Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 40.1925

Seite: 49
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Mittelschiffs, dem innigen Andachtsbild der schweißtuchhaltenden Engel auf der Nord-
wand, dem monumentalen Andreaszyklus im Chor in feiner lebenswahren und lebensharten
Ausführung. So ist unsere Kirche geworden zum wahren Fugelschen Kunstmuseum. —
Wer den Werdegang des Meisters studieren will, bat hier die beste Gelegenheit dazu.
Gratulieren darf man aber auch der Gemeinde, die feit ungefähr 30 Jahren zur Restau-
ration ihrer Liebfrauenkirche n u r aus eigenen Mitteln etwa 400 000 Mark aufge-
bracht hat, ein Zeugnis schönen Verständniffes für die Zierde des Gotteshauses. Die
Stationsbilder kommen auf 28 000 M., die Rahmen auf 7000 M., also das Ganze auf
33 000 M. Kommen dann wieder bessere Zeiten, so wird die Heizungsanlage eingebaut
(die drei Oefcn sind schon bereitgeftcllt), eine Reparatur der Kirchenstühle und des Holz-
bodens durchgeführt, und soll Ersatz für die uns im Krieg abgenommcnen drei Glocken
geschafft werden.

Angcmerkt sei noch, daß Professor Theodor Schnell die Frage des Kriegerden k-
mals in unserer Kirche in ebenso einfacher als origineller Weise in einem Entwurf
gelöst hat. Zwischen den neue» Stationen befindet sich ein kleines spätgotisches Wand
altärchen mit einer alten spätgotischen Pietü, dem alten Wallfahrtsbild zur „Mutter
Gottes an der Mühlbruck". Diese bildet dcu Mittelpunkt- Ueberdacht wird das Altärchen
jetzt in diesem Entwurf mit einem modern gehaltenen gotisierenden Blätterwerk, umgeben
mit den Tafeln samt Inschriften der Gefallenen, so daß das Ganze ausgezeichnet sich cin-
paßt auf die Südwand der Kirche. Eine solche Pictü ist ei» besserer Mittelpunkt fiir ein
solches Schmerzensdenkmal als ein größerer oder kleinerer Steinblock!

kunsichronik Der Diöjefe.

Von Stadtpfarrer Weser, Söflingen.

In einem summarisch zusammenfaffenden Artikel über den „katholischen Kirchenbau i»
der Diözese Rottenburg von 1800—1923", der in der Festnummer zum 75jährigen Ju-
biläum des „Deutschen Volksblatts" in Stuttgart im Mai 1923 erschienen ist, habe ich
eine Übersicht über die Entwicklung des Kirchenbaues gegeben. Außer dem festlichen Anlaß
hat mich das Bestreben geleitet, einmal zu zeigen, was alles in dieser langen Reihe von
Jahren auf diesem Gebiet geschehen ist. Es war keine kleine Arbeit, bis nach mühsamem
Suchen die damals festgeftelltcn Ergebnisse erreicht waren. In der Kunstchronik, die ihren
Platz im Archiv erhalten soll, möchte ich anregen, die gesamte Tätigkeit in der Diözese auf
dem Gebiet der christlichen Kunst zu registrieren. Das wird auch keine allzu leichte und
vielleicht auch nicht allseitig befriedigende Arbeit sei». Vielleicht darf die Redaktion auf
die freundliche Mitarbeit der Leser rechnen. Vielleicht geben auch die selbstverständlich nur
kurzen Notizen dieser Chronik Anlaß, eine Reihe von Federn zur eingehenderen Beschrei-
bung in Bewegung zu setzen. Der Chronist mußte sich meistens auf die äußerst mageren
Berichte der Zeitungen verlassen.

Aus dem Jahre 1920 möchte ich nachträglich »och erwähnen die Restauration der
G o t t e s a ck e r k a p e l l e zu G u t c n z c l l. Ziemlich weit entfernt vom Orte selbst,
an einer Stelle, die von alte» Waldbäumen umgeben ist, auf einem Hügel, der ehemals ein
Schloß trug, dessen Gräben heute »och erkennbar sind, erhebt sich im ummauerten Friedhof
die stimmungsvolle Kapelle mit ihrem schlanken Dachreiter. Es ist ein sehr idyllisches Plätz-
chen, weit entfernt von der Unrast des Tagcsgetriebes, das hier der Ruhe und dem Ge-
dächtnis der Toten gewidmet ist. Das Inventar der Kunftdenkmale für das Oberamt
Biberach 1909 berichtet Seite 126 lakonisch: „Gottesackerkapelle auf dem drei Kilometer
nördlich von Gutenzell gelegenen Kirchhof, 18. Jahrhundert, einschiffig mit Dreiachtelchor."
Das ist alles! — Die Kapelle besitzt einen schönen Altar, eine hübsche Kanzel, zierliche
Rokokostukkaturen und ausgezeichnet komponierte Fresken.

Der Altar mit einem Krcuzigungsgemälde, eine vorzügliche Pieta von ca. 1510 und
zwei Barockfiguren, trägt auf der Rückseite die Inschrift: „Im Jahr 1781 wurde dieser
Altar gestiftet von dem wohlgelehrten Herrn Magister Johann Klemens Mcrkle von
Niedernzell, Pfarrei zu Dietershofen." Eine andere Schrift berichtet: „Dieser Altar, so-
wie die ganze Kapelle ist 1860 erneuert worden." Aus der ersteren Inschrift ergibt sich, daß
die Kapelle jedenfalls unter der Regierung der letzten Fürstabtiffin von Gottcszell, Maria
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