Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

Seite: 16
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noch mit dem Löschblatt, das der Schreiber damals benützte. Es ist also
sicher ein Einlagebildchen, das zeitlich den Reigen der Bilder nnserer Samm-
lung eröffnet. In dem oben genannten Artikel eines Berichterstatters wird
behauptet: „nur eine für diesen Raum (Bildgröße) eigens gewählte Kompo-
sition und flächige Farbengebung können wirken, nicht aber die Verkleine-
rung eines auf Großformat angelegten Bildes". Unser Bild-
chen ist ein ganz eklatanter Gegenbeweis gegen diese Meinung. In diesen klei-
nen Kupferstichen steckt übrigens gewiß viel Persönlichkeit, persönliches Nach-
empfinden des größeren Originals. Ja, wir halten dafür, daß auch derartige
Bilder als Kupferstiche, als Stahlstiche, sogar als Kunstfarbendrucke und
vorzügliche Photographien Augenblicke der Weihe, Stimmungen der Andacht
zu wecken imstande sind. Mag sein, daß derartige Verkleinerungen übel er-
faßt und schlecht gemacht sind, ihnen gebührt das Verdikt, aber nicht wegen der
Verkleinerung des Maßstabes, sondern wegen der schlechten Erfaffting und
Ausführung. Letzten Endes würde ja diese Theorie dahin führen, daß man be-
haupte» müßte, die Illustrationen unserer Werke über Kunst lind Künstler
seien nicht imstande „zu wirken", eine Wirkung auf den Beschauer anSzuüben,
weil sie Verkleinerungen eines auf Großformat angelegten Bildes seien.
Dantit will natürlich nicht gesagt sein, daß in diesen Fällen nicht manches von
der Wirkung der Originale verloren gehe. Aber das berechtigt noch lange
nicht, diese Art von Bildern ztl verurteilen lind zu verachten.

Die Berichterstattung über die Auöstellling streift gewöhnlich noch mit
einem sehr mitleidigen Blick den H e i l i g e n b i l d e r m a r k t d e S 19. I a h r-
hnnderts. Wir glauben schon bemerkt zu haben, daß in dieser Zeit eine
Massenfabrikation und ein Massenvertrieb von Bildern eingesetzt hat, der
naturgemäß der Güte der Ware Eintrag getan hat und noch tut. Aus den,
Anfang dieses Jahrhunderts konnte man noch Bilder sehen, die in ihrer ab-
wechslungsreichen geschmackvollen llmrabmung aus der Zeit des Louis XVI.
und des Empire gesund und würdig waren. Dann begann eine Zeit des Zer-
falls, die erst durch die D ü s s e l d o r f e r B i l d e r etwas aufgehalten wurde.
Diese Düsseldorfer Bilder werden jetzt sehr zu Unrecht mißachtet. Sie bieten
wahre Perlen guter Andachtsbilder. Schlimmer waren wieder die kommen-
den Jahre, bis die Tätigkeit der Deutschen Gesellschaft für christ-
l i ch e K u n st neue Kräfte wecken konnte. So haben wir in Delitschland am
Beginn und im bisherigen Verlauf des 20. Jahrhunderts wieder Künstler
an der Arbeit, die wieder wahrhaft volkstümliche Bilderkunst schaffen; ich will
nur den Namen „Schiestl" nennen, ohne die andern gering zu schätzen. Auch
andere, reine Geschäftsfirmen, scheinen sich einem Aufschwung entgegen zu be-
wegen, z. B. manche Bilder des Verl a g s H i r m e r - S t r a u b i n g. So-
dann ist hier >nit Ehren zu nennen der B e u r o n e r K u n stverlag, der auch
auf dem Gebiete der Einlagebildchen mit Glück sich betätigt hat. Niemand
wird imstande sein, diesen Darstellungen die tiefe Wirkung aufs Gemüt, die
Fähigkeit zur Weckung der Andacht und eine innerliche, kräftig pulsierende,
lebendige Auffassung abzusprechen, bei allem gemessenen Ernst, der sie charak-
terisiert. Geben wir acht, daß die „Allzu Moderne" nicht auch auf diesem

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