Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

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Chorbogen. Von

an Kloster Zwiefalten. Die Pfarrei
wurde 1468 der Universität Freiburg
inkorporiert. Die Pfarrkirche, ehemals
eine Mutterkirche vieler Filialien, ge-
weiht dem heiligen Michael, war zuerst
eine romanische Burgkapelle. Die Burg
stand im heutigen Baumgarten des
Pfarrwidums. Aus spätgotischer Zeit
stammt noch der Chor, wie die abge-
treppten Strebepfeiler und die Maß-
Werk-Spitzbogenfenster Augen. Hinter
dem Hochaltar ist innen noch das Maß-
werk des nach außen vermauerten Fen- !
sters erhalten und sichtbar. 1603 wurde
die Kirche um 896 Gulden erneuert und
konfekriert. Der jetzt bestehende Umbau .
stammt von 1701/02. 1850 wurde eine
Turmkuppel aufgesetzt, die am 17. August
1863 durch einen Sturm herabgerissen
und dann wieder erneuert wurde. In
den Jahren 1881—1886 wurde die Kirche
restauriert. Dem gotischen Charakter
des Chors entsprechend, mit seinem Rip-
penkreuzgewölbe auf einfachen Konsolen,
wurde die Restauration in gotischer Art
durchgeführt, obwohl die gotischen Bau-
reste von der Barockrestauration von
1700 fast verschlungen erscheinen. Da-

Thalhkini^r in Neuburg.

mals ward der Chor nach außen ziem-
lich erhöht, das Schiff und die Sakristei
und der Turm Wohl fast vollständig Er-
neuert: der Triumphbogen wurde abge-
rundet, das Schiff flachgedeckt und mit
Rundbogenfenstern ausgestattet. Das
gute Chorgestühl mit seinem Säulen-
und Giebeldorsal und der Akanthus-
schnitzerei an den Wangen und ebenso
die Beichtstühle, sowie ein Triumphkreuz
stammen aus der Barockwstauration.
Aus derselben Zeit auch das Gestühl im
Schiff und auf der Empore mit vorzüg-
lich -geschnitzten Wangen.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts
muß eine neue Rfftaurationstätigkeit
eingesetzt haben. Ihre Zeugen sind vor
allem die gediegene Louis-XVI.-Kanzel
in bräunlich marmoriertem Ton mit
kräftigem, tu 8-artigem Band am
Treppenaufgang und einfachen Orna-
menten. Den Schalldeckel krönt die
Figur des guten Hirten. Ferner stammt
aus dieser Zeit die Orgel mit ihrem
hübschen Gitterwerk auf der Rampe.

Die gotische Restauration von 1880 hat
auf diese vordringlichen Zeichen des Ba-
rock und Spätbarock keine Rücksicht ge-
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