie in den Anfang des 16. Jahr-
hunderts.

In gleicher Darstellung finden sich die
Nothelfer in Buch, OA. Gmünd, dessen
schlichte Kapelle 1619 erbaut wurde.
Nur elf lassen sich sicher erkennen, dar-
unter Leonhard; unter den zweifelhaf-
ten scheint mir Nikolaus und Rochus zu
sein. Außerhalb der Predella zeigt der
Altar neben anderen Heiligen die in-
schristlich benannten Achatius, Rochus,
Barbara und Katharina.

Auch auf her Predella von Tullau,
OA. Hall, von 1620 lassen sich nur elf
Heilige namentlich feststellen, darunter
Rochus. Hier wie in Rieden im selben
Oberamt sind sie itm Maria geschart.
Sie stammen von ca. 1520. Dill Kirche
in Rieden zeigt daneben /noch viermal
Katharina, dreimal Barbara und je ein-
mal Christoph, Georg und Vitus.

Aus der Reihe der Nothelferdarstel-
lungpn scheidet bedingungslos aus das
Votivbild der Stuttgarter Stiftskirche
trotz der dreizehn Personen, von denen
zwei als Papst und Bischof charakterisiert
sind, die bittflehend unter dem von
Engeln gehaltenen Mantel des dorn-
gekrönten Auferstandenen knien. Das
hier vorliegende Schutzmantelchristimotiv
steht in Verbindung mit den Nothelfern
in der schönen spätgotischen Holzgruppe
der Dionysiuskirche von Munderkingen.
Zwölf erkennbare Heilige stehen unter
dem Mantel des dorngl'krönten Hei-
landes. Zwei unbestimmbare Figuren,
ein Mann und scheinbar »eine Frau, neh-
men die Stelle von Achatius und Cyriak
ein. Aus der Spitze des Altars thront
St. Sebastian. Im Stadtpsarrhaus
ist ein Gemälde mit den ersten vierzehn
Klosterpsarrern (aus Marchtal) vor
Christus. Auch in der Marienkapelle
des Gottesackers ist ein Nothelferbild.

Der spätgotischen Kunstperiode gehö-
ren weiter an die Predella von Ho len-
stein, OA. Ellwangen, mit geschnitzten
Brustbildern der vierzehn ^Heiligen, das
aus dem Kloster Urspring stammende
Bildwerk im Antependium‘ des Hoch-
altars von Hausen ob Urspring, das fast
vergangene Gemälde der Vituskirche von
Mühlhausen a. N., die Darstellung aus
einem Flügelaltärchen der früheren

Sammlung Buck (Aulendors), ein der
schwäbischen Schule angehörendes Ge-
mälde in Gran und Wohl auch das Ge-
mälde von St. Wolsgang in Mergent-
heim. Das.Gemälde an der Nordwand
der Egidiuskapelle von Bronnen, OA.
Ellwangen, ist ordentliche Renaissance.

1731 wurde in St. Georg von Lein-
zell, OÄ. Gmünd, aus Bitte des Joh.
Christoph von Lang eine Nothelfer-
bruderschaft errichtet, die auch in
Schnittlingen und Treffelhausen besteht.
Damals wurden wohl die Nothelfer-
bruftfigürchen am Chorbogen angebracht.
Nur der Kirchenheilige ist größer, hoch
zu Pferd, dargestellt. Achatius erscheint
als Bischof, nicht als Kriegsmann. Der
anscheinend dorngekrönte Christus ijt
wohl St. Pantaleon.

Die Vituskirche von Nordhausen, OA.
Ellwangen, besitzt ein schönes Altarblatt
von A. Bernreiter, 1877. Weiters fin-
den sich Nothelserbilder ans dem Leon-
hardsaltar der Stiftskirche in Ellwan-
gen a. I., in der Kapellenkirche in Rott-
weil, in der Kirche von Erlangen, OA.
Riedlingen, an den Empovebrüstungen
der Kirchen von Weißenstein ltnb Erlen-
bach, in den Kapellen von Haisterhofen,
Oll. Ellwaneen, Schönebürg, OA. Lanw-
heim, und Winzingen, gleich aus zwei
Altarblättern in Duttenberg, OA. Nek-
karsulm, aus Glasgemälden von Apfel-
bach und St. Maria in Stuttgart.

Gügel in Oderfranken besitzt Nothel-
ferfiguren von der Hand des Michael
Kern von Forchtenberg d. I. in Ala-
baster.

Eine kirchliche Billigung des Nothel-
serkultes in der Diözese Konstanz kann
man erblicken in dar missa. de XIV
auxiliatoribus der Konstanzer Missale
von 1504, die in jenem von I486 noch
fehlt. Unter den vierzehn sind die be-
kannten Heiligen zu verstehen, dw von
Gott ausgezeichnet sind: spedialibus
privilegiis,' ut, qui in necessjtatibus
eorum implorant auxilium, secundum
tue promissionis edictum petitionis
sue salutarem consequantur effectum.
Im Missale von 1579 wird als.. Nothelfer-
messe angewiesen per totum de s. Mau-
ritio mit Ansschluß der drei Oratio-
nen, in denen die vierzehn Heiligen je
mit Namen aufgeführt werden. Offen-
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