Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

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nommen. Cleß' (Zwiefalten), bem das
Werk übertragen war, arbeitete natür-
lich im Geiste dieser Zeit, erstellte in go-
tischem Geschmack den Hochaltar um
2200 M., die Kommunionbjank um 200
Mark, zwei Nebenaltäre um 3000 M.
Derselbe Meister malte das Langhaus
um 660 M. Zu derselben Zeit sind wohl
auch die Teppichmusterfenster in den Chor
eingesetzt worden. Diese und der Cha-
rakter der Malerei, wie sie damals be-
liebt war, verdunkelten Chor und Schiff
der Kirche ungemein.' Darum wurde
eine neue Restauration in Angriff ge-
nommen und 1918/1919 durchgeführt.
Allerdings mußten die gotischen Altäre
zunächst bleiben und auch die Deppich-
fenster können vorerst noch nicht ver-
schwinden. Sonst aber erhielt die Kirche
im Inneren ein ganz neues Aussehen.
Freilich war schon wieder ein Plan ge-
macht, der die Verdunkelung des Chors
um einige Jahrzehnte verlängert hätte.
Doch gelang es der Beratung, den pfarr-
lichen Bauherrn und den ausführenden
Künstler für die Durchsetzung einer all-
seitig helltzn Stimmung zu gewinnen.

Die Stimmung des Sockels im C h o.r
nmßte sich zunächst noch dem Altar und
dem Gestühl anpassen und hat eine an-
genehm grünliche Tönung erhalten, aus
der heraus der Höhe zu lauter helle
Farbtöne erblühen. Auch die Gemälde
an den Wänden und in den Gewölbe-
zwickeln, anb'ckende und musizierende
Engelgestalten, die das an der Decke be-
findliche Lamm Gottes verherrlichen,
sind in lichten Farben gehalten. ■ Wie
eine bedeutungsvolle Cäsur wirkt der
Chor bogen in seiner neuen Bema-
lung. In der Mitte über dem Scheitll
des Bogens 'chw.bt in den Wolken mit
ausgestreckten Händen die kräftige Ge-
stalt Gott Vaters in Mandorla und
Wolkenzügen von satten Farben. Uebllr
den beiden Seitenaltären diesem Mittel-
bild entgegen ziehen sich zwei Darstellun-
gen: links (vom Beschauer) ruht unter
einem Baum, von einem Engel gestützt
(Schutzengel), Jakob, bei: im Traume die
Himmelsleiter schaut, auf der die Engel
auf- und niedersteigen: der Menschen
Gebete zu Gott bringend, Boten der
Gnade von Gott ausgesendet; rechts in
dvr oberen Ecke trägt ein Engel eine

Menschenseele der Ewigkeit entgegen;
darunter ist das geöffnete Fegefeuer und
in demselben die leidenden Seelen sicht-
bar. Engel geleiten die gereinigten See-

Christ u s i in Grabe.
Von Ulinschneider in Neuburg.

len aus dem Reinigungsorte Gott, dem
Könige des L bens, entgegen. Sehr gut
ist bei diesem Engtlgeleitsbild die stufen-
mäßige Verherrlichung der Seelen dar-
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