Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 40.1925

Seite: 79
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Hab» mit drei Statuen beteiligt, die von einer aus de» oedeutendstcn Bildhauern Deutsch-
lands zusammengesetzten Kommission als Original - K u n ft w c r k e e r st c n R a n -
g c s erklärt wurden. Um eben diese Zeit hatte der junge Künstler im Auftrag des Franzis-
kanerpaters A n s e l m K o ch in LouiSville mehrere Statuen für Amerika aus-
geführt. Diese bahnten ihm den Weg nach den Vereinigten Staaten, die er im Jahre 1870
erstmals betrat. Auf der Reise nach LouiSville, wo er sich niederlassen wollte, traf er in
Cincinnati mit dem kunstsinnigen Jesuitenpater Martin S c i s l zusammen; letzterer
war damals Pfarrer der Gemeinde zum hl. Franz Borgias in W a s h i n g t o n, wo er
nach vielen Mühen durch den Bau einer prachtvollen Kirche sich verewigte. P. Seist lud den
Künstler, dessen Statuen er in LouiSville besichtigt hatte, dringend ei», nach Washington
zu kommen und die neue Kirche mit Statue» zu schmücken. Er nahm die Einladung an: sie
sollte entscheidend werden für seine ganze Zukunft. Vier Monate lang war der Künstler
in Washington beschäftigt und während dieser Zeit in ständigem Verkehr mit dem kunst-
sinnigen Seisl und den übrigen Patres, deren fromme Lebensweise einen nachhaltigen
Eindruck auf ihn machte. Nach seiner Abreise von Washington machte ihn dieser mit meh-
reren Geistlichen von St. L o u i s bekannt. Der kunstverständige Pfarrer an der Sankt
Franz-SaleS-Kirche in St. Louis, Peter Wigger, der im Jahre 1878 im besten Mannes-
alter, zu früh für seine aufblühende Gemeinde und auch zu früh für den aus Schwaben ein-
gezogenen Künstler starb, beehrte ihn sogleich »ach seiner Ankunft in St. Louis mit Auf-
trägen fiir seine Kirche. Der Erfolg hier brachte neue Erfolge auch anderwärts. Nach Voll-
endung der Arbeiten für die St. Franz-Sales-Kirche bestellte der damalige Direktor an
der Kathedrale in B e l l c v i l l e, Ludwig Hinßcn, die Statuen der Muttergottes nebst
denen der vier großen lateinischen Kirchenlehrer Ambrosius, Hieronymus, Augustinus und
GregoriuS, die durch erhabene Weihe und Würde, tiefen Ernst und seelenvollen Ausdruck
allgemeine Aufmerksamkeit fanden und dem Künstler die bleibende Förderung durch den
hervorragenden kunstverständigen Direktor Hinsien eintrugen. St. Louis wurde jetzt seine
zweite Heimat.

Nachdem Mar Schneiderhahn in St. Louis sich dauernd niedergelassen hatte, wurde
er bald in immer weiteren Kreisen bekannt- Er bekam Aufträge über Aufträge und erledigte
sie alle mit unermüdlichem Fleiß, peinlicher Sorgfalt und pünktlicher Raschheit. Die zahl-
reichsten und bedeutendsten Kunstschöpfungen, die aus seiner Hand hervorgingen, finden sich
im Staate Illinois, die meisten in Holz, ei» Teil in Stein und Marmor ausgeführt, und
zwar in folgenden Kirchen: Marienkirche in St. Louis (St. Joseph mit dem Jesuskind,
Aloisius und Antonius); Antoniuskirche in St. Louis (17 Statuen, darunter ein sitzendes
Pecs homo, eine Kreuzigungsgruppe und 13 kleinere Statuen, den Erlöser und die
>2 Apostel darstellend); Josephskirche in St. Louis (lebensgroße Kreuzigungsgruppe,
Mater Dolorosa, zwei große betende Engel und vier Reliefdarstellungen: St. Petrus,
Paulus, Ambrosius und Augustinus); Liboriuskirche in St. Louis (St. Liborius, Leo der
Große und vier Reliefs); in der Kapelle des Lehrerseminars zu St. Francis bei Milwau-
kee (hl. Familie in Lebensgröße und sechs andere Statuen); in der Kapelle des Priester-
seminarö zu St. Francis (eine Statne von feinstem weißem Marmor, den segnenden Jesuö-
knaben darstellend, ferner eine Statue des hl. Franz von Sales und das lebensgroße Por-
trät-Medaillon des Erzbischofs Heiß von Milwaukee); in der Kapelle des Mutterhauses
der Schulschwestern von Notre-Damc in Milwaukee (das hl. Abendmahl; letzteres hat der
Künstler noch fünfmal ausgeführt: einmal in Bronze, zweimal in Holz und zweimal in
Gips). Auf vielfachen Wunsch bat Mar Schnciderhahn eine Abbildung dieser Abcndmahls-
gruppe mit passender Einfassung nnd geeigneten Emblemen als Kommunionandenken Her-
stellen lassen, die zu Tausenden in alle» Teilen der Vereinigten Staaten verkauft wurden.
Es folgten die weiteren Kunstwerke: in der Kirche zu Rosehill bei Chicago (mehrere
Statuen); in der Bonifatiuskirche zu Detroit (lebensgroße Statue des Herzens Jesu);
Marienkirche zu Lincoln (große Gruppe von Mariä Verkündigung); Bonifatiuskirche der
Franziskaner zu LouiSville (Auferstehung des Heilandes); Antoniuskirche zu LouiSville
(segnender Jesusknabe, umgeben von zwei Engeln, und Mater Dolorosa); Heinrichskirche
in Ost-St. Louis (große Pieta, Herz Jesu und Herz Mariä, St. Heinrich und St. Boni-
fatius); Bonifatiuskirche zu Germantown (S. Rosa von Lima, S. Anna, St. Franzis-

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