Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

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tumswert, soud:rn teilweise auch künst-
lerischen Wert, wie das Denkmal Adams
von Ow, das 1650 von Hechinger Künst-
lern gefertigt wnrde. Auch diese Grab-
denkmäler werden wieder in Stand ge-
setzt werden, und dann den Wändtn noch
mehr als bisher Leben und Abwechs-,
lung geben.

Von der Ausmalung der Kirche war
bisher nur ein Bild, das Deckengemälde
des Chors, erhalten geblieben. Dieses
stellt das,Abendmahl dar und weist gute
Perspektive und teilweise feine Charak-
terLöpfe der Apostel auf. Bald nach
Beginn der Renovationsarbeiten im
Juli v. I. wurden auch die anderen,
übertünchten Fresken aufgedeckt. Ueber-
all, an den Wanden und Decken des
Chors und des Schiffs kommen sie zum
Vorschein. Sie waren dreifach über-
tüncht. Wann und wasrum die! erste
Uebermalung geschehen ist, war bisher
nicht sicher zu ermitteln, wahrscheinlich
bald nach dem Tode des Pfarrers Leo-
pold Kern (s 1833). Eine zweite Ueber-
malung geschah im Jahre 1852; die
dritte erfolgte im Jahre 1883. Die
Fresken wurden mit einem grauviolet-
ten Anstrich zugedeckt, die Wände grau
gestrichen und mit gewöhnlichen Orna-
menten versehen, die Fenster im Chor
abgeöunkelt und so das lichte Gottes-
haus seiner Frohnatur. beraubt. Nun
kommen nach Entfernung des Verputzes
die alten Bilder der Rokokozeit wieder
ans Tageslicht.

Im Chor oben zeigen sich die gewal-
tigen Gestalten dbr vier Evangelisten
mit ihren Symbolen- überlebensgroß,
dazwischen Sinnbilder der Eucharistie:
Engel mit Aehren und mit Trauben,
Pelikan, Mannaregen, Phönix, Son-
nenblume; im Hintergrund als ehe-
maliges Altarbild: St. Martisnus All
Roß mit dem Bettler; an den Seiten-
wänden des Chors: Herz Jesu und Herz
Mariä; Joachim und Anna. An den
Decken des Schiffes enthüllen sich,
vorn: die Huldigung der vier Erd-
teile vor der Immaculata oder die
Verehrung Mariä durch die Mensch-
heit: in den Kartuschen die vier

lateinischen Kirchenlehrer; in der
Mitte das größte Bild, das Votivbild:
die lieber gäbe und Weihe der Gemeinde

itnb Kirche an den dreieinigen Gott, die
Gottesmutter unb Kirchenpatron St.
Marti uns und die andern Patrone
(Deo et Deiparae ac Virgini patro-
nisque suis dynastae clerique po-
pulique pietas exstruxit —, lautet
die Inschrift am Bogen zwischen
dein ersten und zweiten Deckengemälde) ;
um diefs Bild herum sind gruppiert die
Patrone des Landvolkes: Wendelinus,
Florian, Urban, Isidor, dazwischen das
Opfer Abels, das Opfer Kains; ober-
halb der Orgel: Cäcilia mit blasbalg-
tretenden und musizierenden Engeln, da-
neben in den Zwickeln die vier Jung-
frauengestalten, Agatha, Apollonia,
Barbara, Katharina; unten an den
Seitenwänden und an der Orgel-
brüstung : Johannes Nepomuk, Fran-
ziskus, Antonius, Dominikus, Schutz-
engel, arme Seelen usf. Diese Bilder
sind das Werk eines Malers Gabriel
Ignaz Thum. Auf dem Deckengemälde
des Schiffs wenigstens steht zu lesen:
Gabriel Jgn. Thum (b) pinxit. Die-
ser hat auch in der benachbarten Pfarr-
kirche zu Frommenhausen gemalt, wenn
auch anscheinend nicht so gut, wie hier.
Weiteres war bis jetzt über diesen Mei-
ster nicht zu ermitteln. Er ist höchst-
wahrscheinlich durch die ältere Augs-
burger Malerakademie gegangen, in der
eine große Anzahl von Freskomalern
des 18. Jahrhunderts unterrichtet wor-
den ist. Er wird mit der bekannten
gleichnamigen Architektenfamilie aus
dem Vorarlberg verwandt sein. Die
Bilder des Meisters verraten im allge-
meinen gute Empfindung und feine
Farbenstimmung. Die Tiergestalten
sind weniger gelungen. Diese alten
Bilder werden erhalten und kunstgerecht
erneuert werden, ohne daß ihr alter
Charakter verloren geht. Ein lieber-
malen und Auffrischen der abgeblaßten
Farben soll nicht statHuden. Altäre,
Kanzel, die übrige Ausstattung mit
Stuck und Decken sollen im Geiste der
Entstehungszeit konserviert werden. Das
Ganze wird Am alten künstlerischen
Geist und Charakter wiederhergestellt
und darum von allen verunstaltenden
Zutaten unb Bemalungen der späteren
Zeit befreit werden. Die Jnnenräume
werden licht und hell werden, damit es
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