Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

Seite: 38
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schasten, so könnte 'er der Majolikakunst
wieder zu einer Geltung verhelfen ähn-
lich der in der Zeit der Renaissance.
Einen praktischen Versuch nach dieser
Richtung machte Herr Bildhauer Viktor
Funk (München, Gabelsbergerstr. 241).
Für die Heimatgemeinde seines Va-
ters, Oberkammlach in Bayern, hat er
eine dem Barockstil der dortigen Kirche
entsprechende Majolikatafel geliefert,
die die Namen der Helden des Dorfes
enthält, und als Krönung darüber das
Relief eines Auferstehungschristus, der
in kraftvoller Bewegung dem Grabe
entsteigt, die Rechte emporhebt und mit
der Linken die Siegesfahne hält. Die

ganze Figur ist gut disponiert, ruhig
und doch kraftvoll modelliert, das An-
gesicht ernst und würdevoll. Leider
kommen auf der nach dem Modell ge-
machten Photographie die Farben nicht
zur Geltung. Der Preis ist ein durch-
aus angemessener. Die Gemeinde hat
ihren Toten ein Denkmal gesetzt, das
der großen Idee würdig ist. Es wäre
sehr zu wünschen, daß ihr Vorgang
Nachahmung fände, umsomehr, als da
und dort Schund und Kitsch sich vor-
drängen/in jüngster Zeit in einem kon- j
treten Fall in einer Weife —- Gott fei
Dank ist es keine katholische Gemeinde
—, daß der gesunde Sinn des Volkes
sich chn den Denkmalpflegerat wandte
mit der Bitte, dagegen einzuschreiten.
— Der Künstler der Oberkammlacher
Tafel ist ein Sohn Tübingens, empfing z

seine Ausbildung im Atelier des un-
seren Lesern aus der Zeitschrift der
„Gesellschaft für christliche Kunst" be-
kannten Bildhauers Franz Hoser in
München, machte den Feldzug mit und
widmet fick/ seither wieder der Kunst.
Er kann für ähnliche Aufträge angele-
gentlich empfohlen werden.

I. R o h r.

Mathps Grpff,

Goldschmied in Ulm.

1511 verehrte die Abtissin Walburg
Buckin von Gutenzell dem Visitator des
Klosters, Abt Joß zu Salmansweiler
(Salem), einen mit einem Teckel ver-
sehenen Kredenzbecher „uff dryen ver-
gälten margeröpfeln (Granatäpfel) stend
und oben uff dem knopss ain kindlin
stend, zücht amen bogen uff zu schie-
ßen, hautt zway pfyl daruff und sind
dem kindlin die ougen verbunden und
hautt der Becher am silber 21 lott ain
quintlin, hautt das gotzhuß die 19 lott
und der goldschmid die 2 lott und das
quintlin geben und ain lott um 10 grouß
geraytt, treffen die zway lott und das
quintlin 1 guldin und 2 grouß und hautt
man im darvon zu machen geben 3 gul-
din, trifft 8 grouß, mer dan vom lott
2 grouß zu machen und hautt man im
2 guldin geben, es darmit zu vergilben:
item und gstautt das silbergschirr, wann
man es von nüwem koufft mießt haben,
16 guldin 2 grouß. Aktum uff
eonnarsio pauli (25. Jan.) alß der
puntztag (Bundestag) zu Ulm waß anno
tußent fünffhundert und ailff Jare . . .
und hautt das silbergschirr maister
mathys gryff zu Ulm gemacht und man
im am baren gelt hinußgeben 4 guldin
2 grouß."

(Nachtrag zum Gutenzeller Lager-
buch von 1502.)

Reinstetten. vr. Johne r.

)örg Sfrlm der Aeltere.

Von Wem älteren Jerg Syrlin, Bild-
hauer in Ulm, f 1491, erfahren wir aus
dem Gutenzeller Lagerbuch von 1502,
daß er beim Fischertor (jetzt: bei den
Fischern) in Ulm gewohnt hat. Es
heißt da:
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