Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 40.1925

Seite: 31
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Die christliche Kunst, Monatsschrift, München, XXI. Jahrg. >924/25, Heft 5, macht
Mitteilung über den Uebergang der Schriftleitung von Geistl. Rat Stiftsdekan
Mfgr. S. Standbamer an Prof. Dr. G. List, Hauptkonservator am Bayr. National-
museum, bringt eine Studie über den Plastiker A. Weckbecker von P. Kreitmaier S. J.
mit reichem Bildermaterial, ferner die Fortsetzung der zwei schriftstellerischen Frag-
mente Joseph Führichs von Döring.

Das Doppelheft 4/? ist einem Aufsatz: Das Problem der christlichen Kunst von G. List und einer
Darstellung von F. Madcr: Der weiche Stil des 14. Jahrhunderts in der Plastik des Hochstifts Eichstätt,
der Besprechung einer Reihe von Kriegerdenkmälern und der Fortsetzung deL oben genannten Aufsatzes
von Döring gewidmet. Hofmann bespricht noch: Zwei aufgedeckte und restaurierte barocke Deckenmalereien
von Han« Georg Asam und Julius Breymizer. Das von Asam signierte Fresko, eine Krönung Mariä,
befindet sich in der ehemaligen HauSkapellc der Englischen Fräulein im alten Polizeigebäude zu München
(Weinstraße) und ist ca. 1696 entstanden.

Das andere Fresko ist im Chor der Pfarrkirche zu Reichersbcurcn bei Tölz aufgedeckt worden und ist
signiert 1749 Julius Breymizer. Es stellt ein Pontifikalamt dar, das der Abt von Tegernsee, Gregor I-
(1726— 1762) an einem üppigen Säulcnaltar abhält. Während der Wandlung erscheint in der Höbe die
Madonna mit dem Jesuskind, von Engeln umgebe». — Einige Blätter zeigen eine Anzahl von religiösen
Anhängern des 15.— >8. Jahrhunderts in Wort und vier Seiten von Bildern.

In Heft 6 lernen wir einen Bildhauer aus Württemberg, Jakob Blaser, gcb. 1874 in Ravensburg,
in seinen feinempfundencn und prächtig auSgcführtcn Werken näher kennen. Er arbeitet zuletzt fast ganz
für die Abteien Schwciklbcrg bei Pasiau und Münsterschwarzach bei Würzburg. — Scherz bespricht
„Die Muttergottcs von Schmcrlcnbach" von ca. 1400, ei» sehr feines Tonbild, das bisher fast unbekannt
geblieben ist. — Dem Rokokobau der Wicskirchc bei Steingaden widmet Hartig eine eingehende Beschrei-
bung. Doch wird man mit dem Vcrfaffer über die Erklärung des Wortes „Wies", das er von „Wiese"
ableitct, nicht eins werden können. Natürlich ist das Wort nicht aus einer Abkürzung von visceribus ent-
standen. Es stammt aus dem althochdeutschen Wort wize = Leiden, Pein. Es ist immer der an die
Gcißelsäule gefesselte, oder im Kerker befindliche Heiland, der an vielen Orte» als „Wiescnhcrrgott" oder,
wie ein altes Lied, das in Obcrkochen »och gebetet wird, heißt: „Unser Herrgott auf (in) der Wies, der
Du voller Leide» bis (bist)." Daß einmal ein solches Bildstöcklcin oder Bild auf einer Wiese steht, läßt
die spätere Beziehung des Namens mit dem Ort zwar erklären, ist aber für die Erforschung seiner wahren
Bedeutung nicht ausschlaggebend. — Döring macht mit neuen Goldschmiedswerkcn unseres Landsmannes
Joseph Scitz, München, bekannt. — Von dem ausgezeichneten Graphiker Bruno Zwirner enthält das
Heft zwei Reproduktionen, Radierungen, aus seinem Zyklus „Hymnen und Psalmen". W.

Unser Einschaltbild

stellt dar eine Schutzmantclmadonna, die sich in der Wiblingcr Gotlcsackcrkapeüe befindet und meines
Wisiens noch nicht abgebildet ist. Die Statue ist SO Zentimeter hoch, aus Stein, etwa von 1350 — 1380.
Das Bild trägt um das Haupt einen sehr hübsch gefalteten Schleier (Krone aus späterer Zeit), der Man-
tel ist mit einer Agraffe am Halse zusammengchaltcn. Die Madonna hält mit beiden Händen die Mantcl-
faltcn empor; auf der rechten Seite sind 9 Köpfe, auf der linken 8 Köpfe als Schutzbefohlene geborgen,
zu je 2 und 2 znsammcugcfügt. Unten kniet rechts der Stifter, links die Stifterin. Durch die Fassung ist
die Eleganz der Figur sehr beeinträchtigt.

lHlitteilungen.

Manuskripte, Rezensionsexemplare, Taufchschriftc» usw., wollen eingesandt werden a» den Redakteur
Stadtpsarrer Weser in Söflingen bei Ulm.

Anmeldungen zum Verein sollen erfolgen an den Dekanatsagcnrcn oder direkt a» H. H. Domkapi-
tular Aigeltinger in Rottenburg.

Anmeldungen zum Abonnement des Archivs könne» geschehen bei der Post, im Buchhandel und bei
der Geschäftsstelle des „Deutschen Volksblatts", Stuttgart, Urbanstraße 94.

In Rcstaurationsangelegcnheitcn wende man sich an den Vorstand des Vereins, Prof. D. Rohr-
Tübingen, oder an Pfarrer Pfeffer-Lautlingen.

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