Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 40.1925

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Schulgründungen seitens der weiblichen
Orden, der Errichtung von Studien-
heimen u. a. So sind wir heute mit einer
ganzen Reihe ähnlicher Hauskapellen ge-
segnet.

Die Töchterschule Ellwangen hat den
Mißstand seiteiniger Zeitcmpfunden. Und
als eine größere Stiftung von Amerika
mit dem Angebot eines jungen Architekten,
Regierungsbaumeister Hannig in Ell-
wangen (jetzt in Würzburg), die Er-
»euerungsarbeiten der Kapelle kostenlos
zu leiten, zusammenfiel, hat Schwester
Oberin Adalberga mit Freude» zugesagt.

Zunächst wurden einige technische
Verbesierungen angebracht. Vor allem
wurde die Feuchtigkeit der Rückwand und
das häßliche Vorspringen der Rolladen-
kästen durch Auflegung von Gipsdielen die
ganze Wand entlang beseitigt. Sodann
galt cs, einen ganz anderen Raum zu
schaffen. Hannig hat diese Aufgabe mit
großer Liebe gelöst. Er arbeitet aus dem
Geist heraus, von dem Paulweber (Heil-
bronn) neulich in seinem Aufsatz in den
„Mitteilungen" eine Flamme bat auf-
schlagen lasten. Er hat wirklich aus einem
Schulsaal ein Heiligtum geschaffen. Die
Möglichkeiten waren äußerst beschränkt.
Die Decke konnte nicht gehoben werden
wegen der großen Kosten; nur ein einziges
Zimmer konnte dazugenommen werden.
Trotzdem hat der Architekt das Gefühl
des Gedrücktfcins durch optische Mittel
überaus feinsinnig zu überwinden verstan-
den. Er hat vor allem den häßlichen Kron-
leuchter beseitigt und die Leuchtkörper auf
die Wände verteilt. Er hat die bisher dem
Gefühl nach liegenden Wandflächcn
durch Senkrechten in kleinere, aufrecht-
stehende Flächen verteilt. Er hat zwischen
die Flächen nach oben strebende Liseneu
eingesetzt. Er hat die Decke entlang den
Wänden durch Abschrägung steigen las-
sen. Er hat endlich die Fenster, die bisher
als unvermittelte Löcher in der Wand
saßen, in der Höhcnrichtung neu eingc-
teilt. So strebt alles nach oben, und man
hat das Gefühl, als wäre die Kapelle um
ein Drittel höher als zuvor.

Ellwangen, Höhere Töchterschule.
Hannig-Würzburg.

Besonders sorgfältig wurde der für das A l l e r h c i l i g st e bestimmte Raum be-
handelt. Cr ist durch zwei Vollpfeiler in würdiger Weise gegen den Laienraum abgegrenzt.
Der Altar selbst ist durch eine kleine zeltförmige Rabitzdecke überdacht. Sic bildet den durch
Caer. Ep. 1, 12, 13 f. geforderten B a l d a ch i n. Als mich der Architekt auf diese Vor-
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