Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

Seite: 42
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Das- Wert bildet den Band X von Hverse-
manns Handbüchern, die seit 1905 erscheinen.
Kn dieser Sammlung ist enthalten: Spiers,
Architektur von -Griechenland und Rom; Kies-
ling, Wesen'und Technik der Malerei; Kifa,
Das Was i!m Altertum; Neugebauer und
Orendi, Orientalische Teppichkunde; Bouviecs,
Oelmalevei; Ehrhavdt, Malerei; Döring,
Deutschlands mittelalterliche Kunstdenkmäler
als Geschichtsquelle; Fischer, 'Glasmalerei;
Singer, Kupserstichsammlungen. Der rührige
Verlag Hut mit dem neuen Werk seiner
-LaMmlung wieider eine ganz beideutende Ar-
beit eingelfügt. Während in den bisherigen
Werken die symbolischen und typologischen Be-
ziehungen nur bei einzelnen Bilderzhklen aus-
gedeckt sind, will der Verfasser diese Beziehun-
>gen systematisch verzeichnen. Das Buch will
dabei nur die 'gesicherten Erklärungen auf-
nehmen und sich nicht aus neue Deutungen
bisher ungelöster Rätsel versteigern So kom-
men im Werk die Bilderlreise der Dreieinig-
keit, der einzelnen göttlichen Personen, Ma-
riens, der Evangelisten, Apostel, Propheten,
Kirche und Synagoge, Dogmen, ethische Be-
griffe (Tugend und Laster), Zeit und Welt
zur Behandlung. Die Tafeln sirtd mit beson-
derer Sorgfalt ausgewählt. Tafel I zeigt
z. B. die Dveisaltigkeit mit geflügeltem Heil.
^Geiist (als menschliche Person). Das Abend-
mahl mit vier Vorbildern ist auf Tafel II
nach Dirk Bvuts igegeben. Tafel III gibt
symbolische Darstellungen der Auferstehung
rmid Himmelfahrt Christi, Tafel IV G'eburt
Christi mit marianischer Typologie Tafel V
die Evangelisten mit ihren 'Symbolen, Tafel
VI Kirche und Synagoge, Tafel VII Leibens-
bauim und Monat Januar, Tafel VIII Ho-
stienmühle, Tafel IX Luftfahrt Alexanders
d>es Großen (Zusammenhang mit der Super-
bia). Ein gutes Register eÄeichtert die Be-
nützung.

Das Buch ist nicht nur eine ganz willkom-
mene Ergänzung der noch immer sehr fort-
schrittsbedürftigen Ikonographie, sondern in
seinem Thema ein zuverlässiger Führer, den
wir in die Hand des Künstlers und des Geist-
licheg, des Theologen von Fach und des Kul-
turhistorikers wünschen. Das Werk scheint
uns eine verdienstliche Tat zu sein und ver-
dient als solche die Kenntnisnahme weitester
Kreise. Der Verlag hat dem Buche in Aus-
stattunig und Illustration ein sehr hübsches
Gewand mit auf den Weg gegeben.
Söflingen. Weser.

Grabkreuze. Deutsche Volks-
kunst. 100 Skizzen schmiebeiserne
Kreuze, zum Teil nach alten Vorbil-
dern, von Maler L. Steinle, Sig-
maringen. Kommissionsverlag Vikt.
Winkler, Stuttgart. In Mappe 60 M.
Mit einer Vorrede von Pf. Pfeffer,
Lautlingen (1916).

Der stattliche Skizzenband, 100 Einzelblät-
ter enthaltend, möchte der Wiederverwendung
der schmiedeisernen Grabkreuze ein nachhal-

tiges, beredtes Wort reden. Beredt sind diese
Zeugen älter und neuerer Schmiedeisekunst,
wenn wir sie zu uns reden lassen als Werke
eines kunstfreudigen Handwerks, die vielleicht
ein einfacher, ehrsamer Schmiedmeister auf
einem weltverlorenen Dörflein anferiigte.
Ihre Einfachheit spricht vom geraden, schlich-
ten Sinn der Dorfbewohner. Ihre Mannig-
faltigkeit preist den unerschöpflichen Erfin-
dungsfinn der Meister. Ihr Schmuck und
ihre Ausstattung in den Bildern, aus Eisen-
blech geschnitten und bemalt, in den Roset-
ten- und Lilienmustern, in den sinnig ange-
brachen Weihwasserkesselchen, redet von der
Glaübensinnigkeit der Verfertiger und Be-
steller. Die Kreuzigungsgruppen, die in
diese Kreuze hineinkomponiert finb, mahnen
die Lebenden, den Todgeweihten an das Heil
im Kreuze; der Auferstehungschristus, die
Höhe des Kreuzes überragend, jubelt von Un-
sterblichkeit; das gemalte Bild im Kästchen
am Kreuzungspunkt der Kreuzarme erinnert
an den Namensheiligen des Verstorbenen,
dessen Fürbitte er erhofft oder an den Patron
der Ortskirche, den er so oft angerufen und
verehrt hat. lJin einem solchen Kästchen sahen
und sehen wir fast alle Tage das Bild der
hl. Agnes, die ihren Eltern erscheint und sie
über ihren Hingang tröstet: „Trauert doch
nicht um mich, als um eine Tote; beglück-
wünschet mich vielmehr, daß ich jetzt in un-
endlicher Seligkeit mit dem vermählt bin, den
ich auf Erden von ganzem Herzen geliebt
habe." An diesen Kreuzen lassen sich sehr
diskret und passend die Embleme des Be-
rufes des Verstorbenen anbringen, z. B.
eines Handwerkers und Gewerbetreibenden,
das Buch des «Gelehrten, der Kelch des Prie-
sters, die Waffen des Soldaten. Da kann der
Kirchhof in ganz anderer, viel lebendigerer
Weise zu einem großen Familien- und Ge-
meindebuche werden, als mit den in unend-
licher Langweiligkeit sich wiederholenden lee-
ren Marmorkreuzen, aufdringlich glitzern-
den, geschliffenen Steinen, kalten, drückenden
Steinmassen mit den noch langweiligeren
stereotypen Sprüchen und Versen. Was ha:
so ein Friedhof Stimmungsvolles, der noch
die alten Grabkreuze zeigt oder neuen der-
artigen Schmuck aufweist! Wir haben ja
Meister, die diese Arbeiten 'gerade so gut
verstehen wie die Alten. Diese Sammlung
von Vorlagen bietet Beispiele in großer Ver-
schiedenheit. Es braucht keines sklavisch nach-
gemacht zu werden. Aber jedes kann eine
Anleitung für die Ausführung abgeben.
Darum ist diese Ednion sehr zu begrüßen
und sollte recht viel studiert werden, auch von
den Kunstschmieden, besonders aber von den
Geistlichen als vielfachen Beratern in sol-
chen Angelegenheiten. Nur den einen Wunsch
vermögen wir nichr zu unterdrücken, daß -auch
die einfachen und einfachsten Schmiedeisen-
kreuze, auch solche für Kindergräber, gesam-
melt und gezeichnet werden sollten. W.

Geschichte des Gmünder Gold-
schmie d e g e w >erbes von 'W a l-
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