Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 40.1925

Seite: 107
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um das wirkliche Vorhandensein der Gedankenreihe, wie sie hier gezeigt ist, in den Litera-
tur- und Kunftdenkmalcn, im gottesdienstlich-liturgischen und im Gebetslcben des Volkes
aufzudecken und nachzuweisen. Jedenfalls ist im vorstehenden der evidente Nachweis er-
bracht dafür, dasi mit den bisherigen Veröffentlichungeii über die Ikonographie dcS Altar-
werks von Jsenheim die Erklärungsmöglichkeiten keineswegs erschöpft waren. Bei dem
liefen und reichen Inhalt der einzelnen Bildreibcn einerseits und bei dem Mangel an Nach-
richten über den Plan und die Ausführung dieses prominenten Kunstwerks anderseits
liegt selbstverständlich die Anmaßung fern, in allem die absolut richtige Auslegung gefun-
den zu habe». Der Beschäftigung mit dem Kunstwerk Grünewalds lag nur die Absicht zu-
grunde, zum Verständnis des Meisters und seiner Kunst das eine und andere beizutrageu.

N a ch t r a g. In einer Abhandlung: „Das Geheimnis des Isenheimer Altars" geht
Prof. Dr. Friedr. Alfred Schmid-Noerr in der Unterhaltungsbeilage der „Münchener
Neuesten Nachrichten", „Die Einkehr", vom 28. Oktober 1925, streng ins Gericht mit der
ErklärnngSweifc der Schrift des im vorstehenden wiederholt genannten Prof. Rudolf
Günther. Damit wollen wir uns nicht weiter beschäftigen, um so mehr als wir ebenfalls
den Standpunkt und die Deutung von Günther abgcwiesen haben. Interessant ist für uns
nur zunächst die Aeußerung Schmids, daß er in der auf dem Weihnachtöbild befindlichen
Himmelsszene eine Fronleichnamsprozession sieht. Seine Worte sind: „Es
umwallt den Höchsten eine streng geordnete Prozession von Seligen, und ihnen voraus,
unterm Baldachin, von Kreuzen und Fahnen begleitet, wird das Allerheiligste getragen:
das scharfe Bild einer Fronleichnamsprozession!" Abgesehen von dem dogmatisch unhalt-
baren und jedenfalls schiefen Ausdruck von einer „Prozession von Selige n" können wir
bei noch so aufmerksamer Betrachtung des betreffenden Bildausschnitts weder das Aller-
heiligste noch Kreuz und Fahnen auf dem Bilde entdecken, wenigstens nicht auf de» uns
zugänglichen Reproduktionen.

Wh« Maximilian schliMchchn (J844-J923).

Ein Gedenkblatt als Beitrag zur Geschichte der schwäbischen Ausländsdeutschen
von Studienrat Dr. Stephan Lösch, Horb a. N.

II.

Briese von Bischof Karl Joseph v. H e f e l e an den Künstler.

Eine Beurteilung des künstlerischen Schaffens M. Schneidcrhahns, die zeitliche Ein-
ordnung seiner Entwicklung aus der Knablschen Schule und der des Münchener Künstler
kreises um die Wende zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der Gang seiner selb
ständigen Weiterbildung und Ausprägung schöpferischer Eigenart nach 187O ist angesichts
des geringen uns zur Verfügung stehenden Bildermaterials nicht möglich. Sie mag da-
her einer späteren Untersuchung Vorbehalten bleiben, die aus reicheren Unterlagen schöpfen
muß, ans in zeitlicher Folge sich anreihende Anhaltspunkte aufbauen kann und auch ge-
wisse, wie schon die obige Aufzählung seiner größeren Werke erkennen läßt, sich wiedcr-
holende Züge in seinen Arbeiten nicht ans dem Auge lassen wird. Die Erinnerung an den
schwäbischen Künstler wenigstens biographisch hier erstmals fcstgchalten zu haben, mußten
wir uns begnügen. Diese wird aber einen besonderen Klang noch erhalten, wenn wir
im folgenden die von Marimilian Schneiderhahn als teures Kleinod sorgsam bewahrten
und kurz vor seinem Tode an uns (in sorgfältig von ihm selbst verfertigter Abschrift) zur
Veröffentlichung überlassenen Briefe des Hochwürdigsten Bischofs Karl Joseph v. Hefele
bekanntgeben diirfen. Die Anfragen (vgl. Brief 2) bzw. Antwort- oder DankeSschreibc»
Schneiderhahns scheinen nicht mehr vorhanden zu sein.

I.

Tübingen, den 9. August 1869.

Verchrtestcr Herr! Indem ich Ihnen für Ihr freundliches Schreiben vom 2. d. M.
und die gütige Mitscndnng der vier Photographien bestens danke, erlaube ich mir zu

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