Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 40.1925

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Mit dieser Zahl ist wohl die Zeit der Vollendung benannt. Der schwierige und umfang-
reiche Stoff muß eine geraume Zeit für die Vorarbeiten und Vorzeichnungen beansprucht
haben. Es ist aber auch ein Bestes, was der Meister hier in Zeichnung und Farbe geleistet
hat. Kurz nach der Beendigung seiner Arbeit in Wiblingen, zu der vielleicht auch die Be-
malung des sehr verdorbenen und restaurationsbedürftigen Kapitelssaales zu Wiblingen
gehört, wird Kuen nach Ulm berufen zur Ausschmückung der W e n g e n k i r ch e mit
Fresken. Hier sind die Schiffsdeckengemälde mit der Jahreszahl 1747 signiert, so daß für
die Jahre 1746 und 1747 genügende Beschäftigung für den Künstler vorhanden war.
1751 bemalte er die Kirche in Attenhofe n, BA. Neu-Ulm, mit dem Deckengemälde:
St. Laurentius in der Verklärung. 1752 — 58 arbeitete er am malerischen Schmuck der
Klosterkirche zu R o g g e n b u r g. Davon sind noch erhalten: das Hochaltarbild, Maria
Himmelfahrt 1756, die Bilder der Nebenaltäre und eine Anzahl von Wandgemälden, die
Deckengemälde sind meist zerstört. Auch die Klostergänge und das Refektorium bewahren
noch Werke von feiner Hand. Dazwischen hinein wurde Kuen 1755 zur Ausmalung der
Kirche Maria Kappel, Pfarrei Schmicchcn (Diözese Augsburg), berufen, wo er als
Hauptbild „Esther vor Asiuerus" malte. 1758 arbeitete er an der Malerei des Tafel -
zimmers im Schloß Montfort zu T e t t n a » g. Das Werk, das nicht von großer Bedeu-
tung war - der Meister erhielt dafür 50 fl. -, ist jetzt nicht mehr vorhanden. Ein
glänzendes Zeugnis seiner künstlerischen Begabung legt ab die jetzt restaurierte Kirche zu
E r b a ch, OX Ehingen, wo er mit dem Deckengemälde: „Hilfe Mariens in der See-
schlacht von Lepanto" 1768 weit übertrifft den älteren Anton Enderle mit seinem Bild
gleichen Inhalts in der Frauenkirche zu Günzburg, und erfolgreich rivalisiert mit dem fast
gleichaltrigen Johann Baptist Enderle, der zu Seeg im Allgäu denselben Gegenstand be-
handelt. 1769/72 versah er die Kirche zu S ch e p p a ch (Diözese Augsburg) mit Fresken:
im Chor die Übergabe der Kirche an die Himmlischen mit dem Porträt des Pfarrers Jann,
die Wappen des Domkapitels, der Markgrafschaft, der Herren von Freiberg und Stauf-
fenberg. Die Decke des Schiffes trägt in den Ecke» Kartuschen mit den Bildern der vier
lateinischen Kirchenlehrer, und das Hauptbild: die Verehrung des Hauses Habsburg gegen
das Altarssakrament in zwei Szenen, die eine aus dem Leben Rudolfs von Habsburg, die
andere: Segnung des Kaisers Maximilian auf der Martinswand mit dem Ällerheiligsten.
Gegen den Chor vor befindet sich ein Gemälde, das Opfer des Melchifedech darstellend,
während das Blid über der Orgelempore fast unkenntlich ist. An den Seitenwänden befin-
den sich Darstellungen der ehernen Schlange und der Auffindung des bl. Kreuzes. Kuen
erhielt freie Kost und 370 fl. für feine Arbeit"). In Steinhaufen bei Schuffcnricd malte
Kuen das große Hochaltarbild: „Das Kreuz nach Abnahme des Leichnams Jesu" um
200 fl. Im Besitz des Verfassers befindet sich ein Altarbild: „Die Immakulata" in vor-
züglicher, kühn geschwungener Rokokorahmc, das einst in der Wengenkirche zu Ulm war
und dann an einen Altertumshändler verkauft wurde. Andere Werke Kucns befinden sich
in Jllertiffen, Krumbach u. a. a. O. Auch als Bildnismaler ist Kuen tätig gewesen. So
bar der Maler des Bibliotheksaales zu Wiblingen in seinen 52 Lebensjahren eine reiche
Wirksamkeit entfaltet.

Als Faßmaler war an dem Bibliothckfaal beschäftigt Joseph Saur von Ehingen. An
der Stukkatur dürfte der Italiener Mola sich beteiligt haben, der auch in dem zur Biblio-
thek führenden Gang und in den Zimmern der jetzigen Pfarrwohnung, früher Gastbau,
die feinen Stukkaturen geschaffen hat.

Gute Abbildungen des Inneren des Bibliotheksaales finden sich im Atlas zum Denk-
mälerwerk, Donaukreis, OA. Laupheim, Blatt Kloster Wiblingen, mit zwei Ansichten des
Saales. Die beiden Photographien sind ältere Lichtbilder mit Ansichten der beiden Aus-
schnitte aus dem Deckenfresko: Musenberg und Berg des Gotteslammes. Neuerdings hat
das Katholische Pfarramt Wiblingen eine Postkartenserie von zwölf Ansichten von Kirche
und Bibliothek Herstellen lassen (Preis der Serie I M.). Im Tertband zum Denkmäler-
werk, Inventar, Donaukreis II, S. 576, gibt eine Zeichnung das Aussehen des Biblio-
thekbaueö von außen.

°) Stcichcle-Schröder, Das Bistum Augsburg, V, 745,
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