Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 40.1925

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(dieses neueren Datums), des Täufers und der Apostel. Die Apostelbilder (restau-
riert), etwas rauh und robust in der Zeichnung, stammen laut Inschrift auf dem Paulusbild
aus dem Jahre 1758. Bei jedem Bild haben sich auch die Stifter mit ihren Namen ver-
ewigt: St. Paulus — Georg Erhard, Weber; St. Johann Bapt. — Johann Wieland,
Bauer; St. Jakobus Minor — Jakob Liebenhertz, Weber; St. Petrus — Peter Wie-
land, Bauer; St. Andreas — Johann Ulrich Schlumberger, Schmied; St. Jakobus
Maior — Balthas Straub, „Kräffl." Untertan, Bauer und Heiligenpfleger; St. Tho-
mas — Leonhard Baur, Bauer und Gcmeindepflcger; St. Matthäus - Melchior Hä-
berlc, Bauer; St. Simon — Simon Baur, Bauer; St. Judas Thaddäus — Georg
Walter, Bauer und Heiligenpfleger; St. Mathias — Jakob Wieland, Wirt. Jntereffant
ist in dieser Zusammenstellung vor allem die Reihenfolge, die den Petrus weit zurückdrängt;
dann die Auslastung von Philippus und Bartholomäus, die sich durch den Mangel an ver-
fügbaren Feldern etwas erklären läßt; ferner wie die Einzelnen ihren Namensheiligen
für ihre Stiftung heraussuchen, und Gemeinde- und Hciligenpfleger sich gemeinsam an dem
Werk beteiligen. Es wäre nicht unmöglich, daß diese Bilder von der Hand des Josef
Wanncnmacher aus Tomerdingen (1720 — 80) stammen würden, der auch in der evangeli-
sche» Kirche zu Scharcnstcttcn Apostelbildcr in die Emporenfelder gemalt hat, hier aller-
dings auf Leinwand.

Außerdem hängen noch neben dem konventionellen Lutherbild an der Nordwand der
Kirche zwei schlechte Gemälde. Das eine ist eine Holztafel mit Kreuzigung Christi, gefertigt
nach der Beischrift im August am Kirchweihtage 1692, gestiftet von Jcrg Wieland, Bauer
zu Lehr und Matthias Martin Dittelmann, Pfarrer. Das andere stellt den Gekreuzigten
dar und trägt die Unterschrift: M. Matthäus Mürdcl, Pfarrer 1758. Dieser wäre wohl
derjenige, der 1758 den Schmuck der Emporefelder veranlaßt hat.

Zum Schluffe sei noch der Turm betrachtet. Gerade in der Mitte der Südseite des
Schiffes führt ein Törchen in den Turm. Die Holztüre hat noch einfaches, schönes, altes
Beschläg. Die Türöffnung, nach außen rund geschloffen, hat nach innen noch den gotischen
Spitzbogen. Das Untergeschoß des Turins ist nicht eingewölbt. Die Turmanlage ist fast
genau quadratisch, 590 auf 580 Zentimeter im Lichten. In einer Wandung des Unter-
geschosses ist noch eine spätgotische Nische mit Eselsrücken. Schießschartenöffnungen lassen
nur spärliches Licht eindringen. Die Mauern sind maffig und stark. In der Kirchdachhöhe
springt der Turm mit eigentümlicher Abschrägung ins Achteck des schlanken, kreuzgekrönten
Tnrmhclms über. In diesem sind zwei Glocken geborgen. Die ältere große Glocke trägt ein
Relief: Maria mit Kind, und die Evangelistennamen mit der Jahrzahl 1510. Die kleine
Glocke, 1684 von Joh. Gordian Schelehrhorn zu Regensburg gegoffen, mit der Inschrift,
ad honorem sanctae crucis, sanctae Annae et sanctae MN (matriö noftrae) Theresiae
ist Kriegsopfer geworden und durch eine neue ersetzt.

Das Datum der alten Glocke 1510 und die Datierung der Chorgemälde 1510 — 20
lasten auf den ersten Bau oder vielleicht schon Umbau aus einer kleineren Kapelle im Anfang
des 16. Jahrhunderts schließen- In der 2. Hälfte des 17- Jahrhunderts, wohl 1660 — 70,
erfolgte eine Restauration des Inneren: Wölbung des Schiffs, Rundschluß der Fenster und
des Chorbogens, Uebertünchung der Chormalereien (letzteres vielleicht auch schon früher).
Eine weitere Restauration vollzog sich 1758 im Jnncnraum deö Schiffs (Emporebilder).
Die letzte umfangreiche Erneuerung brachten die Jahre 1915/14 mit der Wiederentdeckung
der Chorfresken. Doch lasten sich nicht alle architektonischen Rätsel einwandfrei lösen, die
der nach innen und außen gleich intereffante Bau uns aufgibt.

Wengenkirche und Wengenklofler in Ulm.

Von Stadtpfarrer Weser, Söflingen.

Die Wengenkirche ist nicht ausgezeichnet durch Größe, sie ragt im Ulmer Stadtbild
nirgends hervor; ihr putziger Turm verschwindet fast schon im Konglomerat des Kirchen-
und KlostcrgebäudcS; ihre Lage ist so bescheiden, daß sic sich mit ihrer Fassade nicht aus der
Häuserzeile der Straße oder Gaffe hervorwagt. Und doch reizt es uns, diesem bescheidenen
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