Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

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Christophsstatue von 1468 erhalt ein

Klar wird man aus Kerschbaumer frei-
lich nicht. Klarheit kann nur geschaffen
werden durch den Wortlaut des Ablaß-
briefes von 1284 und der Stiftungs-
urkunde von 1416. Ein Versuch, den-
selben zu erlangen, blieb leider ohne
Antwort. Ich nehme vorerst an, daß
in Krems in alter Zeit schon ein Not-
helf. r einen Altar hatte/ der mit 'der
Zeit irgendwie zum Gruppenaltar
wurde.

Wunsiedel dagegen gab Antwort.
Herzlichen Dank dafür allen Beteilig-
ten! Aber auch diese Antwort gibt nicht
volle Sicherheit. Denn sie enthält nur
das Regest einer Engelmeßstiftungs-
urkunde vom 9. Mai 1426, währemd
Weber, Verehrung 10, von der bischöf-
lichen Beftätigungsurkundsi vom 26. Mai
1426 redet und als Altarpatrone aus-
hebt „quatuordecim martirum specia-
liter privilegiatorum". St eht das wirk-
lich im -Original oder nur int Regest?
Werden die Namen nicht einzeln auf-
gezählt? Steht man also in Wunsiedel
1426 genau vor derselben Frage, wie in
Frankental 1446: Wer sind die vierzehn?
Der bestätigende Bischof von Regens-
burg haßt Johann. Johann II. regierte
1421—1428; Johann III. 1507—1538.
Für letztere Zeit paßte die Redeweise,
der Urkunde vorzüglich. Allein in dem
Stiftungsbrief wird als Zeuge erwähnt
Friedrich, .Markgraf zu Brandenburg,
Burggraf zu Nürnberg, gestorben 1440
in Cadolzburg. Daztt kommt, daß Ruck-
d.schels Chronik die Engelmesse auf
dem Nothelseraltar schon 1404 gestiftet
werden 'läßt durch einen Bader Hans
Kesselhut, während das Regest als Stif-
ter Fritz Löbel nennt. Um Klarheit zti
gewinnen, ist auch hier der Wortlaut
der beiden Urkunden von 1426, bezw.
Nachforschung über die Stiftung von
1404 nötig. Wieder werden mehrere
Nothelser einzeln in Wunsiedel verllhrt:
Erster Patron der Pfarrkirche ist Vitus,
mindestens seit 1476; die Sebastians-
kapelle der Pfarrkirche hat ein altare
s.Achatii et sociorum; unter den Patro-
ninnen des Jungfrauenaltars der Spi-
talkirche wird Barbara an erster Stelle
genannt; rine Wallfahrtskirche ist der
heiligen Katharina geweiht. Vergleiche

hiezu Matrikel des Bistums Regens-
burg 1863, S. 477. Außer beit S. 75
aufgezählten acht Nothcklferllultorten
hätte Weber aus diesem Werke erheben
können neben dem Wunsiedlllr Altar
10. Nothelferkapelle in Pfaffenreith
(Redwitz); 11. Altar in Weiden; 12.
Wallfahrtskirche Söllitz und 13. Altar
in Freyenseyboldsdorf.

Ausdrücklich sei noch Hingelviesen auf
die Beziehung des Nürnberger Burg-
grafen zu Cadolzburg mit seiner ur-
sprünglichen Egidien-, späteren Nothel-
fer-Kapelle nnb -Bruderschaft.

Der Nante Nothelfer reicht jedenfalls
weit über das 16. Jahrhundert hinaus,
tllach Mono, Lat. Hymnen III, 464, ist
er im Münchener Cgnr. 73 ails dem
14. Jahrhundert mit Text aus Mitte
des 12. Jahrhunderts erstmals einem
nichtoffiziellen Nothelfer, dem heiligen
Nikolaus, beigelegt: Sancte Nycolae,
lieber 'hierre, getriwer milter nothaeU
fere! Erwähnt sei noch, daß der berüch-
tigte Dr. Burg die vierzehn römischen
Kandidaten für die fünf Bischofsstühle
der Oberrheinischen Kirchenprovinz von
1823 scherzweise die vierzehn Nothelfer
nannte.

Oie Pfarrkirche von Oirrlinaen.

Von Pfarrer Müller, Hirrlingen.

Die Pfarrkirche boit Hirrlingen, dient
hl. Martinus geweiht, wird gegenwär-
tig in Stand gesetzt und erneuert. Sie
ist ein Bau der Rokokozeit und eine
Schöpfung des tüchtigen Baumeisters
Christian Großbayer aus Haigerloch
(1718—1782), der den Umbau der
Schloßkirche 1748 und den Neubatt der
Anuakirche daselbst 1753 ausführte, die
Pfarrkirchen in Melchingen 1767, in
Stetten bei Haigerloch 1770, in Höfen-
dorf 1777, die Klosterkirche in Jnzig-
kofen 1780 erbaute, ferner den Ausbau
der Augustinvrklosterkirche in Oberndorf
a. N. 1775/1776 leitete. Mit dem Maler
Andreas Meinrad von Ow von Sigma-
ringvn (1712—1792), d!er die Kloster-
kirche in Klosterwald, die Pfarrkirche in
Langienenslingen 1754 und besonders
die Annakirche in Haigerloch 1755 mit
bedeutsamen Deckenfresken schmückte,
auch in der Kirche von Otterswang und
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