Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

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den Menschen, den Kirchenbesnwern und
Kirchenbetern, wieder frohj nms' Herz
werden kann. Die Renovationsarbeik ist
Kunstmaler Eng. Stehle (Rottenburg)
übertragen, der schon früher ans diesem
Gebiete, wie in der Pfarrkirche zn
Eutingen, in St. Moritzkirche in Rotten-
burg, sich betätigt und bewährt hat.
Ein gutes Stück tüchtiger, fleißiger Ar-
beit ist bereits geleistet. Der Chor ist,
abgesehen vom Hochaltar und Altarbild,
fertiggestellt. Das vordere und mittlere
Deckenbild im Schiff ist vollendet. Bis
Frühjahr soll das Ganze beendet
sein und verspricht ein gediegenes
Werk zu werden, das beredtes Zeug-
nis ablegen wird vom Können und
Schaffen alter und neuer Meister.

Nach Mitimtung !des Pfarramtes Bezau
(Vorarlberg) ist der Maler Gabriel Ignaz
Thum in «Bezau geboren 12. November 1741
als Sohn des Jodok Thum und der Katha-
rina, 'geb. Staiger. Er verheiratete sich mit
Elisabeth Stütz und starb in Bezau 28. Ja- j
nuar 1622. «Urenkel «von ihm leben noch,
wissen aber nichts mehr von ihm. Der Archi- i
tekt Thum dürfte mit ihm nahe verwandt
gewesen sein.

■ WE 3| ,

Die Rottenburger Fresken im Lichte
unserer Aufgabe.

Von Hermann Anton B a u t I e.

Wer durch die künstlerischen wie j
technischen Jammererscheinungen unse-
rer neueren kirchlichen Monumenkal-
malerei betrübt, sich in älteren schwä-
bischen Kirchen nach jener einstmals
in Süddeutschland so hoch gestan-
denen Kunst umsteht, bleibt in der
Moritzkirche zit Rottenbnrg a. N. wie
vor einer Offenbarung erfreut und in
Bewunderung steheti. Die in St. Mo-

sich hineinfühlt, vermag Den eigentümlich
hohen Reiz der Originale heranszufin-
den. Es ist uns bekannt, daß der Stnck-
anftrag aller vorchristlichen Architektu-
ren immer einige Zentimeter in Auf-
trag kann Von diesen eigentümlichen
Sänlenfresken kann man jedoch nur in
Reserve von einem Stnckanftrag reden.
Ich möchte annehmen,' daß dieser Kalk-
mörtelgrnnd mit einem Pinsel in die
vorgefeuchteten Steinporen eingestrichen
wurde. Nachdem kum der Mörtel mit
einem harten Instrumente geglättet
j war, sind die Figuren und ihr dekora-
tiver Rahmen expressionistisch, flott, aber
sicher und gewandt, rasch eingematt und
! von dem ausschwitzenden Kalksinter des
Untergrundes dauernd ans Jahrhun-
derte fixiert worden. Die technische
Sorgfalt, in der dieser Malgrund er-
stellt und sich so vortrefflich hat erhat-
teit können, übermittelt uns hohe ethi-
sche Werte, die die Väter in ihrer Ge-
wissenhaftigkeit nub ihrer Liebe zur
Arbeit uns an diesem Beispiel Hinter-
tassen haben, das vor allem unserer
Jugend recht warm vorgehatten werden
sollte. «Ohne alle Ethik setzen wir heute
unsere Taten in den Tag und nicht
mehr in die Geschlechter hinein und be-
weisen in dieser Selbstsucht, daß wir
ihnen keinen Ewigkeitsgehalt mehr zn
geben vermögen.

Wer seine Lebensaufgabe nach künst-
' ler sicher wie technischer Wiederverinner-
lichung der Freskomalerie einstellke, kann
an diesen merkwürdigen Sänlenfresken
zu Rottenburg, in ihrer einfachen wür-
digen Schönheit, nicht vorbeikommen
und muß auf sie Hinweisen. Freilich,
wem die rein materialistische Wettan-

ritz vor einigen Jahren unter der Tünche
aufgefundenen Sänlenfresken sind in
ihrer handwerklichen Erstellung Par-
allellos, ja vielleicht in ihrer Art über-
haupt einzig. -Diese grauen, grob be-
hauenen Sandsteinsäulen sind in ihrer
unteren Partie mit einem nur einige
Millimeter starken Kalkmörtel über-
zogen. In diesen leichten Stuckauftrag
haben Maler verschiedener Daten, vor
fünf und mehreren Jahrhunderten, Fi-
guren al fresco eingematt. Sie sind
nach ihrer Freilegung übermalt worden,
aber wer mit Interesse und mit Liebe

schaunng seine Kindlichkeit, die Freudig-
keit am Schönen, ausgerissen hat, wer
nur verstandesmäßig vor diese Bilder
tritt, der kann an diesen Säulen nur
einfache Farbakkorde und verzeichnete
Figuren sehen. Ja — Kindlichkeit und
ein reines Gemüt — wird uns
klügelnden Verstandesmenschen diese
Himmelsgabe der liebe Gott noch ein-
mal schenken, so daß wir wieder begna-
det würden zu geistig-religiösen r Dich-
tungen in Wort — Ton — oder Farbe!
Daß wir wieder Merke zu schaffen ver-
möchten, wie sie uns das Mittelalter
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