Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 37-39.1919/21

Seite: 54
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fassen und damit Wegweiser werden für die
zukünftige Forschung. Seine Arbeit ging

zunächst aus vom syrischen Gebiet, um weiter
vorzuschreiten über Armenien nach Iran und
den fernsten Osten für seine Betrachtung
heranzuziehen (Indien und China). Von

da will er sich dann hinwenden zur Erfor-
schung der nordischen (germanischen) Kunst.
Rein räumlich genommen ist das schon ein
gewaltig umfassendes Tätigkeitsfeld. Der

gelehrte Verfasser macht sich feine Arbeit
aber auch nicht leicht. Er will zeigen, wie
das ostarische Christentum mit feinem Kup-
pelbau und die Semiten Mesopotamiens mir
ihren Tonnengewölben Einfluß zu gewinnen
suchen auf den abendländischen Kirchenbau.
In einem Abschnitt der Schrift wird in inter-
essanter Weise der Nachweis versucht, daß
auch die christliche Kunst ursprünglich bildlos
gewesen sei. Aus dieser ursprünglichen Bild-
losigkeit erklären sich die späteren Bilder-
streitigkeiten. Der Nachweis der ursprüng-
lichen Bildlosigkeir wird zu erbringen ver-
sucht durch die Betrachtung der Ausstattung
der Gewölbebauten in Italien. Der Mosaik-
schmuck in den Kuppeln wie in S. Costanza,
im Baptisterium von Ravenna, in S. Gio-
vanni in sonte in Neapel zeigen die ofta-
rischen, im Mazdaismus einheimischen
Hvarench-Molive der Vögel zur Seite einer
Vase, ganzer Landschaften mit Lämmern
oder Hirschen zu Seiten eines Hirten und
zwischen Palmen. Dasselbe sindet sich bei
Tonnenbauren und im Apsisschmuck. Diese
bildlose Art erstchristlicher Kunst dauert bis
ins 4. Jahrhundert hinein. Auch die christ-
lichen Kirchenbauten Ostsyriens entbehren
vom 4.—7. Jahrhundert der menschlichen
Darstellung. Das armenische Christentum
knüpft ebenfalls an den bildlosen Mazdais-
mus an. Die Sinnbilder der Mazdareligion
sind landschaftlicher Art und die frühesten christ-
lichen Apsiden tragen ebensolchen Schmuck, z. B.
S. Aquilino in Mailand, das Konstantinische
Baptisterium in Rom; in Armenien die 916
erbaute Kreuzkirche von Achthamar mit Ver-
wendung von Jagddarstellungen und Wein-
laub. Die letztere, von Indien und Iran
ausgehend, sei flächenfüllende Ranke schlecht-
weg geworden, habe sich bei den Römern
durch Akanthisierung, im Islam durch Pal-
metlisierung, im Buddhismus durch Ilmbil-
dung in den Lotos verändert. —■ Ein weite-
rer Abschnitt zeigt das Durchdringen der
Darstellung im Hellenismus, Samilismus
und Mazdaismus mit einer sehr wichtigen
Betrachtung über den „Reiterheiligen"
(S. Georg). Im letzten Teil wird plan-
mäßige Wesens- und vergleichende Kunstfor-
schung gefordert zur Weiterführung und
Vertiefung der bisher üblichen Beschreibung
und Sichtung der Denkmäler und der Quel-
lenforschung. Die diesbezüglichen Ausfüh-
rungen des Verfassers entbehren nicht eines
gewissen erregten herben Tones, den wir
lieber vermissen möchten. Besonders wirkt
der Ausfall gegen Wilpert unangenehm. Im
allgemeinen sind aber die Anregungen, die
die Schrift bietet, so bedeutsam und in Tiefe

und Weite führend, daß die Kunstforschung
an den Ideen dieses Altmeisters nicht vor-
übergehen kann. Die Schrift weist Ziele und
Wege, welche die Kunstforschung auf Gene-
rationen hinaus beschäftigen werden und
müssen. Wenn sich der Verfasser an man-
chen Stellen gegen die Kunstforschung und
Kunstforscher beklagt, so mag es ihm doch
eine große Genugtuung sein zu erfahren
und zu wissen, daß seine Ideen und Wünsche
in den letzten Zeiten begeisterte Anhänger
gefunden haben.

Das Buch ist sorgfältig gedruckt. Aus-
gefallen ist uns nur S. 152/153 die verschie-
dene Schreibweise von Papst und Pabst
und der Druckfehler Domitillakakombe statt
Katakombe. Ausgezeichnet und überaus be-
lehrend wirken die 64 Bilder auf den
36 Tafeln, die am Schluß des Bandes sich
befinden. Wir können nicht umhin, das Buch
zu eingehendem Studium bestens zu emp-
fehlen.

Söflingen. Weser.

Kölner Kirchen von Br. H e r i-
5 e r t R e i n e r s. 2. Auf!. Mit 130
Abbildungen. Köln, Bachem 1921, 297
Seiten Preis brofch. 55 M.,> geo. 65 M.

Das Werk ist bestimmt für Laienkreise,
bietet aber auch dem Fachmann wertvolle
Dienste. Es führt den Leser durch die K:r-
chen des „heiligen Köln", und zeigt eines-
teils den -vielseitigen Kunstcharakter der ein-
zelnen Bauten, andernteils die reichen Schön-
heitsinhalte der Kirchen. Der Einzelbetrach-
tung ist eine Einleitung vorausgeschickt, die
in sehr dankenswerter Weise die Entwicklung
des gesamten Kölner Kirchenbaues darstellt
und in passender Weise auf den Ursprung
der einzelnen Bauweisen und auf die Ab-
hängigkeit anderer Bauten des Rheinlands
vom Kölner Kirchenbau hinweist. Diese Zu-
sammenstellung scheint mir an dem Buche
besonders wertvoll. Ein breiterer Raum,
als es sonst bei einem Kunstführer sich fin-
det, ist mit Recht der Architektur und Plastik
gewidmet, deren Wichtigkeit bei dem Thema
auf der Hand liegt. Und nun folgen wir
freudig dem Gange des kundigen Führers
durch die Kirchen: Der Dom wird zuerst vor-
geführt und dann folgen in alphabetischer
Ordnung die Kirchen S. Alban, S. Andreas
usw. bis zur lUrsulinenkirche. An sie schließen
sich noch S. Heribert in Deutz und die Vor-
ortskirchen in Mülheim, Kalk, Niehl und das
„Kriehler Dämchen" an. Geschichtliches und
Kunstgeschichtliches verweben sich zu einem
äußerst fessel nden und liebenswürdigen
Bilde in der Darstellung. Jede Kirche und
ihre hervorragenden Kunstschätze werden ein-
gehend besprochen und in sehr guten Bildern
vorgeführt, am ausführlichsten wie billig
der Dom S. 19—51. Das Abbildungsmate-
rial ist sehr reich und vorzüglich ausgewählt.
Dem ganzen Werk ist ein Plan von Köln an-
gefügt, der trotz seiner kleinen Dimensionen
sehr übersichtlich und deutlich ist. Der Ver-
lag hat dem Werke ausgezeichnetes Kunst-
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