Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

Seite: 19
DOI Heft: 10.11588/diglit.22108.35
DOI Artikel: 10.11588/diglit.22108.40
DOI Seite: 10.11588/diglit.22108#0111
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1919_1921/0111
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
19

Das Reliquiar von Weingarten.

haben sich R t i it >e r f o m p a g ni >en
gebildet mit militärischem Anstrich:
eigener Uniform, Standarten und Musik.
Die älteste war die Biberacher, von den
Herren von Brandenburg als blaue Dra-
goner ausgestellt. Es folgten die Alts-
hauser gelben Husaren, die Jager des
Grasen Wolfegg, die Jäger von Ravens-
burg, die Dragoner des Grasen Wurzach,
die Grenadiere von Waldsee-Städt, die
gräflichen Dragoner von Waldsee, die
Graf Zeilschen, die Rehlingschen, die
Dragoner des Grasen Königsegg-Aulen-
dorf, die des Grasen Königseggwald
und die Weingartener Studentenkom-
pagnie, endlich das Schussenriedvr Bür-
germilitär.

Jetzt stellen die einzelnen Gemeinden
ihre geschlossenen Reitergruppen, deren
Reihenfolge in der Prozession jedes Jahr
bestimmt wird, so daß im Lause der
Jahre jede Gemeinde in die nächste Nähe
des Blutreiters kommt.

Die Reliquie des heiligen
Blutes, der alles dieses Festgepränge
und Fvstgedränge gilt, wird ihrem Ur-
sprung nach zurückgeführt aus St. Lon-
ginus, der einst mit der Lanze die Seite
des Herrn öffnete, der im gleichen

Augenblick wie der Hauptmann untetnl
Kreuze gläubig wurde, der das aus der
Seitenwunde ans die Erde ströntnde
Blut sammelte und fortan bei sich ge- f
tragen hat. Nach seinem Abschied vom
Militärdienst sei er nach Mantua ge-
kommen und habe dort das Evangelium
gepredigt. In Voraussicht seines Mar-
tertodes habe er dort die Reliquie ver-
graben. Erst 804 wurde dieselbe wie-
der aufgefunden. Auf dem bleiernen
Gefäß, das damals aus ge graben wurde,
standen die Worte: sanguis Christi.
Durch eine Reihe von Wundern erwies
sich diese Aufschrift als wahr. Karl dbr
Große, der davon Kunde erhielt, er-
sucht Papst Leo III. um Prüfung der
Angelegenheit. Der Papst rüste selbst
nach Mantua, prüfte eingehend den
Fund und die Wunder und bestätigte
die Echtheit der Reliquie. Der Bericht
hierüber traf den Kaiser in Crecy bei
Reims, wo er Weihnachten feierte.

Infolge der Einfälle der nordischen
Volker wurde jedoch die Reliquie ein
zweites mal verborgen und kam erst
200 Jahre darauf, 1048 wieder zum Vor-
schein. Der blinde Adalbero hatte in
der Kirche des heiligen Andreas zu Man-
tua ein Gesicht, in dem der Apostel An-
dreas ihm den Ort der Bergung der
Reliquie, den Garten des Hospitals, an-
zeigte unter Verheißung der Wieder-
gewinnung des Augenlichts. Bischof
Martialis aus Mantua ließ nachgraben
ltnb fand ein hölzernes Kästchen, welches

Das Reliqniar von Weißenau.
loading ...