Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

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Kreuz auf beiden Seiten der Kuppel"
und brachte die „drei Schilde außer-
halb der Kirche" von einem Bildhauer
Michael.an, der nachher bei den Stukka-
toreneintra>t°). Der Großkellner erstellte
gegen den Willen des Parliers ein Rad
(Krahnen), so daß 5—7 Männer in
einem Tag 15—20 Steine heraufzogen,
während vorher ihrer vierzig nur 6—7
zu heben vermochten. Den am 28. Au-
gust verstorbenen Zimmermeister Jo-
hannes Schüler von „Upfelmehr" ersetzt
sein Vetter, Parlier Martin Arnolt
von da.

Das Jahr 1747 sieht die Stukkateure
im Presbyterium und Chor arbeiten,
die Chormalereien Spieglers (aus Wan-
gen im Allgäu) und die Arbeiten der
Faßmaler aus Dinkelscherben, die zwei
Presbyteriumsfenster, die Kapelle über
dem Hochaltar und den Rest der Vie-
rungskuppel erstellen. Beim Schluß
wart diesAebtissin von Urspring! zugegen.
P. Placidus Weber und der schon seit
10. August 1744 mit dem Chorgestühl
beschäftigte Bildhauer Christian von
RiedlingenZ bliesen dabei die Trom-
pete und auch an Paukenwirbel fehlte
es nicht. Die vier letzten Steine fügten
ein: Abt Benedikt, Prior Franz Sales,
Subprior Stephan Hensler und Gre-
gor Hurter Senior. Ein junger Bayer
fällt „im Schlaf oder einem Brannt-
weinrausch" von einem Gerüst auf das
nächste hinab ohne Schaden, und zwei
Füllen steigen die Brücken hinauf und
durch eine Fensteröffnung auf das Ge-
rüst hinaus, können aber von den
Handlangern wieder glücklich entfernt
werden.

Im Jahre 1748 malt Spieglerch das
Bild über dem Chor und beiderseits des
Kreuzes. Die Faßmaler aus Dinkel-
scherben werden durch Joh. Georg Meß-
ner -aus Hohentengen ersetzt. Eiu
Krahnbruch verläuft ohne besonderen

6) An ihrer Spitze stand Johann Michael
Feuchtmahr von Haid bei Wessobrunn, der
später sich in Augsburg niederließ.

7) Geb. 1706, ,g.est. 1777,. Won ihm stam-
men auch die Bildwerke d>es Chorgestühls zu
Ottobeuren und Wiblingen.

8) 'Geb. 1691 zu Wangen i. A., auch in
Ottobeuren beschäftigt. Gest. 1757 zu Kon-
stanz.

Schaden. Der Glaser liefert die Chor-
und Vierungsfenster. Mit dem Hoch-
altar wird begonnen. Der heiligste
Name Maria von einem Biberacher
Gürtler wird über dem Hochaltar an-
gebracht. „Es ist auch bald nach dieser
Zeit ungefähr des Wirths Sebastians
Schauben seliger Gaisbock zu den Mau-
rern auf diesen Thurm kommen, und
die Arbeit der Maurer 'besehen, und
dann ist er wieder- glücklich den Weg . . .
zurückgegangen."

Im Jahre 1749 werden Gemälde")
und Fasserarbeit in der Kuppel und der
Schild mit dem Abtswappen fertig; am
Südturm wird, wenn auch langsam,
weitergebaut, der Bau eines neuen,
größeren Vorzeichens beschlossen, „da
man . . . gesehen, wie gi'oß das Kreuz
(Querschiff) und folgsam das Langhaus
zu kurz gegen (eitlem solchen Kreuz".
Beim Transport des Steins für die
Figur des hl. Stephanus aus dem
Bruch der Brüder zu Bernstein bei
Haigerloch brechen drei Achsen.

Im Jahre 1760 werden die Stukka-
teure im Langhaus fertig. Beim Ab-
bruch des alten Vorzeichens entdeckt
man hinter einem Gemälde über dem
Tor eiirteVt großen Stein mit den
Reichs-, Stifter- und Württemberger-
wappen, der dann zum Hochaltar ver-
wendet wird. In diesem Jahr als dem
9. Juni ist auch das Dankfest gehalten
worden, wegen der Befreiung von dem
durchlauchtigsten Haus Würtemberg"^)
in Anwesenheit des Reichsprälaten
Dominikus von Weingarten, der Aeb-
tissin von Urspring und der Priorin
von Mariaberg").

y Außer Spiegler war in Zwiefalten
hauptsächlich Andreas Mainrad von Ow tätig
(Seitenkapellen, Orgelchorplafond, 'Galerien),
geb. zu Sigmaringen 1712, gest. 1792, so-
dann Guiüal und B. und G. Scotli (Stutt-
gart) , I. Zick .(München).

") Schon nach 56 Jahren ging der Besitz
des Klosters und seines Gebietes an den
Kurfürsten von Württemberg über (Beschluß
der Reichsstände vom 26. Februar 1806). Am
8. August wurde der neue Landesherr feierlich
begrüßt. Der Abt hielt ein Hochamt mit
Tedeum. Es mag wehmütig geklungen
haben. Schon am 8. September ward die
Kirche geschlossen.

") Im heutigen Qberamt Reutlingen ge-
legen.
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