Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

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len auf jeder Seite je nur vier an, läßt
auch die zwei weg, „ehe man vom Kreuz
in einen Turm kommt". Um „das
Cimidery" zu schonen, sah der erste
Plan für die Länge nur ein Plus
von sieben Fuß vor, der neue

von über dreißig Fuß. Ferner sollte
die Galerie nach dem ersten Ritz

beiderseits bis zum Hochaltar gehen und
der Chor beginnen „gleich bei Anfang
des Pfeilers, welcher vor der Kapelle ge-
standen vor dem Thurm und sein Ende
wäre, wo die Thürme ihr Ende gegen
Ausgang der Sonnen, das übrige wäre
das Presbytery gewesen und -also die-
sem Riß nach gar viel zu viel Winkel
bekommen und auch nicht gar viel grö-
ßer geworden, als die alte gewesen".
Fischer baute also größer und einfacher,
als die Gebrüder Schneider geplant.
Nun wird von neuem sundamentiert.
Bei der Steinbleisuhr brachen Vier-
Pferde durch das „Gewölbe des Cimi-
dery" ein, doch ohne wesentlichen Scha-
den zu nehmen. Bei einem andern Un-
fall erleidet der Handlanger Benedikt
Fuchsloch von Mörsingen einen Achsel-
bruch. Ein Fuhrmann, Vitalis Waid-
mann von Geisingen, führte einen
Stein bei von solchen Dimensionen, daß
man ihn behauen muß, um ihn durch
das große Hostor zu bringen, und die
Brücke beim Reitstall unter ihm bricht.
Er befindet sich im Fundament des
Nordturmes. Eine Rutschbahn für
Steine beim Brauhaus wird natürlich
sofort auch von der lieben Jugend be-
nützt, bis dem Küchenjungen „Fideli
Schnitzer von Upselmghr . . ." „ein
Nagel durchgegangen" und „ihm ein
Loch in den Nabel gerissen — es hat
aber in dem Convent mehr Gespaß als
Schrecken verursacht". Mit der Mauer
kam man „noch etwelche Schuhe über
den Fahsen bis aus den Vorabend aller
heiligen".

Beim Abbruch des alten Cömete-
riumtürmchens i. I. 1743 wirft ein
Handlanger die Gebeine der sel. Aebte
Martin und Wolsgang „zu den andern
in Thurm", dipnn „tote Beiner seien
todte Beiner". Türme und Chor bekom-
men ein eisernes Band, ebenso die Pfei-
ler bei den Kapellen je zwei starke
Eisenstangen „um Sicherheit willen

wegen dem Gewölb". Im Frühling
starben im Maurerhaus zwei junge
Bayern „an leiner hitzigen Krankheit".

Im Jahre 1744 holt der Abt am
1. Juni, „als'am Fest des allersüßesten
Herzens Maria, den 41. Tag nach dero
Erwählung", die Weihe des ersten Stei-
nes nach. Derselbe wurde hinter dem
Hochaltar in der Mitte angebracht. Es
war vormals der Sarg, „allwo zuvor
die Stifter dieses Gotteshauses viele
hundert Jahre, samt ihrem hochgräs-
lichen Herrn Vater des Achalmischen
Stammes geruhet haben" in dem alten
„Vorzeichen". Auch in diesem Jahr er-
hielt das neue Mauerwerk an Chor und
Kapellen ein eisernes Band und die
Türme Eisenstangen bis unter die
Kuppeln.

Im Jahre 1746 stellen die Maurer
die Bögen zu den Gewölben aust); am
21. August richten die Zimmerleute den
Dachstuhl aus, brauchen dazu vier Wo-
chen und schließen mit dem Zimmer-
spruch des Balliers Martin Arnold von
Upselmehr, „des Zimmermeisters sein
Vetter", in Anwesenheit des Reichsprä-
laten und Abtes Hieronymus von Vil-
lingen. Presbyterium, Chor und Lang-
haus können noch eingewölbt werden.
(Inschrift aus dem Bund zwischen der
ersten und zweiten Kapelle „von der
Kuppel weg": Leneckietus abbas,

Franz Salesi, zehnter Prior 1746 den
15. Oktober.) Nachdem man mit Latten
fertig war, vor Bedeckung des Daches,
„ist ein junger Gesell von Bach, Vin-
centius Hagelstein, des damaligen Klo-
sterseilers sein Sohn, oben aus dem
Chor, fast am äußersten Rand, unter
über sich aus den Latten, aus den
Kops gestanden und ein Männlein ge- ,
macht". Buben auf dem Dachstuhl wol-
len es ihm sofort nachmachen.

Im Jahre 1746 entfernte man die
Bögen von den Gewölben, nachdem sie
neun Monate dort gestanden, erstellte
das Gesims außen und innen, wölbte
die Kapellen galerien und den Raum „im

°) Sie bleiben (f. u.) neun Monate noch
nach Abschluß des Gewölbes stehen, damit
dasselbe gründlich trocknen und sich härten
konnte. Man war also vorsichtiger, als beim
Kirchenbnu in Rot.
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