Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 40.1925

Seite: 24
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Der Tod an den Herzog:

Habet ir mit frowen hoch gesprungen,

Stoltzer Herzoge, oder wol gesungen
Daz mücsct ir an dem reien büßen
Wol her, lat iuch diu toten grüezen.

Die Grafenstrophe:

Ich was in der welt genant
Ein cdeler grave dem riche erkant
Nu bin ich von dem tode gefeit
llnd hie an s'ncn tanz erwelt.

Die Bedeutung des Wengen-TotentanzeS liegt wegen der schlechten Erhaltung der
Bilder meiner Meinung nach weniger auf kunsthistorischem als vielmehr auf literargeschicht-
lichem Gebiete. Ist doch der Tert desselben der bis jetzt einzige, der sich ganz an die 24
Bilder und die Strophen des Urtextes anschließt. Schon der Klein-Baseler Tert hat als
14. Nummer das Einschiebsel des „Fürsprech", das in dem erhaltenen Wengentext nicht
vorkommt, und in den späteren Strophen hat Klein-Basel noch ganz bedeutende Zusätze
und Abänderungen. Das gleiche trifft beim Groß-Baseler Text zu. Das ist ein Beweis
dafür, daß sich der Wengentext auf einen früheren Urtext stützt. Es ist schade, daß bei der
großen Verderbtheit der Bilder auch für die Aufdeckung dcö ganzen Tertes keine Aus-
sicht besteht.

Zur Literatur der Totentänze: Maßmann H. F., Die Baseler Totentänze, Stuttgart
1847 (5. Teil von „Der Schatzgräber" von I. Schciblc). - Dürrwächter A., Der Füssc-
ner Totentanz und sein Fortleben, Sep.-Abdruck a. d. Jahrbuch des Hist. Vereins für
Schwaben und Neuburg 1899. — Künstle K., Die Legende von den 5 Lebenden und den
3 Toten, Freiburg 1908. - 0. Döring, Totentänze, in „Der Aar" I S. 172 ff. 1910.
— Poinsignon, Der Totentanz in Freiburg im Breisgau (von 1757), Freiburg 1891.

Die kirchenermeiterung in jlleusta bei lkiotlmeil.

Von Professor Dr. Rohr, Tübingen.

Die im Jahre 1815 nach Plänen von Keffer-Balingen erbaute Kirche in Neufra
genügte schon längst den Bedürfnisi cn der Gemeinde nicht mehr, stand auch äußerlich (kein
Turm, nur ein Dachreiter) unvorteilhaft hinter den Nachbarkirchen zurück. So begann man
denn im Jahre 1899 mit der Sammelarbeit für einen Baufonds. Eine hochherzige Stiftung
von weiblicher Seite schuf sofort einen soliden Grundstock- Im Jahre 1915 fertigte Herr
Straßenmeister Albrecht einen Erweiterungsplan, dessen Kosten auf 16 000 M. veran-
schlagt wurden. Die Gemeinde zog einen eigentlichen Neubau vor, wurde jedoch durch den
Weltkrieg an der Ausführung verhindert. So griff man denn auf den Erweiterungsplan
zurück. Eine Kollekte im Bezirk Rottweil beschaffte die erste» Mittel. Der Verkauf von
100 Festmetern Tannenholz aus dem Stiftungswald (und zwar in mehreren zeitlich ge-
trennten Etappen zum Schutz gegen Geldentwertung) war eine weitere Förderung der
Sache. Milde Beiträge aus der Pfarrei wie aus Amerika halfen noch. Die politische Ge-
meinde stellte solides Werksteinmaterial (von einer früheren Eisenbahnbrücke) unentgeltlich
zur Verfügung. Ein edler Wetteifer in Uebernahme von Fuhren, Fronen, Grab-, Hand-
langerarbeiten, Materialbeschaffung, Installation setzte ei». Namentlich übernahmen ein-
zelne Vereine ganze Gruppen von Leistungen, und so schritt das ganze Unternehmen trotz
gelegentlicher Störungen — namentlich nach Abschluß des Rohbaus — glücklich voran und
kam in denkbar ungünstigster Zeit wenigstens insofern zu einem erfreulichen Abschluß, als
die Kirchennot für absehbare Zeit gehoben werden konnte. — Bei der Beratungen wurden
gelegentlich auch die Vorstände des DiözesankunstvereinS herangezogen. Dir ersten Ent-
würfe gehen auf Herrn Architekt Koch-Stuttgart zurück. Zunächst wurden zwei Möglich-
keiten erwogen: einfache Verlängerung nach Westen um 6 Meter, an der Westwand ohne
Firstgiebel, sondern nur ein abgeschrägtes Dach, oder aber Erbreiterung nach Norden bis
zur Gewinnung eines quadratischen Raums mit der Länge der altenKirche als Basis, Ersatz

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