Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

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nacht) sich über dem Sakristeigewölbe
frefcmben, muß auch die Orgel entfernt
und vorerst die große Orgel gebraucht
werden. Bei der Niederlegung erleidet
ein Handlanger infolge vorschriftswid-
rigen Verhaltens einen Beinbruch. Erst
im Jahr 1739 kommt die Materialb/.i-
fuhr recht in Fluch. Am 13. Juli fingt
H. P. Prior von Obermarchtal auf dem
Hochaltar das letzte Hochamt, wobei zum
letztenmal mit allen Glocken im alten
Turm geläutet wird. Fortan werden
nur noch die zwei kleinsten Glöcklein ge-
läutet, die man auf den Kapuzinerturm
über dem Fraterbau überträgt, später
die große, die man im Brudergarten im
alten Glockenstuhl aufgehängt. Bei der
Entfernung eines Gemäldes im Chor
wird dem jungen Zimmermann Franz
Koch von Gauingen ein Fuß abgedrückt.
Schon an: 16. Juli kann man das mitt-
lere Gewölbe abtragen, und am 16.
„auch die großen Glocken an einem Wel-
lenzug" herablafsen, dagegen find die
Sandsteins des Schwibbogens im Haupt-
turm nicht einmal nüt Pulver zu fpren-
gen. Bei ihrer Entfernung zeichnll sich
„der dortmalige Kloster-Seiler Antoni
Haggelstein von Bach" aus. Nach Ab-
tragung des Chors wird das Funda-
ment gegraben in einer Tiefe von
9, Schuh 6 Zoll, bis man auf Wasser
und Tuffsteinboden stößt. Doch er-
stehen nachmals nur die Türme da, wo
ihnm von Anfang an der Platz angewie-
sen war, und zwar je IO Schuhe lang
und breit. In das Turmfundament
werden je 218 eichene Pfähle von 12 bis
18 Schuh Länge und 13—15 Zoll Dicke
gerammt, zuerst mit einem Holzblock,
dann mit einer eisernen Katze, die 12
bis 18 Männer-mn der Trommelsäule
in die Höhe ziehen, „auf Manier, wie
man pflegt, auf den Kornschiffen die
Säcke aufzuziehen". Auch von den acht
Hauptpfeilern bekommt feidjer 80—100
Pfähle. Doch stehen nur „die vier im
Kreuz" (der Vierung) am ursprünglich
geplanten Standort.

Baumeister find die Brüder Joseph
und Martin Schneider von Backst). Auf

h Schlichte Maurermeister, allerdings ge-
schult an dem iGastbau des Prämonstratenfer-
klosters zu Obermarchtal. Sie geben denn

ihren Rat wird entgegen dem ursprüng-
lichen Plan in: Jahr 1740 beschlossen,
sofort auch das Schiff abzubrechen und
ein steinernes Gewölbe aufzufühvm.
Am 8. Mai, den dritten Sonntag nach
Ostern, war der letzte Gottesdienst, die
erste heilige Messe des P. Gregor Har-
ter, wobei Pfarrer Matthias Rotmund
von Andelfingen bei Riedtingen oie
Ehrenpredigt hielt mit dem Vorspruch
aus dem Sonntagsevangelium: „lieber
ein kleines werdet ihr mich nicht sehen."
Am 9. Mai wurden die Altäre entfernt
und das Marienbild und der Kruziflxus
vom Schwibbogen in die Pfarrkirche
übertragen. Die 12 Apostel von der
Mauer wurden arlf den Hofbau gestellt.
Den elften Heumonat kann auf der
Nordseite bei der Großkellerei der erste
Stein in das Fundament gemauert wer-
den. Man begann hier, weil die Pfähle
der Turmfundamente noch nicht alle ein-
gerammt • waren. Doch wurde die
Grundmauer bis 28. Oktober „der Erde
gleich", mit Ausnahme des Nordturms.

Im Jahr 1741 wird P. Stuarll) von
Regensburg über Augsburg berufen und
der Neubau an H. Fischer aus Mün-
chen^) übertragen, „welcher schon zuvor
in dem Reichsgoteshaus Ochsenhausen
bekannt gewesen". Denn die beiden
Maurermeister neigten eher zu einem
hölzernen, als einem steinernen Ge-
wölbe ilnd hatten „ohne dem ein der-
gleiches Werk" noch nie gemacht. Fischer
fertigt einen völlig neuen Plan, der
vom alten ni:r die zwei Türme auf-
nrmmt (also auch das Fundament nicht
benützt).

Im Jahre 1742 geht man beiderseits
4—5 Fuß über das Fundament von
1741 hinaus, legt statt der geplanten
rmd schon fnndarnentierten sechs Kapel-

auch das Werk alsbald wieder aus ihert Hän-
den.

3) Schot tenmönch, aber auch geborener
Schottländer und ursprünglich Architekt, spä-
ter Ordensmann, aber auch als solcher mit
mannigfachen Bauten technischer und künst-
lerischer Art beschäftigt.

0 Johann Michael Wischer, geb. zu Burg-
lengenfeld (Obevpfalz) i. I. 1691, gest. 6. 5.
1766. Die Literatur über ihn bei Thieme,
Allg. Lexikon.der bildenden Künstler von der
Antike bis zur Gegenwart, XII (Leipzig,
Seemann, 1916), iS. 27 f.
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