Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

Seite: 47
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Hohn der Feinde. — Doch setzt im Jahre
1914 noch eine Wandlung ein im Kunst-
schaffen Merz'. Die Sammlung und h
Ruhe muß weichen einer nervenhaften
Bewegung der Linie; die dadurch ent-
standene Unruhe der Form wird durch
die Steigerung des Kolorits noch erhöht.
Der Künstler hat sich hier von franzö-
sischen Malern expressionistischer Rich-
tung beeinflussen lassen. Die Folge da-
von ist, daß die alte Monumentalität
seiner ersten großen religiösen Werke :

„Die Schauer und Wonnen der mysti-
schen Vereinigung" bestimmen sein
Schaffen heute noch. Nie hat Eberz in
seinen Bildern die heilige Geschichte ins
Anekdotische erniedrigt, wie Uhde. Wenn
er den Verrat des Judas darstellt, so ist
es nicht nur das historische Faktum, es
ist der Kampf zwischen Licht und Fin-
sternis, was besonders noch durch die
Farbe erreicht wird. — Ja selbst in
seinen Kriegsbildern gestaltet Eberz nicht
Empirisches, nicht Anekdotisches ochm

Herz-Jesu-Bild 1913.

Eberz,

„mittelalterlicher Prägung" stark gelitten
hat. Es hat ein Flimmern auf seinen
Bildern eingesetzt, ein Vibrieren, ein
Wirbel, dem die innere Einheit fehlt.
Wenn der Künstler auf diesem Weg nach
links nicht einhält, ist die Gefahr groß,
daß Szylla und Charybdis ihn verschlin-
gen. Bei der immer stärkeren Hin-
neigung zur Ekstase hat Eberz jedoch
noch nichts eingebüßt von seinem inner-
lichen Christentum. Nach wie vor nehmen
die Bilder aus der Leidensgeschichte des
Heilandes den breitesten Raum ein.
Auch heute noch ist Christus bei ihm
keine bloße historische Persönlichkeit,
sondern der ewige, lebendige Heiland,
der nicht gebunden ist an Raum und Zeit
wie auf den Bildern des Mittelalters.

Beschreibendes, sondern das Wesen des
Krieges schlechthin. „Die Leiden öes
Krieges wachsen zum kosmischen Schick-
sal." Auch hier nicht Aktuelles, sondern
Symbolisches. Die Kunst Eberz' strebt
nach Monumentalität. Weltenschicksale,
seelische Kämpfe und Entscheidungen will
er geben. Diese Tendenz setzt große
äußere Dimensionen voraus; nach Kir-
chenwänden sehnt sich die religiöse Kunst
von Eberz. In der Kirche ist auch der
Kontakt hergestellt mit der „lebendigen
religiösen Gemeinschaft". Nur „in Ver-
bindung mit dem frommen Bewußtsein
ihrer Zeit" vermag die religiöse Kunst
emporzusteigen über das Alltägliche. So
sehr zu wünschen ist, daß unsere Kirchen-
malerei durch einen Zustrom lebendiger
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