Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

Seite: 84
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Der Titel von Ehoerrber^s Studie über
„Deutsche Malerei und Plastik" usw. -erfährt
eine rresenü-iche Einschränkung durch den Un-
tertitel : „Nene Beiträge zu ihver Kenntnis
aus idem ehemaligen Deutschordensgebiet".
Im -Eingang zieht -der Verfasser einen Ver-
gleich zwischen Deutschlands Reichtum und
Frankreichs Armut an Kunstwerken aus dem
fraglichen -Jahrhundert und behandelt dann
die Kunst im Deutschordensg'ebr.et, indem er
von der internationalen >Grundla.ge des
Deutschovdensftaates und seiner Kultur aus-
geht und damit den Unterbau gewinnt für -die
Kreuzung italienischer, normannischer, arabi-
scher, -französischer, rheinischer, märkisch-sächsi-
scher, zisterziensischer, englischer, böhmischer
Einflüsse, wie sie sich in den Deutschordens-
buvgen und -kirchen finden, die italienischen
(-speziell apulisch-normannischen) be-im Grund-
und Ausritz, die franzchisch-westdeutschen be-i
der inneren Plangestaltung, die märkisch-säch-
sischen bei !der Backsteinbehandlung, die engli-
schen bei der Art der Wölbung (Palmenge-
wölbe). Ebenso mannigfaltig ist die M-alerei
und Plastik. Ausschlaggebend sind hier nie-
derrheinische Einflüsse, entsprechend der bür-
gerlichen Besiedlung von -dort. Aber auch der
Verkehr mit der Hansa, den Niederlanden und
England macht sich fühlbar, direkt durch Im-
port (-Grabplatte zu Thorn aus Flandern,
Alabasterreliess aus England, Elfenbeinkäst-
chen aus Venedig. Webstofse aus Aegypten,
Persien, China und Italien, Altaraussätze aus
Antwerpen), indirekt durch Stilbeeinflussung
der ansässigen oder wenigstens längere Zeit
Hier wirkenden Künstler: Jacobus lapicida
aus Tanten, Jacobus vitrifex, -der vielseitige
Maler Peter, -der „Bildensnyder" Johann van
der Matten aus Flandern, Stukkateure aus
Köln. Besonders -interessant ist der Nach-
weis verw-andtschaftlicher Beziehungen !der
Deutschordensmalerei zu Wilhelm -von Köln,
zur -Prager Schule mit ihrer Amalgamierung
italienischer und deutscher Art, zur Mo-saik-
kunst der Venezianer, zur Kunstübung des aus
Minden stammenden Meisters Bertram zu
Hamburg, zur westfälischen Malerei am Ein-
gang des 15. Jahrhundert (W-arendorf, Da-
rup) , zu der am Ende des 14. Jahrhunderts
nach Nürnberg über gesiedelten und von dort
befruchteten Prager Kunst (Andres von Preu-
hen?), zu sranzösischen und italienischen
Idealen, allerdings in gut deutschem Gewände
(Berthold Landauer -aus Nürnberg oder ein
Vorläufer von ihm?). Trotz alledem könnte
man für die Zeit 1350—1450 „fast von einer
preußischen «Schule -sprechen" mit ein-er mehr
böhmisch-fränkischen und einer mehr nürnber-
gi-sch gerichteien Hanp-tgruppe, von der aus
dann wieder Rückschlüsse auf Kunst und Künst-
ler des Westens möglich sind. Dabei steht die
Plastik hinter der Malerei zurück. Uns
-Schwaben mutz es besonders interessieren, daß
unter den schwäbischen Hochmeistern Konrad
von ,Jungingen, 1363—1407, und Ulrich von
Jungingen, 1407—1410, auch schwäbische Ein-
flüsse -(Maria mit Chvistuskind von Meister
Hartmann-Ulm?) austauchen.

fasser ist sehr zurückhaltend beim Vortrag sei-
ner Ansichten, und er tut gut daran. Es ist
-Neuland, -das er erschließt. Der Einflüsse von
außen sind es sehr viele, und er selber -ist
Privatmann und hatte -die reichen Mittel
staatlicher Kunstforschung nicht zur Verfügung.
Umso anerkennenswerter ist sein redliches Be-
mühen und seine bescheidene lSelbsteinschätz-
ung. Der Forschung hat er eine Reihe neuer
Ausgaben gestellt, und für unsere schwäbische
He-i-mat speziell möchte man seiner Arbeit die
iAernwi-rkung wünschen, daß sie Anregung gäbe
zur Erforschung der Deutschordenskunst in der
M-ergentheirner Periode.

Tübingen. I. Rohr.

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erfolgen an den Dekanatsa-genten oder direkt
-an H. H. Domkapitular Aigeltinger in Rot-
te nburg,

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des Deutschen Volksblatts, -in der Re-duktion
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und Z «eits ch r i f t e n , «ebenso Tausch-
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Redakteur Stadtpsarrer Weser in Söflingen
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heiten wende man sich an -den Vorstand des
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