Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 40.1925

Seite: 114
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Decke blieb weiß. Die Lisene», die Pfeiler, das Abschlußgesims und die Türen wurden in
einem kühlen Blau (mit einem leichten Strich inö Grünliche) zusammengefaßt. Das Holz-
werk der Fenster wurde der größeren umrahmenden Kraft halber tiefblau gestrichen. Die
Wandfelder zwischen den Lisenen wurden mit einem grünlichen Putz roh abgerieben. Der
Boden wurde mit rotem Linoleum belegt. So ist der ganze Raum wie aus einem Guß, von
einer überaus wohltuenden Harmonie der Verhältniffe und der Farben. Wir möchten dem
jungen Künstler wünschen, daß er auch in unserer Diözese noch weitere Proben seines
Könnens zu geben Gelegenheit finde. Das verdient schon der Geist, aus dem heraus er
schafft.

Literarisches.

Spanische Plastik. Aus sieben Jahrhunderten. Von GeorgWeise, Prof, in Tübingen.
1925, Gryphiusverlag, Reutlingen. Mit 275 Abbildungen und 75 S. Tcrt,
gcb. 28 M.

Das vorliegende Werk bildet den III. Band der „Tübinger Forschungen zur Archäologie und
Kunstgeschichte", herausg. von Prof. Dr. K. Watzinger und Prof. Dr. Georg Weise. Die pyrenäische
Halbinsel mit ihrer wunderbaren eigenartigen Kunstentwicklung hat in den letzten Jahrzehnten die immer
mehr gesteigerte Aufmerksamkeit der Kunsthistoriker erweckt und zu ihrer Erforschung und Durch-
dringung auf den Plan gerufen. Doch waren cS bis jetzt mehr die Denkmale der Architektur und Malerei
Spaniens, die sich der Vorliebe der Forscher erfreut haben. Mit diesem vorzüglichen Buch, das Weise
der Kunstwissenschaft schenkt, geht der Ordinarius der Kunstgeschichte in Tübingen neue Wege. Seine
Forschungen bevorzugen das Feld der Plastik, und diesmal sucht er nicht nur den in den bedeutenden
Kulturstätten, den Städte» und Museen Spaniens befindlichen Kunstwerken nachzugehe», er richtet
vielmehr seine kritischen Blicke auf die abseits der großen Touristenstraße liegenden Orte und deren
Reichtum an plastische» Werken. Eingeladen von Herrn Dr. Felix Schlaycr in Madrid, unterstützt
durch de» Urlaub der Regierung, begleitet von seinem Schüler Walter Bader, freundlich gefördert
von Prof. Obermaier in Madrid und den Vertretern der spanischen Geistlichkeit, konnte Weise im
Frühjahr und Sommer >924 seine Forschungen anstellen, als deren zunächst abschließendes Ergebnis
der stattliche Band sich uns präsentiert. Ce ist ihm darum, zu tun, einen bedeutenden Teil des Besitzes
an mittelalterlichen und nachmittelaltcrlichcn Bildwerken, der sich bis jetzt unbeachtet in spanischen
Kirchen befindet, der Forschung zugänglich zu machen. Dies ist ihm in glänzender Weise gelungen, trotz-
dem die Schwierigkeiten der photographischen Aufnahme teilweise sehr groß, manchmal schier unüber-
windlich waren.

Verfasser weist überzeugend nach, wie zunächst der südfranzösische Einfluß i» der Plastik im Norden
Spaniens Platz greift, ja, wie in der Steinplastik der Einfluß von Paris, Reims, Chartres wie
nach Deutschland, so auch nach Spanien seine Ausstrahlungen sendet. Das Haupteinfallstor im Norde»
bildet Leon mit seinem Kathcdralschmuck, dessen wissenschaftliche Behandlung Weise anregt. „Charakte-
ristisch für die spanische Kunst aller Zeiten erscheint das unmittelbare Nebeneinander fremdländischer
Einflüsse und stärkster Ausprägung nationaler Sonderart." Die Steinskulpturcn sind mehr beeinflußt
von Frankreich als die Holzskulpturcn. Mit begreiflicher freudiger Genugtuung werden die zirka 20 ver-
schiedenen Kruzifixdarstellungen (Triumphkreuze) besprochen, die i» dem Werk veröffentlicht sind (mit
einigen Dctailbildern). Bei der Besprechung der Madonnenstatuen des 13. und 14. Iahrhundcrts
wird der französische Einfluß besonders hervorgehobcn. Für die Vesperbilder wird auf böhmischen
Import hingewiesen, wenn auch die Gesichter, z. B. bei den Bildern vo» Toledo und Valladolid, einen
Zug vo» bodenständigem Realismus an sich trage». Im 15. Jahrhundert verstärken sich die äußeren
Anregungen, die von Burgund, den Niederlanden, Italien ausgehcn, von woher fremde Meister nach
Spanien kommen. Besonders hat der hausbackene nüchterne Rcalisnius der Niederlande cingewirkt
(Passionsszcncn des 'Altars von TordesillaS und in weitergeführter Entwicklung der Altar der Pfarrkirche
von Verlang« de Duero u. a.) und dem von da ausgcgangencn knittrigen Gcwandstil der Spätgotik
wie in Deutschland, so auch in Spanien den Weg eröffnet. Selbst deutsche Meister kamen »ach Spanien,
so Rodrigo Aleman, der 1497 de» Auftrag für das Chorgestühl im Dome zu Plafcncia erhielt, ohne
daß sich aber bei seinem Werk ein deutscher Schulzusammenhang ergäbe. — In der Charakterisierung des
barocke» Kunstschaffens weist der Verfasser auf die in dieser Kunst sich auswirkende religiöse Stimmung
hin, die eng mit dem spanische» Milieu verwurzelt sei, die sich zeige als Synthese von Realismus und
Idealismus, als ein selbst vor dem Häßlichen nicht zurückschreckcuder Ernst und eine gesteigerte tran-
szendente Richtung. Sehr gut sind in diesem Zusammenhang die kurzen Charakteristiken der Künstler:
der Ekstatiker Greco, die malerische WirklichkcitSauffassung des Vclasguez, Murillo mit seinen idealisti-
schen Jnuuaknlatabilder» und seinen realistischen Genreszenen. Aehnlich Zurbaran und selbst bis in neueste
Zeit herauf Goya, „einer der größten Phantastiker seiner Zeit". Sehr belehrend sind die Aeußerungcn
über die Entwicklung der Immakulata-Darstellung und das Motiv des Christus an der Gcißclsäule,
des büßenden Hieronymus und der Schmerzensmutter. Als führende Meister des lö. Jahrhunderte
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