Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 40.1925

Seite: 115
DOI Heft: 10.11588/diglit.15943.29
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15943.33
DOI Seite: 10.11588/diglit.15943#0127
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1925/0127
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
erscheinen Alonso Berrugucte, Inan de Juni »nd Gregorio Hernandez. Im 17. Jahrhundert sind die
beliebteste» Vorwürfe Büsten des Schmerzensmanns und der Immakulata. Nach und nach verliert sich
der Ernst und die monumentale Geschlossenheit, die Typen werden sugendlichcr und graziöser und die
Gewandung wird immer rauschender. Es gelangen französische und italienische Einflüsse wieder mehr
zur Geltung. Die spanische Kunst wird europäisiert. Am Ausgang des 17. Jahrhunderte erlebt man in
der Hciligcndarstellung einen gewissen tändelnden Geist, der sich z. B. im Motiv der Divina Pastor«
(Maria als Schäferin) äußert, ein Motiv, das sich auch in Deutschland als Merkmal der Rokokozeit
bis zum Ende des >8. Jahrhunderts erhalten bat. Man vergleiche die zahlreichen Kupferstiche dieser
Art. Die Skizzierung des reichhaltigen Werkes, das eine Fülle von Anregungen bietet, soll nur zum
Genuß des vortrefflichen Buches cinladc». Der großartige Reichtum von Bildwerken, die auf den
251 Tafeln abgcbildct sind, läßt den großen Reichtum der spanische» Kunst überhaupt erkennen, zeigt
aber auch das zähe und erfolgreiche Strebe» des Verfassers, die schwere Aufgabe, die er sich gesetzt, zu
bewältigen. Es mag keine geringe Mühe gekostet haben, dieses entlegene Bildermaterial zu gewinnen,
zu sammeln und zu sichten und wieder zusammenzustellen, damit cs zur lebendige» Illustration des
Textes dienstbar werde. Sicher hat sich der Verfasser durch fei» Werk nicht nur den Dank deutscher
Knnstfvrschcr verdient. Sei» Buch wird auch in Spanien berechtigtes Aufsehen erregen. Der Verlag
hat der Schrift ein feines und vornehmes Gewand auf ihren Weg mitgegcben.

Söflingen. Weser.

Altfränkische Bilder 1926 mit Text von Dr. Tb. H e n n e r , Univ.-Buchdruckerei Stütz,
Würzburg, 32. Jahrg.

De», rheinischen Jahrtansendgedächtnis gilt der erste Artikel, geschmückt mit de» Bilder» Karls
des Große», Ludwig des Deutschen, Heinrich I. und Otto d. Großen, von Philipp Veit, dessen Schüler
Hans Trost und I. B. Zwecker, und dem Bild des Kaisersaales im Römer zu Frankfurt a. M. —
Das 500jährige Gedächtnis der Heiligsprechung des heiligen Scbaldus feiert der zweite Aufsatz. Darauf
folgt „Die Ritterkapcllc zu Häßfurt" in Wort und Bild. Zwei erneuerte Würzburger Kirche», die
Schottenkirche und Deutschhauskirche, der Hof zum Falken in Würzburg und die Kanzel des Würz-
burger Domes zeige» »cnc alte Schönheiten dieser Stadt. Dazu kommt noch der hübsche Altar von
Dertingen, Schnitzerei von zirka 1500 in sehr guter Erhaltung. Der Umschlag zeigt auf der vordere»
Seite die Barockskulptur ,,Herkules und Antäus" von Wolfgang und Lukas Auwera vor dein Rcsidenz-
bau z>, Würzburg, und auf der hinteren Seite die I I. Station der Kreuzannagelung vom „Käppcle",
ein Werk von Peter Alex. Wagner. Der Kalender mit seinem vornehmen Druck und seiner reiche»
Ausstattung reiht sich würdig seine» vielen Vorgänger» an, die alle ein ausgezeichnetes Material für
heimatkundliche Anschaltung und Belehrung bilden.

Söflingen. Weser.

Altschwäbische Kunst. Von Julius Baum. 1923. Benno Filser-Verlag, Augsburg.
158 S. Text, 9 Abbildungen, Preis 8 M.

Man muß es dem Verfasser, der in der schwäbischen Kunst allseitig versiert ist, zu Dank wissen,
daß er im vorliegenden Werke eine Anzahl von Veröffentlichungen gesammelt herausgegebc» hat,
die sich sonst an verschiedenen Orten zerstreut finde». Das Werk vermittelt so i» handlicher Weise einem
weitere» Publikum die Resultate seiner eingehenden Forschungen, die in Fachzeitschriften niedergclcgt
wurden »nd auf de» »cucsten Stand der Forschung weitergesührt sind. Schon das Vorwort bringt
treffliche Bemerkungen über die psychologische und historische Methode der Kunstforschnng, über beider
Berechtigung und Notwendigkeit und ihren gegenseitigen Zusammcnklang. Grundsätzliches und höchst
Beachtenswertes bietet der erste Essay über F o r m w a n d e r u n g. Sodann wird das frühere goti-
sche Rathaus von A n g s b » r g in seiner Baugcschichte und in Beschreibung des einzelnen vvr-
geführt. Der Abschnitt vom ältesten schwäbischen S ch n i ti a l t a r rekonstruiert ein Altarwerk
aus einer Dornenkrönung Christi, seit 1900 in Berlin, einem Heiland mit der Seele Mariens, Bruch-
stück eines Marientodcö, feit >917 in Stuttgart, und einer Kreuzabnahme, die seit 1900 verschollen
ist. Der Altar soll zirka 1550 am Bodcnsee entstanden sei». Ein Bericht über die Züricher Aus-
stellung 19 2 0 bespricht eingehend die hier ausgestellte frühere Tafelmalerei, die aus schwäbischen
»nd alamannischen Gegenden vereinigt war. Eine weitere Abhandlung gilt Friedrich H e r l i » ,
dessen Entwicklungsgang ans seinen Werken richtig hcransgcstcllt wird, nämlich Frühwerke: Altar von
1459 in Nördlingen, die beiden Rotenburger Altäre, Ecce homo in Nördlingc»; der Bopfingcr Altar
1472 kündet eine Stilwandlung an. Der Nördlinger Hochaltar 1478 und der Familienaltar von 1488
verraten den Einfluß Rogiers und Memlings. In der Frage des U l in e r W c n g e n a l t a r s (Lukas-
bruderschaftsaltar) gibt der Verfasser gegenüber Lange einen neuen WiederherstcllungSversuch. Die kunst-
historische Studie über die W ü r t t. Kunst im Zeitalter Eberhards im Barte zeigt dieke
Zeit als eine der an Kunstschöpfunge» reichste Epoche der württ. Geschichte. Von dem ganzen Reichtum
hat sich allerdings mehr in der Architektur erhalten, als von Malerei und Skulptur. Ein Abschnitt
über die Sammlung Schnell in R a v e n s b u r g hebt deren Wert und Bedeutung im ganzen
und in einzelnen Teilen hervor. Leider konnten die Bildwerke im gegenwärtigen Buche nicht zur Ab-
bildung kommen. Eine Reihe von Aufsätze» behandeln die Maler S t r i g c l, das Verhältnis von
Schaffner und M a u ch und die Fragen, die sich um I « r g Ziegler erhoben haben. In letzterer
Hinsicht stellt sich Baum auf den Standpunkt, daß die Gleichstellung des Meisters von Mefikirch mit Jörg

115
loading ...