Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 41.1926

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Gebiet vergröbernd, verrohend und verzerrend sich ausdrücken und ausleben
kann. Die retrospektive Ausstellung in Stuttgart hatte ihren Wert darin,
daß sie auf viel wahrhaft Künstlerisches, aus innerlichem Geist GeborneS
und verinnerlichend Wirkendes Hinweisen konnte und das trotz oder wegen
der Vermeidung aller Systematik.

Ifiirrfjenreflaurationen

Von Prof. Dr. Rohr-Tübingen.

I. Die Kirchenerweiterung und Erneuernng in Hiittlingen.

Am 20. September wurde der Chor der früheren Kirche als Krieger-
gedächtniskirche eingeweiht und dem öffentlichen Gebrauch übergeben. Die
Vergrößerung hatte schon am 14. Oktober 1923 in der feierlichen Konsekra-
tion ihren Abschluß gefunden. Die alte Kirche aus dem Jahre 1739 genügte
mit ihren 374 Sitzplätzen der ca. 2000 Seelen zählenden Gemeinde schon
längst nicht mehr. Trotz der Ungunst der Zeit, Weltkrieg lind NachkriegS-
wehen gelang es, gründlich Wandel zu schaffen durch eiue umfassende Erwei-
terung mit 1120 Sitzplätzen als Ergebnis. Von der alten Kirche wurde ein
großer Teil abgebrochen, ihr Chor durch eine Scheidewand als Tauf- und
Kriegergedächtniskapelle eingeweiht, in den Rest des Schiffs die Orgelentpore
eingebaut, das Erdgeschoß unter ihr zur Olbergkapelle umgestaltet und mit den
alten Kirchenbänken ausgestattet. Dem Ganzen wurde rechtwinklig, also nlit
südnördlicher Richtung eine weiträumige, neue Kirche vorgelegt (22 Meter
lang, 33 breit, bis zum Dachfirst 19,40 Meter hoch), Mittel- und Seiten-
schiffe durch acht Säulen von einander getrennt und mit Tonnengewölben über-
spannt, das Mittelschiff in südnördlicher, die Seitenschiffe in ostwestlicher
Richtung, also im rechten Winkel zur ersteren. Die Säulenhöhe beträgt die
Hälfte der Hauptgewölbehöhe, die Seitenschiffgewölbehöhe zwei Drittel des
Hauptgewölbes. Die Seitenschiffbreite ist gleich der Seitenschifftiefe gleich
der Hälfte der Hauptschiffbreite. Der erhöhte Chor mit schrägen Seitenwän-
den schließt geradlinig ab. Die Außenwand hat mächtige, nach oben sich ver
jüngende Strebepfeiler als Widerlager. Das Gewölbe ist nur mit gehobelten
und sorgfältig gefügten Latten verschalt und nach oben durch eine dichte Lehm-
schicht gegen die Temperaturschwankungen gesichert.

Von der alten Ausstattung wurden das Hochaltarbild (Kreuzerfindung,
restauriert von Schiller, Ravensburg), die Kanzel und die Seitenaltäre bei-
behalten, bei letzteren die später dick aufgetragenen Farben abgekratzt und die
ursprüngliche, gediegene Marmorierung wieder hergestellt. Bänke und Chor-
stühle sind neu uach Plänen des Architekten, die Bänke dunkel gebaltcn (ge-
arbeitet von Geiselbardt, Ellwangen), der Hochaltar aus hellem Sandstein,
mit schmalen Goldleisten (von Angftenberger, Gmünd) gemeißelt, mit
Majolikaengeln (W. Eisele, Stuttgart) geschmückt und beherrscht von
einem Metalltabernakel mit Kuppel und feiner Treibarbeit an den Türen
(H o l b e i n, G m ü n d). Der eigentliche Altarraum ist von dem vorgelagerten

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