Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 40.1925

Seite: 26
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üppig wogendes Achrenfcld mit Blumen. Dazu als Seitenstück der nachbarliche Wald
und das hübsche Dorf mit der Kirche, im Hintergrund der Bodcnsce mit dem Säntismaffiv,
alles naturgetreu in wirklich origineller und trefflicher Weife auf Fresko in hellen, frischen
Kalkfarbcn gemalt. Für die Gemeinde ist eS eine stille Predigt über das Schicksal des
Gotteswortes im Menschenherzen. Das über 5 Meter lange und 3 Meter breite Bild
ist umrahmt von einer Barockgirlande, die von je zwei lieblichen Engeln in weißgraulicher
Manier gehalten wird. Am Chorbogen prangt das einladende Bild des Erlösers mit
seinem bl. Herzen und seinen ausgespannten Armen. So ist daö Schiff entsprechend der
architektonischen Gliederung in einfachem, edlem Barock wieder hcrgestellt. Im einst frü-
gotischcn Chor wurde außerdcr Bemalung nichts geändert. Letztere erstreckte sich nur auf
die Decke des Chores. In mühsamer Arbeit stellte hier der Künstler die Verehrung des
Allerheiligsten in der Monstranz dar, umgeben von zwei knienden und vier schwebenden
singenden Engeln (letztere nur in Kopfgestalt), in wirklich reizender Auffassung. Umgeben
ist dieses Chorbild in sinniger Weise von den zur Kirche und Gegend in Beziehung stehenden
Heiligen Konrad, Wendelin, Notburga und guten Beta von Reute in graubraun als
Medaillonsbilder. Das Gemälde an der Chorabschlußseite, St. Isidor, wurde im alten
Zustand belassen. Diese gründliche Kirchenerneuerung ist so nach Inhalt und Sinn treff-
lich gelungen, ein kleines Schulbeispiel für Renovationen, und ehrt Pfarrherrn und Ge-
meinde und besonders den Künstler, der zu seinem weitbekannten Ruhm als Dekorations-
künstler noch ein treffliches Zeugnis seines Könnens als Gemäldemaler abgelegt hat. Die
Kosten der Restauration betragen etwa 24 000 Mark, alles freiwillige Gaben aus der nur
130 Personen zählenden Gemeinde und Nachbarschaft! Mögen die neugeplanten Stations-
bilder einen weiteren passenden Schmuck deS Kirchleins bilden!

öjeggbscher Silbergeschirr sm Slusgsng des Mittelalters.

Von Pfr- Dr. Iohner, Bavendorf.

Die Aebtiffin des Zisterzienserinncnklosters Heggbach, Agnes Sanier von Pfullen-
dorf, die von 1480 bis 1509 regierte, besaß eine sichtliche Vorliebe für Edclmetallgerätc,
aber auch einen ausgeprägten Sinn für Ordnung im Haushalt und gute Buchführung.
Zeuge dafür sind die Heggbacher Lagerbücher Nr. 784 und 1154, in denen sie u. a. auch
das Silbergeschirr aufführen läßt, das sie bei ihrer Amtsübernahme angetroffen und das sie
während ihrer Regierung beträchtlich vermehrt hat. Sie verfehlte nicht, von Zeit zu Zeit,
so 1480, 1498, 1499, 1500, 1502 und 1505 den Silberbestand des Klosters anfnehmen
zu lassen. Ueber die erste Inventur berichtet sie: „Ich fchwester Angnes, äpptissin, bin im
(14)80. jar zu dem ampt kumen und Han funden von silbergeschier 19 silberi becher, klain
und groß, und 8 schala, klain und groß, und 8 ring, 19 beschlagene löffel." Dann fährt sie
fort: „Das hernach gefchribene ist herin kumen und mir, do ich äpptissin ward, gefchänkt
und (von) ettliche(n) kind mit in(en)bracht (worden) und ist geschächen im 80- jar biß uff
das 98. jar." Wie sic selbst bekennt, waren es teils Gaben, welche die Klosterkandidatinnen
bei ihrem Eintritt in Heggbach mitbrachten, teils Geschenke ihrer Angehörigen, die den Sil-
berschat; des Konvents bereicherten; es waren aber auch Erwerbungen und Neuanschaffun-
gen, die auf die Initiative der Aebtissin selbst zurückzuführen sind. Dabei liest man auch von
Werkstätten, in denen das Silbergeschirr angefertigt wurde, kann aber ei» Bedauern dar-
über nicht unterdrücken, daß nicht auch die Namen der Meister, aus deren Hand es hervor-
ging, genannt sind. Als solche Werkstätten werden Memmingen und Ulm erwähnt. Augs-
burg fehlt auffallenderweise. Daß Gefäße verloren gehen, zerbrechen und durchlöchert wer-
den, kommt in jeder Haushaltung vor, in einer großen mehr noch als in einer kleinen. Wir
wundern uns daher auch nicht, daß uns auch hierüber Berichte vorliegen. Aber die praktisch
veranlagte Frau warf das Unbrauchbargewordene nicht fort, noch ließ sie es nutzlos liegen,
sondern gab es mit minder wichtigen Gegenständen zum Einschmelzen und verschaffte sich da-
durch neues und besseres Silberzeug. Wie gewissenhaft die Aebtiffin von ihrer Amtsführung
Rechenschaft gibt, sehen wir an ihren Bemerkungen über die Zahl und Art der zum Ein-
schmelzen abgegebenen Gegenstände, über das Gewicht des neuen Silbergeschirrs und die

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