Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 40.1925

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Herstellungskosten desselben. Selbst das Trinkgeld und die Taxe für die Weihe der Kelche
wird nicht vergessen. Auch über Zierate und Vergoldung erfahren wir einiges. Von den
Kelchen erregen die nichtkonsckricrten unsere besondere Aufmerksamkeit. Sic beweisen, dass
es damals in Heggbach Sitte war, nach der sakramentalen Kommunion in der Brotgestalt
auch noch sich Wein zum Trinken reichen zu lassen. Ob das regelmäßig bei jeder Kommunion
geschah oder nur etwa bei der Osterkommunion, darüber schweigen sich die Lagerbücher aus.
Aus der Zahl der mit den Namen der Klosterfrauen versehenen Becher einen Schluß auf
die Zahl der damals in Heggbach lebenden Schwestern zu ziehen, geht nicht an, da auch alte
Becher im Gebrauch waren und Becher auch für Gäste vorhanden sein mußten. Den Schluß
der Aufzählung des Silbergeschirrs macht ein kleines Verzeichnis von Preziosen und Devo-
tionalien. das zwar streng genommen nicht hieher gehört, aber immerhin ein verwandtes Ge-
biet berührt. Lassen wir nun die Aebtissin selbst zum Wort kommen! Sie schreibt oder läßt
schreiben:

(I486). „Im 86. jar Han ich zwen kclch zu Ulm lassen machen, daruß die frowcn
trinkent nach dem sacrament. Darzu Han ich geben 3 silbcri becher und 2 schala-

(1490). Im 9O. jar Han ich zu Ulm lassen machen dry nuw kclch. Daran hat uns
Doctor Ulrich von Elenbog (Vater der nachmaligen Aebtissin Barbara und des Huma-
nisten Nikolaus Ellenbog, Arzt in Biberach) geben 5 mark silber und wir Hand daran
geben zwen alt zerbrochen kelch.

(1492). Im 92. jar Han ich zu Mämmingen lassen machen I I nüw (neue) becher,
daran staud der frowe» name und ain yetlicher becher hat 11 lot. Und ain nuwen kclch
ließ ich ouch machen; daran Han ich geben ain zerbrochnen kclch und 7 guldiner ring(li) und
10 silberne becher, groß und klain, und 11 schala, groß und klain, und ain beschlagene
klainS köpfle (Trinkgcfäß) und 15 fl. zu macherlon und zu verguldent.

(1495). Im 93. jar Han ich zu Mämmingen lassen machen 2 verdekt (mit Deckel ver-
sehene) becher; daran stat ouch der frowcn namen und ich Han daran geben 3 becher(li), me
(mehr, weiter) ain becher mit ainem füßlin, der kostet 17 Pfund Heller, me 2 guldinn
fingcrring(lcn) und klain bruchsilber. Und die 2 verdektc becher die wägent 4 mark und
4 lot und von den 2 bechern han ich zu macherlon und zu verguldent geben 22 K> fl.
10 Schilling.

(1498). Im 98. jar gab Doctor Münsinger (Vater der Conventfrau Agnes) von
siner tochter wegen ain silberin köpf; den schätzt man für 90 fl.

(1498). Im 98- jar hat man 8 kelch, danlit man meß hat, und 2 kclch, daruß die
frowcn trinkent."

Während nach diesen Bemerkungen und den folgenden die Zahl der Schalen ab-
nimmt, steigt die Zahl der Becher auf 33, die der beschlagenen Löffel auf 31. Von
letzteren sind aber 1499 im Gasthaus (Wohnung für die Besuche, nicht WirtöbauS) 3 ver-
loren und 3 zerbrochen.

(1499). „Im 99. uff Agathe Han ich lassen machen 4 silbcri becher, daran staud
der frowen namen und wegent 45 lot 1 quintli. Daran Han ich geben 2 becher, die rinnent,
und 3 klainc becherlin und klaine schala.

(1499). Im 99. jar vorhanden von becher: 32, von silberni schäli 3.

(1500). Im 1500. jar hat man mir Agnes, äpptissin, zu Mämmingen gcmachct

2 nuw kelch; daran Han ich geben 2 zerbrochene kelch; die Hand gewogen 3 mark minder

3 lot. Darzu hat der Goldschmid geben ein mark und 2 lot und das mark für 7 fl. Ich
Han für die arbcit dem goldschmid geben 8 fl. 3/4 groß (Groschen) und zu verguldent 7A
doggaten; das trifft 11 fl. und 6 Schilling davon ze wychent und 8 Schilling 9 Heller
ze trinkgelt. Der Goldschmid hat mir wider lassen werden 2A fl. von deswegen, das die
alt kelch vergült warend; das mark ist um 8 fl- angeschlagen.

(1502). Im 1502. jar ha» ich schwester Agnes, äpptissin, koufft von minem Vetter
Jacoben Sutern 4 silber becher; die 2 sind verdekt. Die 4 becher kostend 40 fl. Ich han
sant Bernhart(ö) schilt darin lassen machen und des gotz (Kuß) von Hegpach (namen) daran
gefchriben.

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