Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

Seite: 79
DOI Heft: 10.11588/diglit.22108.26
DOI Artikel: 10.11588/diglit.22108.30
DOI Seite: 10.11588/diglit.22108#0087
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1919_1921/0087
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
— 79

erfolgte, die Kanten der kannelierten
Strebepfeiler eine dünne Goldleiste, die
Gewölbefelder eine dezente Bemalung

u l r i ch a U a r.

erhielten, ist aus derselben Ursache her-
aus zu erklären. Nun bleibt allerdings
auf der Nordseite die weite Wandfläche
zwischen Chorgestühl und Gewölbe mit
ihrem schlichten, natürlichen Steinton.
Vormals trug dieselbe einen gar köst-
lichen Schmuck: ein Marienleben mit
einer ganzep Reihe bewegter, farbiger
Szenen lag unter der Tünche verbor-
gen, und die Frage seiner Wiederher-
stellung wurde lebhaft erörtert lind
auch auswärtigen Autoritäten zur Be-
gutachtung unterbreitet, zuletzt aber mit
Rücksicht auf die mangelhafte Erhaltung
in ablehnendem Sinne beantwortet.
Vielleicht erfährt die Oeffentlichkeit ein-
mal Näheres durch einen der beigezoge-
nen Berater. Dagegen wurden in der.
ersten Nische rechts von dem Sakra-
mentshäuschen Reste eines Fresko ge-
mäldes entdeckt (Maria mit dem Jesus-
kinde), die man bestehen ließ und durch
eine vorgelegte Leinwand schützte. Die k
Gesichter, die noch gut erhalten sind, i
zeigen eine für die Entstehungszeit sel- !

tene Anmut. Die Chornischen erhielten
Vorhänge, deren Farben mit den kirch-
lichen Festzeiten wechseln.

Der Hochaltar ist, abgesehen vom
Tabernakel, geblieben, und es ist gut so.
Wer an die riesigen Bauten der Spät-
gotik und der darauffolgenden Stilperi-
oden gewöhnt ist, dem mag seine vor-
nehme Schlichtheit dürftig erscheinen.
Wenn also Stimmen laut wurden, die
dem Ersatz durch einen Flügelaltar das
Wort redeten, so ist das verständlich.
Man braucht sich aber nur einmal einen
solchen in den Chor hineinzudenken mit
den Maßverhältnissen, wie sie seine weit-
räumige und himmelanstrebende Um-
gebung fordern würde, und> man muß
sich sagen, daß die gemalten Fenster
jämmerlich zerschnitten wären durch die
Konturen seines Aufbaus, während der
alte Altar sich der Umgebung gut
anpaßt, durch das Licht und die Farben
des Hintergrundes gehoben wird und
ihm-sich harmonisch einfügt - - und dies

Kanzel.

seit der Restauration noch besser, als vor
derselben. Früher hatte er keinen Taber-
nakel und das Allerheiligste mußte bei
loading ...