Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

Seite: 37
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bruch zur religiösen Erneuerung ge-
blasen."

Es sei hier ein Wort angesügt über
die Beuroner Kunstschule. Aehnlich,
dem Expessionismus sucht sie das Ge-
genteil des Impressionismus: sie ist
weit entfernt von Effektsucherei. Wenn
man dem Impressionismus den Abfall
des Menschen vom Geist zum Vorwurf
macht, so hat die Beuroner Kunst über
die ganze Zeit hinüber dem Grundsatz
treu bewahrt: „Der Geist ist es, der
lebendig macht." Kein Sinnenreiz,
nichts von süßlicher Verschwommenheit,
„Maßhaltung bei aller Kraft, stille Ruhe
lei aller Bewegung, Hoheit und himm-
lische Würde bei seelenvoller Anmut und
Zartheit." Alles an dieser Kunst will
beruhigen, besänftigen. Und bei aller
Einfachheit der Linie und Form eine
„Schönheit, die geheimnisvoll zur Seele
spricht." Wir sehen also doch schon
Jahrzehnte, was der Expressionismus
sucht? — Wieder den verklärten Men-
schen zu gestalten, die Erkenntnis wahrer
Religiosität zum Ausdruck zu bringen.
Der Expressionismus stellt dies nicht in
Abrede, betont sogar, daß die Beuroner
Kunstschule „das höchste Ziel religiö-
ser Malerei" zeige, aber nur in der
Theorie. Weil aber ihr Schaffen »aus
Doktrin" erwachse, nicht „aus der glut-
erfüllten Not der eigenen Zeit", darum
erglühen ihre Bilder nicht von innerer
Mystik, sondern wirken „leer und tot,
als schablonenhafte Konstruktionen." •—
Daß die Beuroner Kunst den Vorzug
der Popularität noch nicht erlangt hat
und auch nicht erlangen wird, darüber
hat schon mancher sich verwundert. Hat
Max Fischer vielleicht nicht unrecht mit
obiger Aussetzung? Warum sind die
Werke der Kölner Schule Volkskunst bis
aus den heutigen Tag? „Die Kunst
dem Volke", sagt man; die Beuroner
Kunst wird nie Eigentum des Volkes
werden.

Es soll nun nicht etwa der Schluß ge-
zogen werden, daß der Expressionismus
das, was die Beuroner Kunst nur „theo-
retisch" vermöge, auch schon praktisch er-
reicht habe. Das zu behaupten sind
wir weit entfernt. Aber wir müssen
konstatieren, daß ein ernsthaftes Suchen
aus dem Weg zur religiösen Malerei

eingesetzt hat. Wenn auch die künst-
lerische Entfaltung teilweise noch ganz
im Ungestalteten liegt, so wäre es doch
verfehlt, über Leute, die redlich strebend
sich bemühen, ohne weiteres, den Stab
zu brechen.

(Schluß folgt.)

Ein originelles Ariegergedächtnis.

Die Kunst des Luca und des Andrea
della Robbia reicht bn weitem nicht
hinan an die Größe ihrer Zunstgenosftn
Tonatello nrtb Michelangelo. Und doch

Kriegergedächtnistafel (ob. Detail) für die
Gemeinde Oberkanimlach. Ausführung: Majolika.

hat sie ihren eigenartigen Reiz, der über
die Jahrhunderte, herüber bis in die
Gegenwart hereinleuchtet, und wenn die
Zahl der Reproduktionen als Merkmal
hiefür gelten kann, so ist sie heute min-
destens so populär, wo nicht populärer,
als die der ersteren. Für ihre Zeit hatte
sie, soweit sie sich gebrannten Tons als
Materials bediente, den weiterm Vor-
zug, unvergleichlich billiger zu sein, als
der bei der hohen Kunst gebräuchliche
Marmor oder Erzguß, und da uns der
Zusammenbruch für absehhavö Zeit
nötigen wird, haushälterisch zu Wirt-
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