Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 40.1925

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Im 1502. jav da ist das nachgeschriben silbergeschier vorhanden gewesen: 38 silberi
bccher, groß und klain, ain silberin köpf vom Doctor Münsingcr, 5 silberi schala, groß
und klain, 25 beschlagner löffel, 8 kelch zu der mcß, 2 kelch, do die frowen uß trinkent.

1505 werden aufgezählt: „ain silberin köpf, ain fläderin (mhd. vlederin — geadert,
netzartig), 42 sülberin bccher, groß und klain, I beschlagne krusen (Krug), 7 sülberin
schalen, klain und groß, 22 beschlagner lcffel, 8 kelch zu der meß, 2 kelch, da die frowen
uß trinkent, so sy zu dem sacrament gand."

(1506). Im 1506. jar erhielt das Kloster „von f(chwester) Berbelin Psenbächin
(von Baindt aus dem Geschlecht derer von Eisenbach, Bürger zu Ravensburg) 5 sülberin
becherlin, 6 ring, 9 Paternoster."

1509 hinterließ die Aebtifsin bei ihrem Tod: „ain silberin köpf, 1 fläderiner köpf,
1 beschlagne krusen, 8 gewichter kelch, 2 kelch nit gewicht, 9 verdekter becher, klain und
groß, 28 beschlagner leffel-"

Wenden wir uns zum Schluß zu den Preziosen und Devotionalien. 1498 werden
erwähnt: „11 korelli Paternoster (Rosenkränze aus Korallen), 5 calcidoni (aus Chalcedon)
Paternoster und 2 beryllin (aus Beryll) und ain Paternoster berlmutter." Hierauf folgt:
„Das ist alles hinna gewesen im 98. jar. Das ain calcidoni Paternoster ward miner frowen
von Urspringcn geschänkt."

1502 waren es „13 korellin, 4 calcedoni, 2 beryllin und 1 berlmutter Paternoster".
Dazu kamen 4 Ringe.

1505 beträgt die Zahl der Ringe 8. An Rosenkränzen sind vorhanden 14 aus
Korallen, 11 aus Chalcedon und Beryll, 1 aus Silber. Das aus Anlaß des Ablebens
der Aebtiffin ausgestellte Verzeichnis kennt 20 Ringe und 30 große und kleine Rosenkränze.

Vom Wsrmorimn.

Ist Verschleierung der Masten das Charakteristische der Gotik, so ist Betonung
derselben, und zwar manchmal bis zur Vorspiegelung falscher Tatsachen, die Eigenart des
Barockstils und seiner Ableger. Dabei bat Bernini sicher sich etwas anderes gedacht bei
seinem Kunstgebaren im Dienste des den Stürmen der Zeitwende glücklich entronnenen
Papsttums, als Levau und Manhart in dem der Staatsomnipotenz Ludwigs XIV., ober
die Gebrüder Michael und Christian Thumb und ihr Vetter Franz Bär aus Bezau in
dem des Prälaten von Obermarchtal. Allen ihren Schöpfungen aber ist eine gewiffe Gran-
dezza gemein, bei der ein merkwürdiges Mißverhältnis besteht zwischen den Mitteln (schlich-
ter Mauerkern, evcnt. Lattengcwölbe und darüber Gesimse, Ranken, Fruchtschnüre aus
Gips und Leim) und dem Effekt: einem festen Wurzeln, wuchtigen Ausholen und maffcn-
haften Zusammenarbeiten zur Bewältigung von Lasten, die oft gar nicht so schwer wiegen,
als sie aussehen. Hatte man zur Belebung der Formen sich die Gebilde der Natur geliehen
(Lorbeer, AkanthuS usw.), so legte sich eine Steigerung derselben durch eine entsprechende
Fassung von selber nahe. Insbesondere setzt Marmorierung und Vergoldung alsbald ein
nnd erzielt rasch eine derart gediegene Technik, daß man dem Marmor durch bloßes Ab-
reiben mit wollenen Tüchern, der Vergoldung mit weichem Brot denselben Glanz fast
restlos wiederzugcben imstande ist, den sie vor zwei Jahrhunderten erhielten. Vor allem
verstanden cs die Weffobrunner Meister und ihre oberschwäbischen Schüler, ihren Werken
eine erfreuliche Dauerhaftigkeit zu verschaffen. Sie vor allem haben auch eine Art der
Marmorierung geschaffen, die mustergültig blieb bis in die erste Hälfte des vorigen Jahr-
hunderts herein, und ein Beweis der Meisterschaft ist auch die reiche Abwechslung, die
sie bieten.

Die Säulen der Kirche zu Zwiefalten sind anders gefaßt als die, welche den Hoch-
altar zu Wiesenfteig flankieren. Von letzteren hebt sich das Kolorit der monumentalen
Altarbilderrahmen, der Barockkirchen des Härtsfeldes wieder sehr scharf ab. Gemeinsam
aber ist ihnen die Sicherheit der Technik und das Imponierende des Gesamteindrucks. Wie
überall in der Kunst, so gilt auch hier für uns Nachgeborene der Grundsatz: „Was dn
ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen." Die Gegenwart hat bei den
Glanzleistungen der Vergangenheit zu lernen, und zwar um so mehr, als die gute alte

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