Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

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Verlag sehr gut ausgestattet. Die Abbildun-
gen, sorgfältig gewählt und gut ausgeführt,
leisten die nötigen Dienste in anerkennens-
werter Weise.

Söflingen. Weser.

Kompositronsge setze in der
K u n st d e s Mittelalter s. Stu-
dien von August S ch m a r s o w.
2. Ha,Wand: Gotischer Kirchenbau und
Außenarchitektur des romanischen und
gotischen Stils. Kurt Schröder, Bonn-
Leipzig 1920, 1*76 S. Preis ungeb.
20 M.

Das vorliegende Werk ist der dritte Band
der .Forschungen Zur Formgeschichte der Kunst
aller Zeiten und Völker, die Eugen Lüthgen
herausgibt. Im ersten Halbband, der von
der Grundlegung und romanischen Architek-
tur handelt — er ist der Redaktion leider
nicht zugegangen —, wird der romanische
Kirchenbau von der Zeit der Ottonen bis zur
Blüre der Hohenstaufen behandelt. Dabei
werden in Betrachtung der französischen Kir-
chen die Gegensätze >der Rhythmik des Jnnen-
raums hervorgehoben und der Dom zu Speier
besonders analysiert. Der Band schließt mit
der Wertung der Kölner Kirchen spätromani-
schen Srils. Der zweite Halbband ist zu-
nächst der Gotik gewidmet. Vom gotischen
Kirchenbau wird vor allem der Spitzbogen
hervorgehoben, in dessen gleichsam zwei em-
porgestreckten Armen der Verfasser den mi-
mischen Gehalt seiner Bildform sieht. Dann
folgt die Erklärung der Frühgotik in Frank-
reich. Diese führt zur Erkenntnis des
Srrophenbaus in der Jochwand (Kollegiat-
kirche zu Mantes, Kathedrale von Senlis,
Notre Dame zu Paris, Kathedralen von
Laon und Noyon, Kirchen in Provins und
Sens und Etampes) und der Rhythmik der
Chorabschlüsse. Nach denselben Gesichts-
punkten erfährt die französische Hochgotik
eindringende Erläuterung in den Kathedra-
len von Chartres, Reims, Amiens. Von
der deutschen Frühgotik werden analysiert:
S. Georg-Limburg, Liebfrau en-Trier, S.
Elisabeth-Marburg, von der Hochgotik das
Straßburger Münster und der Domchor zu
Köln, als Anhang noch der Westchor zu
Naumburg. Die Betrachtung des Außen-
baues geht aus vom Altarhaus und der Chor-
partie in Frankreich und Deutschland, schrei-
tet weiter zur Stirnseite und zum Westbau,
um dann die Wirkung der Gesamtkomposition
zu zeichnen und in einem Anhang abschlie-
ßend die Metamorphose des Fensters zu be-
sprechen. Die überaus geistreichen und ge-
winnreichen Studien des Verfassers fassen
die Ergebnisse in der Schlußbetrachtung zu-
sammen. Das Buch will in der Erfassung
der Raumgebilde und der Raumgestalt der
Bauwerke eine Anleitung zum Genuß der
Schöpfungen selber sein, will die Absichten
und Ideen der Künstler selbst, also die Künst-
lerseele zu uns sprechen lassen. Dies ist dem
Verfasser ausgezeichnet gelungen. Seine

Ausführungen bereiten tiefes künstlerisches
Verständnis und hohen ästhetischen Genuß,
der durch die beigegebenen Abbildungen, lei-
der nur wenige —■ die Mappe mir den B:l-
dern ist uns ebenfalls nicht zugegangen —
näher vermittelt wird.

Söflingen. Weser.

Das R a u m p r o b I e m in ö e r alt*
christlichen M alerei von
HansBerst 1. Mit 35 Abbildungen
auf 32 Tafeln. Schröder, Bonw-Leip-
m 1920, 119 S. Preis 20 M.

Das Buch bildet den vierten Band der
„Forschung zur Formgeschichte der Kunst
aller Zeiten und Völker" und ist vom Verfasser
seinem Lehrer Strzygowski gewidmet. Die
Aufgabe des Buches ist eine Untersuchung
der R a u m l ö s ungen in der altchrist-
lichen Malerei, und zwar nur aus dem Kunst-
werk selbst heraus soll die Frage erörtert
werden. Verfasser zieht in den Kreis seiner
Betrachtung die Malerei bis ca. 700 n. Chr.
In einem Querschnitt durch die vorhandenen
Denkmäler dieses Zeitabschnittes werden die
verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten des
Raumproblems behandelt. .Diese Denkmä-
ler sind z. B. das Orpheuspaviment in Je-
rusalem, Christus vor Pilatus aus dem Ko-
dex Rossanensis, Pharaos Traum und Josephs
Deutung aus der Wiener Genesis, das Welt-
gericht nach Kosmas Jndikopleustes, Mosai-
ken aus dem Grabmal der Galla Placidia,
aus S. Maria Maggiore, S. Apollinare
nuovo, San Vitale usw. Im dritten Kapitel
werden die „Ergebnisse" gezeichnet mir den
Unterscheidungen von Körperraum und Lust-
raum und ihrer besonderen Technik und der
„Fläche ohne Ende". Im nächsten Abschnitt
werden die Raumformen behandelt: Kubis-
mus und Illusionismus in der Antike. Da-
bei wird hauptsächlich auf die Dreibiertelwen-
dung aufmerksam gemacht bei den Figu-
renstellungen und sodann die Dekoration des
Orients beigezogen zu vergleichender Be-
trachtung. Die Ausdrucksform der dekora-
tiven Fläche wird auf den Orient, näherhin
Iran als Herkunftsort zurückgeführt. Ein
anderes Kapitel über „Raum und systemati-
sche Kunstbetrachtung" geht bis ins einzelste
dem Verhältnis des Raumes zum Material,
zum Gegenstand, zur Gestalt und Form in
ihrer Wirkung als Masse, in Schattengebuug
und Farbe, zum Inhalt der Darstellung nach,
um abzuschließen mit den Gedanken über
Kunstrollen, über Masse und Milieu, und
Persönlichkeit des Künstlers. Im letzten
Teil setzt sich der Verfasser mit Schriftstellern
und Werken auseinander, die sein Thema
berühren.

Die Untersuchungen des Verfassers sind
sehr tiefschürfend und eingehend. Die Er-
klärung der Bildwerke, die in guten Auf-
nahmen beigegeben sind, ist sehr belehrend
und führt den Leser überzeugend zumiStand-
punkt des Verfassers. Nur mit der Erklä-
rung von Pharaos Traum der Wiener Ge-
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