Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 40.1925

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Von Interesse sind in der Kapelle ein I 4-Nothelfer-Bild, ein Ölgemälde auf
Leinwand von 1713, ein ex voto und einige Grabdenkmale, die in die Wände eingelaffen
sind. Eines davon besteht in einer Meffingplattc mit der Inschrift:

LaVDetVr IesVs ChrlstVs

gLorla et Vita nostra semplterna.

Hie ligt begraben der edle und kunstreiche Herr Philipp Jakob Herz,
gewester Mahler, ist gestorben den XVil. Febr. MDCC XXX. im LII. Jahr seines
Alters, besten Seel Gott gnädig sein wolle.

Darunter befindet sich ein Wappen.

Ein Grabstein hat folgende bezeichnende Inschrift:

f-hmc tumulum viator sine nausea inspice, non sordet
et non foetet nani hic iacet
praeno: Consultiss: quondam in Bonacella praefeetns
Guilielmus cognomine et vitae condore

Schönkind

ob. A. 1710 aet. 43.

So hat die Restauration aus der verwahrlosten Kapelle wieder ein zur Einkehr und
Andacht einladendes Heiligtum geschaffen.

Im Jahre 1921 wurde restauriert die St. Martinskirche zu Hochdorf a. R.
(Waldsee) von Kirchenmaler Rauch (Saulgau). Die Kirche besitzt eine Reihe von Ge-
mälden von B o n i f a z Locher: Geburt Christi, Christi Himmelfahrt und Cäeilia.
Im Chor hängt ein Votivbild: St. Franz Paver als Fürbitter für die Landwirtschaft in
prächtiger Louis AVI.-Rahme. Ebenda hängt ein altes, intereffantes Altargemälde: oben:
Maria von Engeln umgeben, darunter eine Anzahl von Heiligen: Franz von Affisi,
St. M a r t i n u s in Panzer und Bischofsmantel und Mitra mit dem
Bettler zu feinen Füßen, Vinzenz Ferrer, Konrad und Georg, im Hintergrund Hochdorf
mit der alten Kirche. Die Seitenaltäre sind St. Anna und Georg (links), Maria und
Sebastian (rechts) geweiht (barock). An der Seitenwand befindet sich ein St. Martin zu
Roß mit Bettler, etwa von 1460.

Im gleichen Jahre erfuhr eine durchgreifende Restauration die Kirche zu R o t,
OA. Laupheim, mit Verlängerung des Schiffs, Zurückverlegung der Empore und Ba-
rockisierung der Ausstattung. Die Fresken vom Iabr 1742 wurden wieder aufgedeckt. Sie
stellen anschaulich und volkstümlich dar im Chor die Geschichte des Skapuliers, im Schiff
die Legende des Kirchenpatrons St. Georg, unter der Empore die letzten Dinge des
Menschen. Fünf neue Gemälde kamen dazu. Die 14 Stationen wurden nach dem Kreuz-
weg, den einst Joh. Bapt. Enderle in Hammerstetten schuf, gemalt. Die frühere Kanzel
wurde wiedcrhergestellt. In die neuen Barockaltäre kamen die Altarblätter von Konrad
Huber (Weißenhorn) und Lacher (München). Auch neue Chor- und Beichtstühle vom orts-
anfäffigen Schreiner Müller und Leimer (Dietenheim) wurden aufgestellt. Bauleitung:
Oberamtsbaumeister Küchle, Restauration: Kunstmaler Baur (Mettenberg) und Hammer
(Schwendi), der auch die alte Madonnenfigur faßte. Die Altäre wurden hergestellt von
Müller (Saulgau). Die Orgel von T. Wetze! (Rot-Namur) zählt 17 Register. Beim
Fundamentgraben kamen zwei südische Grabsteine zutage, die leider wieder zum Funda-
ment verwendet wurden. Eine steinerne Figur eines Olbergchristus, die auf der Kirchen-
bühne stand, aus dem Iabr ea. 1320, kam ins Museum der Vaterländischen Altertümer
nach Stuttgart.

Ebenfalls ins Jahr 1921 fällt die Vollendung der Restauration der e h e m a l i g e »
Franziskanerkirche in Saulgau, jetzt im Eigentum der katholische» Stadt-
pfarrgemeinde. Die wechselvollen Schicksale dieser Kirche baden es verschuldet, daß der
Bau in Keppler, Württ. kirchl. Kunstaltertümer, keine Erwähnung fand. Die Geschichte
dieser Kirche geht zurück bis in die letzten Jahre des Dreißigjährigen Krieges. Am
17. April 1646 gab das Generalvikariat Konstanz die Erlaubnis zum Ban eines Franzis-
kanerklosters mit Kirche; schon am 3. Mai 1646 hatte die Äbtissin von Buchau ihre Hilfe
zugesagt, jedoch am 28. Oktober 1648 die Bitte der Franziskaner um Abtretung eines
Bauplatzes abgeschlagen. Der Stadtrat gab dem Orden 7. Januar 1640 einen Platz
außerhalb des Tores, nachdem die Abtissin der Stadt einen anderen gleichwertigen abge-

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