Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 40.1925

Seite: 13
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lich auf ein weiteres großes Bild, das hinter dem Altar an der Chorhauptwand angebracht
ist, ein sog. Erbärmde- oder Miserikordienbild: Jesus steht, aus dem Grab sich erhebend,
hinter ihm ragt das Kreuz empor, an dessen Balken sich einige Leidenswerkzeuge anlehnen.
Wir müssen annehmen, daß einst ein ziemlich niederer Altaraufbau in dem Chore stand,
hinter welchem dieses Erbärmdebild in der Höhe sichtbar blieb.

Am besten sind die Prophetenbilder erhalten mit ganz guter Charakteristik und vorzüg-
lichen Farbtönen. An der rechten (südlichen) Seitenwand des Chors wurde noch teilweise
die Figur eines Bischofs oufgedeckt, mit edlem, scharf geprägten Gesichte, der durch die Bei-
schrift als s. martinus bezeichnet ist. Vielleicht war derselbe der Patron des Kirchleins.
Außerdem ist noch eine reiche Dekoration an den Fenstern und in deren Laibungen gefunden
worden, die fetzt wieder ihre Auferstehung feiert. Alles läßt auf eine ziemlich bedeutende Be-
malung und einen gewandten Künstler aus der Ulmer Malerschule schließen.

In diesem so geschmückten Chor steht der Altar mit seiner gemauerten Mensa. Der
Aufbau besteht aus einer ausgezeichnet geschnitzten Barockumrahmung, die ein nicht beson-
ders gutes, aber in der Farbe immerhin wirksames Oelbild — ein Abendmahl — umschließt.
Der Bildraum ist von oben her durch eine Lampe erleuchtet, deren Licht auf den an einem
ovalen Tisch sitzenden Herrn fällt, um den sich in lebhafter Gruppierung die Jünger drän-
gen, je sechs auf jeder Seite, von denen sich je zwei halb nach vorn befinden. Links unten
steht eine Schüssel mit Kanne. Das nicht signierte Bild hat eine Unterschrift:

„Was dort im Geist wird vorgebildet,

Das hat der Heiland hier erfüllet."

Die erste Zeile dieser Schrift bezieht sich auf drei Medaillons, die in die Bildrahme
hineingeschlossen sind:

!. links: Abraham, auf seinem Opfergang mit Isaak, läßt seinen Knecht mit dem
Esel zurück.

Unterschrift: „Das Zeitliche muß zurückftehen,

Wenn wir zum Tisch des Herrn gehen."

2. rechts: Jonathan, von seinem Waffenträger begleitet, kostet von dem Honigseim
(Samuel I, 14,29).

Unterschrift: „Durch Jesu süßen Honigsaft

Kriegt unser Glaub erneute Kraft."

3. oben: Die Israeliten essen das Opferlamm vor dem Auszug aus Aegypten, eben-
falls mit einem Vers, der aber nicht ganz zu entziffern ist.

Die prächtige Altarbildrahme setzt sich zusammen aus gedrehten Säulen, die zu beiden
Seiten des Mittelbildes auf Postamenten mit Füllungen stehen. Ueber ihre Kapitäle legt
sich ein Aufsatz mit zwei kleinen farbigen Wappen, worauf das Gebälk mit der durchbroche-
nen Bekrönung ruht. Die seitlichen Rahmenteile weisen ebenfalls ein trefflich geschnitztes
durchbrochenes Pflanzen-, Blätter- und Blumenornament auf — im ganzen eine sehr wohl
befriedigende Arbeit. Der Altartritt ist auf den drei freien Seiten mit einem Gitter um-
geben, das aus etwas überschlankcn gedrehten Holzbalustern besteht.

Als ein besonders merkwürdiges Gebilde steht unter dem Chorbogen in der Mitte vor
dem Altar der Taufstein da. Der Schaft und Kessel aus Stein in barocker Form trägt am
oberen Rande die eingehauene Inschrift: „Hier werden die gebohrne Sünder

neu auSerkohrne Gottes Kinder."

Darauf liegt ein hölzerner Deckel mit Aufsatz auf der sechsseitigen Platte. In ihrer Mitte
erhebt sich ein gedrehter Schaft, der in einen Blumenkelch mit Granatapfel oder Traube
ausläuft. Um den Schaft legen sich sechs in Voluten zu ihm emporsteigende reiche Blatt-
ornamente. Zwischen diesen Voluten stehen auf der Platte sechs kleine Aufsätzlein mit orna-
mentierter Umrahmung, die je ein Bildchen umschließen.

Die sechs Bildchen, auf Holz gemalt, sind eine Art Illustration in Sinnbildern
zum Leben eines Pfarrers Konrad Motz in Lehr. Sie sind interessant genug, um ein
wenig betrachtet zu werden:

I. Eine Landschaft, über welche sich ein Regenbogen spannt.

Inschrift: Durch Gottes Gunst — aus Dampf und Dunst.

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