Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 40.1925

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„verehrt" 12 ReichStaler, für die Pfarrei Obernau 15, für Weiler ebenso, „ohn das,
was ein jeder privat spendieren mußte".

Den 19- Mai muß die gesamte Bürgerschaft auf öffentlichem Markt „dem Julie von
Württemberg" schwören (S. 195). Der Klerus lehnt cs ab, da darüber der bisherige Landes-
herr zu befinden habe. S. 196: Der Schwede rückt durch das Kinzigtal in der Richtung
nach Freibnrg ab. Aber alsbald erschienen wieder 2 württembergische Kommissäre und
verlangen von den Geistlichen 3C0 ReichStaler, „»»angesehen daß sie unsre Früchte zu Re-
mingSheim, Bondorf etc. mit Gewalt an sich gezogen". Das Stift hat monatlich 180 fl.
zu liefern. Den 27. Sept- wird den Geistlichen eröffnet, daß sie wegen Eidesverweigerung
„ihrer Dienste sollen los, sein". Dem Stift gewährt man die Milderung, daß der Propst
bleiben darf, aber nur unter dem Namen „Oberpfarrer", ebenso der Prediger, der hochbetagtc
Propst Müller, Kanonikus.Corninus (Ragg), der den Eid geleistet hatte und darum auch
die beste Pfründe erhalten soll. S. 197: Außerdem bleibt für Weiler, Ober- und Nieder-
nau je ein Geistlicher. Die anderen mögen sich wegen des Unterhalts an „Jhro fürftl. Gna-
den" wenden. Den 19- November werden die Rechnungsbücher und die Schlüssel zu den
Kornböden eingefordert. Den Stiftsherrn sichert man „ihre ehrlichen Nahrungsmittel zu",
es geschah aber nichts und sie mußten auch noch ihre Kontribution geben, als ob sie noch
ihres Einkommens „zu genießen hätten".

Den 12. Januar 1634 kommt eine neue Kontribution: 5 fl. von je 100 fl. Vermö-
genswert, und zwar für die ganze Bürgerschaft. S. 198: Der Gesamtbetrag macht
'28 000 fl. Erpressungen brutalster Art häufen sich. Die Antwort auf vielfaches Bitten
ist der Befehl des Herzogs aus Tübingen vom 15. Juni/4- August, „daß man keinem Geist-
lichen allhie zu Rottenburg und auf den Dorffchaftcn ichtwaS, waß daß selbige auch immer
Nahmen haben möchte, solle zukomen lassen", die freie Religionsübung bleibt, aber den Geist-
lichen sollen sie ihren Unterhalt „für sich selbst nach ihrem Belieben schöpfen und reichen".
Die Stiftsherrn aber besorgen den Gottesdienst voll Zuversicht weiter, „von Gott den
Lohn hoffend". S. 109: „Nach der Schlacht von Nördlingen ziehen die Soldaten ab und
bald auch die von den Württcmbergcrn eingesetzten StiftSschaffncr Linkh und Bleyfuß. Aber
auch die Kaiserlichen greifen die Fruchtbcstände des Stifts an und legen der Stadt Qnar-
tierlasten auf trotz salva quardia von Kgl. Majestät." Als neue Plage tritt die Pest auf,
und 1658 (S. 205) „gehet wider daß höchste Ellent an". Am Osterdienstag, den 4. April
muß die Stadt den Schweden von neuem die Tore öffnen. Der Propst wird ausgö-
plündert und verliert dabei Kleider, Bettzeug und Viktualien im Wert von mehr als
1000 fl. Trotzdem verlangt man von ihm noch 500 Dukaten und für ein montiertes Pferd
100 Taler. Schließlich begnügt man sich mit 100 Talern, legt ihm aber einen Soldaten
ins Quartier, dem er täglich einen Taler zu geben hat. Auf die Kunde vom Nahen der
Kaiserlichen (S. 204) plündern die Soldaten noch die ganze Nacht hindurch vor dem Ab-
zug, schleppen Pferde, Vieh, Silbergeschirr fort, führen auch den Stadthauptmann, die
beiden Bürgermeister und den Stadtschrciber fort und „ ranzonicren" sie mit 8000 Talern.
Was die Schweden übrig lassen, eignen sich am andern Tag die Kaiserlichen an. „O Krieg!
behucte unß der Ewig barmherzige Gott vor dergleichen Unfähle, weil der zeit abermahle
kein menschliche hilff mehr erscheint." — In der Not können Ober- und Niedernau nur noch
„alternis vicibus" pastoriert werden. — Im Jahre 1643 müssen die Klosterfrauen von
Sülchen mit denen zu St. Remigius in der Klause vereinigt werden, weil das Sülchen-
kloster zweimal zerstört wurde im Schwedenkrieg, „absonderlich von unfern feindseligen
Nachbarn, den Württembcrgcrn" (S. 205). — Den 19. August 1644 legt ein furchtbarer
Brand auf der linken Neckarseite „bev gehabtem churfürstlichem Bäuerischem Houbt Quar-
tier" 556 Gebäude nieder, und den ihre Habe bergenden Einwohnern reißen die Soldaten
„die blonder ab den Köpffcn" und plündern sie. Die St. Moritzpfarrei blieb vom Brande
verschont. Am Jahrestag dieses Unglücks wird zunächst ein fünfstündiges Gebet vor dem
Allerbeiligften gehalten, „wobei die Bürgerschaft sich hat rottenweise einfinden müssen".
Im Jahre 1648 aber wurde beschlossen, „morgens um halb 6 Uhr in beiden Pfarrkirchen
eine Betstunde zu halten mit einer gesungenen lauretanischen Litanei und einem gesungenen
Amt von unsrer lieben Frau, welches bisher continuiert wird, damit Gott uns ferner von
dergleichen Strafen gnädigst behüten und bewahren wolle (S. 211). Im gleichen Jahre
wird der Jesuitensuperior von 6 Turcnnischcn Trompetern von Tübingen nach Rottenburg

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