Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 40.1925

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der früheren Nordwand durch zwei Eisenbetonpfeiler, Abschluß des neuen Teils durch drei
rechtwinklig an die Nordseite des Hauptdaches sich anschließende niedrige Satteldächer, Be-
seitigung des Südostseitenaltars und Verlegung der Kanzel an seine Stelle, Erhebung des
Nordostseilenaltars zum Hauptaltar. Da man jedoch vom zweiten Plan eine Störung der
Uebersichtlichkeit fürchtete und bei der Ausführung des erstercn die Längsachse noch nicht
allzu aufdringlich hervortrat, so entschloß man sich für Verlängerung, und zwar um sieben
Meter. Die Werkpläne lieferte das Büro Ierger-Diebold in Rottweil und ebenso die Aus-
führung. Zu dem Erweiterungsplan gehörte auch eine Chorverlängerung um 5 Meter und
eine Turmanlage zu 28 Meter. Die Inflation nötigte jedoch, die beiden Projekte vorerst
zurückzustellen und sich mit der Verlängerung zu begnügen, zugleich jedoch eine gründliche Er-
neuerung des alten Teiles der Kirche, und zwar innen wie außen vorzunehmen. Auch die
prächtigen Entwürfe von Koch-Stuttgart für Stuckierung der Decke konnten nicht auSge-
führt werden. Das so reduzierte Unternehmen umfaßte also noch: Verlängerung nach We-
sten, durchgehende Erneuerung des Innern und Aeußern, neue Bänke, Bretterverkleidung
der Seitenwände inkl. Marmorierung, Neufassung der Altäre (Abele-Rottweil), teilweise
neue Fenster (Pfister und Wilhelm ebenda), Ausstattung mit elektrischem Licht, Erstellung
einer neuen Orgel (Neiser-Biberach). Bei der Verlängerung konnte die bisherige Mauer-
dicke (80 Zentimeter) auf 65 reduziert werden. — Der Gesamteindruck ist ein befriedi-
gender. Ausstellungen (namentlich betr. Fassung der Altäre) haben zurückzutreten gegenüber
der crfrculicken Tatsache, daß die Gemeinde Neufra in der Zeit höchster Not ein derartiges
Unternehmen gewagt und trotz wahnsinniger Preissteigerungen durchgeführt hat. Sie hat
neben dem Chor ihren Kriegsgefallenen ein schlichtes, aber gediegendes Denkmal erstellt.
Die Kirche selber ist und bleibt ein Denkmal für die Gemeinde als solche. Ein solches Werk
in trübster Zeit ohne Schulden durchzuführen, ist eine Tat, die für sich selbst redet und — so
Gott will — fortzeugend wirkt. Wo so viel Organisationsgeschick, Anpassungsvermögen,
Opfersinn und Arbeitsfreudigkeit sich zusammenfinden, da darf man hoffen, daß auch die
Restarbeit aufgebracht wird, die noch aussteht: Chorerweiterung und Turmanlage.

Die reflaunerfe Pfarrkirche in Eggartskirchi OB. öianensbnrg.

Von Pfarrer Dr. Hafner-Berg.

Während des Krieges war in Kirchenrestaurationen ein begreiflicher Stillstand ein-
getretcn — auch fiir die ausübenden Künstler eine schlimme Zeit. Die Nachkriegsjahrc
brachten und bringen besonders auf das Land großen Wohlstand. Und so geht es nun
wieder an das Restaurieren. So wurde auch im Jahre 1920 die kleine Pfarrkirche des
Dörfleins Eggartskirch restauriert. Acußcrlich schmucklos gelassen (nur das Dach wurde
gründlich repariert), ward ihr durch Kunstmaler Gottfried Schiller von Ravensburg aller
Schmuck von innen. Mit unermüdlichem Eifer sammelte der H. H. Pfarrer Kohnle seit
Jahren Gelder und brachte über 32 000 Mark zusammen. Er gab auch die Idee der
Neubemalung. Außerdem wurde von zwei Familien in Erbenweiler beigesteuert Bauhölzer
und Bretter im Betrage von 2500 Mark. Nach dem Grundsatz: das Alte und Volkstüm-
liche erhalten, beziehungsweise wiederherstellen, ohne das passende Neue hinauszuwerfen,
also Restauration und keine Revolution, wurde auch hier gehandelt. Das Schiff der
Kirche stammt aus dem Jahre 1745 und ward früher mehrmals übertüncht und bemalt,
der Chor ist aus gotischer Zeit. Das Innere der Kirche war nun sehr schadhaft geworden.
Nun aber bietet das neurestaurierte Kirchlein einen lieblichen Anblick im Innern. Schon
beim Eintritt ist man angenehm überrascht von dem warmen, grünlich grauen Farbenton.
Die Fenster, geliefert von Saile-Stuttgart, sind mit einfachen Linien in Barock einge-
rahmt, die Heiligenfiguren, Bänke und Altäre sind in Eichcnfarben lasiert gefaßt, die ver-
größerte Orgelempore ist weiß gehalten. Sofort haftet das Auge auf dem großen Decken-
gemälde im Schiff, das nach den Ideen des Pfarrherrn von Schiller gemalt wurde:
Christus der Sämann, mit dem Hut auf dem Kopf, den milden Blick im Antlitz, schreitet
kräftig aus zur Arbeit. Vielerlei Ackerland nach dem Gleichnis ist vor ihm: ei» braunes
Schollenland, ein festgetretener Boden mit gefräßigen Vögeln, ein Dornenplat; und ein

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