Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 40.1925

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ummauerten Kirchhof mit Grabsteinen und Grabschriftcn. Doch muffen die Grabstätten auf
demselben gekauft werden (Preis 5 Gulden oder 3 Taler), denn der bürgerliche Friedhof ist
bei St. Remigius (Klause). Auf dein Kirchhof, angebaut an den Chor auf der Neckarseite,
ist die Ulrichskapelle, wo am St. Ulrichstag den ganzen Vormittag Messen gelesen werden.
Die Kapelle wird als Sakristei, der obere, schön gewölbte Stock als Bibliothek und Archiv
benutzt, und hat nicht einmal im Schwedenkrieg Schaden gelitten. — Auf dem Stiftskirch-
hof nach der Propstei zu steht ein hohes eichenes Kreuz mit Christus, flankiert von Maria
und Johannes, alle wohl mit Oelfarben gefasst?) Auf dem Platz davor zeigen die Stifts-
herren fedfährlich dem Volke am Palmsonntag das Bildnis Christi, auf einem Esel sitzend."
— In einer Ecke des Kirchhofs befindet sich ein Beinhaus.

Schon vorher (S. 48) hat der Chronist mitgeteilt: „In dem Chor der Stiftskirche
St. Maurizien zu Ehingen ist zur Epistclscite unter dem abgekürzten Fenster ein Gewölbe
in der Mauer, in unterschiedliche Gestalte und Felder abgcteilt für die vielfältigen Heiltumb
St. Maurizii und seiner Gesellschaft. Dies ist erstlich beschlossen mit 2 rot bemalten eisernen
Gittern, danach mit 2 hölzernen Flügeln; an dem vorderen Flügel ist innen abgemalt die
Mutter Gottes, ihrem lieben Sohn Christo unten in Kindesgestalt einen roten Apfel dar-
bietcnd. Oben in einem schwebenden Zettel ist folgende Schrift geschrieben: Wer mich bittet
in Würdigkeit, dem bin ich mit Hilfe bereit. Auf dem andern Flügel ist innen gemalt St.
Mauritius mit feinem Schild und Waffen, aussen aber auf diesem ist abgemalt ein Kamel-
licr, tragend 2 schöne Heiltmnbkästlc, welches der Fuhrmann mit einer aufgeregten Geißel
forttreibt und ein Herr, danebenstehend. Oben hält ein Engel einen Zettel mit folgender
Schrift: Geh nicht fürbaß! Auf dem ersten Flügel sind außen abgemalt zwei geistliche Herrn,
einer in dem Pluvial, der andere in einem Chorrock und Lur oder Chorkappe, die vom Ka-
mcltier getragenen Heiltumbkästle annehmend. Darob hält ein Engel wieder einen Zettel
mit dieser Umschrift: „Ehret das Heiltumb." Und unten an der Schwelle besagten Gewölbes
hin ist eine uralte, verzogene Schrift eingehauen, also lautend: Hic sunt sanctuaria Sancti
Mauritii in Ehingen. Wohl weniger ist diese Geschichte an dem äußeren Flügel des vor
etlichen Jahren gemachten heiligen Kreuzaltarö ebenmäßig (?) von männiglich zu sehen."

S. 190 f. berichtet er zum Jahre 1630 unter Hinweis auf die „Schrifft ober dem
heilig Kreuz Altar" und die Inschriften an den Fenstern den Abschluss der unter Propst
Schorr i. I. 1629 begonnenen Renovation der Stiftskirche — inzwischen war Mt. Fehl
Propst geworden - ebenso unter Hinweis auf die eingeschnittcnen Jahreszahlen, daß die
Chorherrcnstühle und das Singpult „auß gemacht worbten", und zwar die Chorstühle in
2 Reihen, die höher» für die Chorherr», die nieder» für die Kapläne. — S. 192 z. I.
1632: Das Gerede von einem Gewölbe unter dem großen Stein mit großem, eisernem
Ring vor unsrer lieben Frauen Altar vor dem Beichtstuhl erweist sich bei einer Unter-
suchung durch Stiftsmaurer und-Zimmermann als gegenstandslos. Am 19. März 1632
wird mit Meister Michel Hcbich „wegen des neugemachten Gestühls in dieser Stiftskirche
aceordicrt auf 60 fl., daneben 1 Malter Besen und Roggen. — S. 202 Gegen das Silbe:
aus dem Nachlass des i. I. 1635 verstorbenen und in der hl. Kreuzkapelle begrabenen Di-,
jur. Hans Jacob Ruff wird eine grosse silberne Monstranz cingehandelt. — S. 207 ff.,
i. I. 1646, stiftet Propst M. Fehl unter anderem für den Kirchhof ein Kreuz samt Christus-
körper, Maria und Johannes- — S. 213, A. 1650, erkauft das Stift „die schöne, annoch
vorhandene silberne Monstranz von den Franziskanern zu St. Luzen bei Hechingen zum
Preis von 200 fl. und mit gleichzeitiger Uebergabe der eignen, kupferversilberten, nachdem
letztere auSgcfotten und gesäubert war, weil der Franziskanerprovinzial für St. Luzen die
silberne zu kostbar fand- — S. 216: Den 18. Juli 1654 schlägt der Blitz in den St. Mo-
ritzturm. Die Rcparaturkoften werden auf 230 fl. geschätzt, zu denen der Rat 40 fl. bei-
trägt, einzelne zusammen 31 fl., ihre erzfürstl. Durchlaucht') 35 fl. Die Arbeit übernimmt
Meister Sebastian, ein Maurer von Rotweil" um 50 fl. Geld und ein -Suantum Kernen,
später — auf seine Bitte — kommen noch 5 Malter Besen dazu. Ebenso bessert er das zer-
schlagene Wunderfenster" bei der großen Haupttüre (Westseite) wieder aus um 12 fl. und
ein Malter Korn, während das Stift die Steine liefert und herbeischafft. — S. 221 ff-,

o) Gestiftet von Propst M. Fehl i. I. 1646; vgl. S. 208 s. u.

7) Der damalige Landvogt.
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