Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 40.1925

Seite: 53
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Dasselbe Jahr 1921 brachte auch die Erneuerung der stimmungsvollen Kirche zu
U n l i n g e n, die in den „Kunstaltertümern" vergeffen worden ist bis auf die Angabe
über eine 1885 stattgehabte Restauration. Die Kirche hat als Patrozinium die „Unbe-
fleckte Empfängnis". Der Hochaltar ist eine prächtige Stuckmarmorarbeit, in die 1885
ein unbrauchbarer Tabernakel eingesetzt wurde. Zum Glück ist der alte Tabernakel nock-
vorhanden gewesen und wieder verwertet worden. Vom Hochaltar zu den Scitenwändcn
führen zwei holzgeschnitzte Trakte mit Durchgangstüren auf beiden Seiten. Das Hoch-
altarbild, das an der Rückwand hinter dem Tabernakel bängt, eine Kreuzigungsgruppe
mit Johannes, Maria und Magdalena, ist gemalt von Konrad Huber (Weißenhorn) 1812.
Die Chorwändc links und rechts sind fast ganz bedeckt von dem Chorgestühl mit seinen
Rückwänden, in Rokoko geschnitzt und mit zwei größeren Reliefbildern gefüllt: Mariä
Verkündigung und Mariä Heimsuchung. Nach der Chronik fertigte I o h. I o s. C h r i -
st i a n von Riedlingen 1772/73 mit seinem Sohne Franz Joseph Christian
und einem Stukkaturgesellen aus Landshut den Hochaltar und die Chorstühle. Das Decken-
bild im Chor und Schiff malte Johann Georg Meßmer aus Saulgau. Die Signatur im
Chor lautet: Ioh. Georg Mesmer pinx et inv. 1772. Die Kosten mit 2500 fl.
bestritt der damalige Pfarrer Dekan Kleber. Das Deckcnbild im Schiff war ein koloffales
Bild des jüngsten Gerichtes. Es hat sich wiederherstcllen kaffen. Die beiden Seitenaltäre,
mit dunklen, bräunlich-grünen Farben überstrichen, stellten sich bei der Restauration als
prächtige Barockaltäre mit Nußbaumfurnieren heraus. In diese Scitenaltäre kamen zwei
Bilder, die früher in der Klosterkapelle waren: 1. St. Elisabeth reicht einem Kranken
Nahrung, gemalt von S p i e g l e r, 2. St. Franziskus reicht Maria einen Blumen-
strauß, den er aus einem von einem Engel gehaltenen Korb entnimmt. Im Schiff erhebt
sich eine vorzüglich geschnitzte Kanzel von 1713. Die Kirchenstühle haben gut geschnitzte
Wangen und die beiden Beichtstühle sind vorzüglich eingelegte Arbeit. Neben der Kanzel
hängt noch ein großes, gerahmtes Ölgemälde: in reicher Landschaft kniet St. Norbert
als Bischof gekleidet, die Mitra steht auf dem Boden. Über ihm schwebt die Monstranz
zwischen der Figur von Johannes dem Täufer und Elisabeth, darüber erhebt sich Maria
mit dem Jesuskind. Das Bild ist signiert: I. A ch e r t p. inv. u. JohannSultzer
1705. Es ist demnach ein Werk von Johann Achert, der auch ein Altarbild in der Domi-
nikanerkirche zu Rottweil geschaffen bat und auch in Rottcnmünfter tätig war. Bemerkens-
wert ist noch die barocke Pieta (Anfang 18. Jahrhundert) und ein holzgeschnitztes Vor-
tragskreuz aus derselben Zeit, ferner ein Vortragskreuz aus vergoldetem Kupfer mit den
Evangelistensymbolen aus der Zeit des Übergangs vom Romanischen zur Gotik; endlich
zwei Weihwafferbecken, eines mit den Namen Jesus, Maria, Joseph, das andere aus
Marmor. Der Taufstein ist ein Geschenk von Bildhauer Kopf (Riedlingen-Rom).

Das Ende dieses Jahres sah auch noch die Restauration der Kirche von W u r m -
l i n g e n, OA. Tuttlingen, die einst 1782 — 84 im Empirestil erbaut worden war und
wieder das Helle lichte Kleid ihrer Entstehungözeit erhalten hat (Kosten 40 000 M.).

Um dieselbe Zeit wurde die Kirche in Z o g e n w e i l e r gründlich verändert durch
eine bedeutende Vergrößerung und Neuausstattung. Die alte Kirche hat eine wahre Lei-
densgeschichte von Restaurationen hinter sich: 1876 wurde der Turm teilweise abgebrochcu
und unglücklich erhöht, 1902 kamen gemalte Fenster von ausgesuchter Häßlichkeit hinein,
1896/97 war ein Teil der Decke abgestürzt und es folgten Arbeiten, die das Kirchlein
möglich schwer, düster und eng erscheinen ließen. Durch die Restauration 1921 wurde daS
Gotteshaus um mehr als ein Drittel vergrößert, erhielt einen schönen Turm mit Trcppcn-
turmaufgang, eine kleine Vorhalle, von der aus durch ein Fenster der Innenraum über-
schaut werden kann. Die Türen erhielten kunstvolles Beschläg. Ein größtenteils neues Ge-
stühl füllt das Schiff. Die frühere Holzdeckc in Schiff und Chor machte einer Gewölbc-
cinstcllung Platz. Die Wände wurden in hellem Ton gehalten, die Altäre neu hergerichtet
und das Schiff wurde mit einem Deckengemälde: St. Wendclin von Albrecht (München),
geschmückt. So erscheint die Kirche fast als ganz neues Gebäude, und der alte Wunsch der
Gemeinde nach einer Vergrößerung der Kirche ist in vorzüglicher Weise in Erfüllung ge-
gangen. Weitere Erneuerungen im Innern brachten die folgenden Jahre, nachdem noch
1921 eine neue Orgel von Reiser (Biberach) erstellt worden war.

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