Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

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Mark, der Jnterkalarfonds 3000 ^ M.,
ein Staatsbeitrag 6000 M., :blbe Fabrik
im Ort 2000 M. Alles war mit dem
Abschluß des Baues noch nicht beglichen.
Aber eine die Hochkonjunktur des Krie-
ges geschickt ausnützend-3 Umlage tilgte
den Rest vollends. Heute ist die Kirche
schuldenfrei und harrt nicht -etwa noch
auf milde Stifter mit der Inneneinrich-
tung, sondern diese ist komplett und
würdig und, gleichfalls bezahlt durch
Beiträge der Pfarrkinder mit ca. 14 000
Mark. Der Hochaltar ist Weihegabe
eines -einzigen Stifters, erstellt von Mül-
ler (Sau'lgau) nach Zeichnungen von
Koch (Stuttgart), ein Flügelaltar mit
vergoldetem Kreuz über dem Dabernakel,
Mariä Verkündigung und den heiligen
drei Königen aus den Flügeln. Den Ab-
schluß nach oben bildet eine Kreuzigungs-
gruppe, dil aus der alten Kirche her-
übergenommen« werden konnte. Altes
und Neues ist einander geschickt ange-
glichen. Der Josephsaltar stimmt von
Haüsch (Horb). Man könnte sagen:
Hier, auf spätgotischem Gebiet, bewegt:
er sich aus seiner Domäne, wenn er nicht
schon längst die Kunstfreunde mit ebenso
gediegenen Barockaltären überrascht hätte.
Der Altarschrein schließt in sich den hei-
ligen Joseph mit dem Kirchenmodell,
einen nur haltbekleideten Greis, einen
Knaben und einen Papst, geführt von
der hl. Theresia, «eine Frau mit Kind,
einen Arbeiter mit aufgestülptem Atzt-
mel und einen Bischof. Der Arbeiter
u. a. wollten einzelnen zu profan er-
scheinen. Eine Predigt half dem Ver-
ständnis für seine Existenzberechtigung
nach. Die Silhouette, die Gruppierung
wie die Fassung geben diesem Altar das
Recht, zum Allerbesten in der ganzen
Kirche gerechnet zu werden. Der Franen-
altar mit Maria, St. Elisabeth und
St. Agnes im MittÄschrein, gemalten
Szenen aus dem Leben Jesu auf den
Flügeln und einer Püta mit flankieren-
den Engeln als Abschluß — letztere
Gruppe gleichfalls alt —, von Britsch
(Gmünd) gefertigt, fügt sich dem Ge-
samtbild gutein, steht aber in dier Fas-
sung hinter seinem Pendant zurück. Der
Hochaltar kostete 3000 M., der Josephs-
altar 2600 M., der Marienaltar 2200 M.
Die Kanzel von Benz — von ihm auch

die Kommunionbank — hätte wesentlich
schlankcir 9^00;^ werden sollen. So
wie sie jetzt ist, schneidet sie, vom Schiff
aus gesehen, zu tief in den Seitenaltar
hiüein. Einige Einzelsiguren in der
Kirche sind von Leins (Horb).

Vor kurzem erhielt der Chor eine Be-
malung durch Herrn Kunstmaler Schenk
(Gmünd), der schon bei den Kirchen von
Spraitbach und Straßdorf beteiligt war.
G-Wisse Richtlinien waren durch« den
satt braunroten Bodentllag und die
Farben der Teppichmuster in den Chor-
senstern gegeben. Der Künstler paßte
sich dem an, indem er die Grundfarbe
«des Bodens in dem gemalten Teppich
zwischen Fenstern und Boden auf einen
helleren, frischeren Ton stimmte, das
MustA des Teppichs wieder dunkler und
voller hielt. Dessen Konturen sind sehr
kräftig gemalt, also offenbar auf Be-
trachtung aus größerer Entfernung be-
rechnet. Darüber breiten sich rechteckige
Felder in Grün hin; die Gewolbestützen
sind grau gehalten. Grau und Grün
sind kombiniert in den Spitzbogen der
Seitenwände, und letztere belebt durch
je eine dekorative Darstellung in archai-
sierendem Stil, die eine die heilige Dause,
die andere die Kirche als Säule der
Wahrheit symbolisierend. Die Gewölbe-
zwickel füllen Engel in grünen Gewän-
dern aus. Die gemalten Ranken der
Fensterleibungen schmiegen sich dem
Schwung der Linien gut an, verstärken
und heben also die Architektur, statt,
wie es lüder auch in neuester Zeit noch
gelegentlich vorkam, sie durch gemalte
Quader usw. zu vernichten oder wenig-
stens zu stören. Vom Schiff aus be-
trachtet, macht der Chor mit seinen Far-
benakkorden, dem durch die Fenster her-
einflutenden Licht — das mittlere
möchte man sich« wegen der in dasselbe
hinünrageuden Kreuzigungsgruppe im
Kolorit etwas ruhiger wünschen —, dem
klar aus seiner Umgebung heraustreten-
den Hochaltar einen feierlichen, harmo-
nisch'en Eindruck. Das Honorar für die
Dekoratidnsmalerdi betrug 2000 M. und
ist der Leistung des Künstlers durchaus
entsprechend. Die (gotischen) Stationen
wurden von der alten Kirche hwüber-
genommen.

Wie die Kirche, so bergen auch, die
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